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Interviews

SPOTLIGHT OPERNSTUDIO: JIHUN HONG

Jihun Hong hat den Sprung vom Bariton- ins Tenorfach gewagt – ein Schritt, der viel Mut und Geduld verlangt. Wie der junge Künstler diesen Weg nun im Opernstudio der Oper Frankfurt weitergeht, verrät er im Interview.

Bildunterschruft:
Jihun Hong als Marzio in Wolfgang Amadeus Mozarts Mitridate, re di Ponto © Matthias Baus

Inhalt

Steckbrief

Jihun Hong

Herkunft

Südkorea

Aktuelle Position

Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt (seit der Spielzeit 2025/26)

Partien an der Oper Frankfurt

  • Tanzmeister / Laternenanzünder (Manon Lescaut)

  • Marzio (Mitridate, re di Ponto)

Internationale Engagements

  • Korean Art Song Festival (2022)

  • Mitglied des Nationalen Opernstudios Südkorea (2023)

Ausbildung

  • Hochschule für Musik Detmold (Master)

  • Yonsei University in Seoul (Bachelor)

Video: Soiree des Opernstudios

Video
Jihun Hong präsentierte am 11. November 2025 im Rahmen der Soiree des Opernstudios Gaetano Donizettis »Una furtiva lagrima«, eine Arie des Nemorino aus »L’elisir d’amore« (0:54:32).

Vom Bariton zum Tenor – 5 Fragen an Jihun Hong

Franziska Schmidt: Hey Jihun, willkommen im Opernstudio der Oper Frankfurt! Wie hast Du Deinen Einstieg und Dein Hausdebüt hier erlebt?

Jihun Hong:

Der Beginn im Opernstudio der Oper Frankfurt war für mich eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität. Ich wurde von Anfang an sehr herzlich aufgenommen, was mir geholfen hat, mich schnell in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Mein Hausdebüt war eine große Motivation für mich und hat meine Vorfreude auf die kommende Zeit hier noch verstärkt.

FS: Du hast in Südkorea studiert und setzt Deine Ausbildung nun in Deutschland fort. Welche Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten nimmst Du zwischen beiden Ausbildungssystemen wahr?

Jihun Hong:

In Korea lag der Schwerpunkt meiner Ausbildung stark auf einer soliden technischen Grundlage und einer sehr gründlichen stimmlichen Arbeit. In Deutschland erlebe ich die Ausbildung als deutlich praxisorientierter und enger mit der Bühne verbunden. Beide Systeme unterscheiden sich in ihrer Herangehensweise, ergänzen sich für mich jedoch sehr gut, und die in Korea erlernten Grundlagen helfen mir heute enorm.

Jihun Hong als Marzio in Wolfgang Amadeus Mozarts Mitridate, re di Ponto © Matthias Baus

»Die Figur des Des Grieux aus nächster Nähe zu erleben, hat in mir den Wunsch geweckt, als Tenor einmal selbst mit einer solchen Rolle auf der Bühne zu stehen.«
Jihun Hong, Tenor im Opernstudio der Oper Frankfurt

FS: Dein Debüt als Tanzmeister / Laternenanzünder in Manon Lescaut war Deine erste Aufgabe hier. Was hat Dir diese Rolle über das Arbeiten an einem großen Opernhaus gezeigt?

Jihun Hong:

Mein erstes Engagement in Manon Lescaut war zwar eine kleinere Rolle, aber eine sehr wertvolle Erfahrung, um die Arbeitsweise eines großen Opernhauses kennenzulernen. Die Figur des Des Grieux aus nächster Nähe zu erleben, hat in mir den Wunsch geweckt, als Tenor einmal selbst mit einer solchen Rolle auf der Bühne zu stehen und das Publikum musikalisch wie darstellerisch zu erreichen. Es ist ein Traum von mir, diese Partie eines Tages an der Oper Frankfurt zu singen.

»Das Opernstudio der Oper Frankfurt bietet für meine derzeitige Entwicklung ein ideales Umfeld. Die individuelle Betreuung, die vielfältigen Coachings sowie die Möglichkeit, in einem internationalen Team zu arbeiten und regelmäßig Bühnenerfahrung zu sammeln, sind für mein künstlerisches Wachstum von großer Bedeutung.«
Jihun Hong, Tenor im Opernstudio der Oper Frankfurt
Bildunterschruft:
Jihun Hong mit seinen Kolleg*innen des Opernstudios
© Barbara Aumüller

FS: Du hast 2024 vom (Bass-)Bariton ins Tenorfach gewechselt. Wie hat dieser Schritt Deinen künstlerischen Weg verändert?

Jihun Hong:

Schon während meines Studiums in Korea wurde gelegentlich über ein mögliches Tenorfach gesprochen, dennoch fühlte ich mich damals als Bariton gut aufgehoben. Auch nach meinem Wechsel nach Deutschland hörte ich diese Einschätzung erneut von verschiedenen Gesangslehrern, was mich dazu brachte, mich ernsthaft mit dem Gedanken auseinanderzusetzen. In Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, die sowohl meine Bariton- als auch meine Tenorstimme kannten, wurde mir immer wieder bestätigt, dass in meiner Tenorstimme besonders viel Potenzial liegt. Mir wurde klar, dass ich dieser stimmlichen Anlage gerecht werden muss, und so entschied ich mich, diesen Schritt zu wagen. Umso dankbarer bin ich, dass sowohl die Hochschule als auch das Theater mich auf diesem Weg unterstützen. Rückblickend war dieser Schritt ein wichtiges Sprungbrett, das mir ermöglicht hat, früher und bewusster in die professionelle Opernwelt einzutreten.

FS: Gibt es eine Tenorpartie, auf die Du Dich besonders freust oder die Du Dir für die Zukunft wünschst?

Jihun Hong:

Ich möchte mein Repertoire Schritt für Schritt entsprechend der Entwicklung meiner Stimme und meiner musikalischen Reife erweitern. Rollen wie Don Ottavio oder Ferrando sehe ich als wichtige Etappen am Anfang. Mit zunehmender Erfahrung und persönlicher Reife würde ich mich später gern auch Partien wie Don Carlo, Gustavo oder langfristig Calaf nähern. Dabei ist es mir wichtig, jeder Phase die nötige Zeit zu geben.

Geduld, Offenheit und der Weg zur künstlerischen Identität

»Jungen Sängerinnen und Sängern, die eine internationale Karriere anstreben, würde ich raten, geduldig zu bleiben und den eigenen Weg in dem eigenen Tempo zu gehen. Gleichzeitig halte ich Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Arbeitsweisen für essenziell – all diese Erfahrungen prägen letztlich die eigene künstlerische Identität.«

Jihun Hong © Barbara Aumüller

Video: »Dies Bildnis ist bezaubernd schön« aus Wolfgang Amadeus Mozarts »Die Zauberflöte«

SZENENFOTOS Matthias Baus (Mitridate, re die Ponto)

FOTOS Barbara Aumüller

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Veröffentlicht am

12.01.2026

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