Tristan und Isolde – ein Paar, angezogen von größtem Verlangen, und doch zur Beziehungslosigkeit gezwungen. Ihre erste Begegnung liegt bereits einige Zeit zurück, nun soll Isolde Tristans Onkel, König Marke, heiraten … »Erst im Angesicht des Todes wird es den Liebenden möglich, sich ihrer Liebe rückhaltlos hinzugeben«, sagt Katharina Thoma. Für die Regisseurin sind es weniger die gesellschaftlichen Hürden und äußeren Bedingungen, die das Zusammensein der beiden verunmöglichen, sondern vielmehr ihre eigenen Prägungen und innere Verfasstheit. Vor allem für Tristan ist das Gefühl der Liebe durch frühkindliche Verlusterfahrung von Anfang an mit Schmerz, Angst und Tod verbunden. Diesem tiefenpsychologischen Aspekt geht die Inszenierung in einem abstrakten Raum von Johannes Leiacker nach und lotet die Begegnung eines der wohl prominentesten Paare aus der mittelalterlichen Literatur, auf die Richard Wagner für seine Oper zurückgriff, neu aus.
Wagners funktionsharmonisch vieldeutiger »Tristan-Akkord«, der bis kurz vor Stückende unaufgelöst bleibt, spiegelt im Kern die unstillbare, unaufhörlich nach Erlösung strebende Sehnsucht des Liebespaares. Damit blickt der Komponist weit in die Zukunft und öffnet die Tür zur Harmonik der Moderne.
Auszug aus dem Magazin März / April 2026.