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Opernappetizer

BLUTHOCHZEIT

Wolfgang Fortner

Lyrische Tragödie in zwei Akten / Text von Federico García Lorca in der deutschen Übersetzung von Enrique Beck / Uraufführung 1957, Städtische Oper, Köln

Liebe, Gewalt und unausweichliches Schicksal: In Bluthochzeit verbindet Wolfgang Fortner Federico García Lorcas Tragödie mit einer scharf konturierten, spannungsgeladenen Klangsprache. Eine Hochzeit, alte Feindschaften und eine verhängnisvolle Flucht setzen eine Tragödie in Gang, der niemand entkommen kann.

Erleben Sie die Premierenserie von Bluthochzeit vom 10. Mai bis 15. Juni 2026.

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Bildunterschruft:
Barbara Zechmeister (Nachbarin), Magdalena Hinterdobler (Braut), Claudia Mahnke (Mutter) und Ensemble © Xiomara Bender

Inhalt

Handlung

»Bluthochzeit«

I. AKT

Im Haus der Mutter. Der Bräutigam ist auf dem Weg in seinen neu erworbenen Weinberg und bittet die Mutter um ein Messer, um Trauben zu schneiden. Das Messer ruft in ihr düstere Erinnerungen wach: Ihr Mann und ihr älterer Sohn wurden im verbitterten Kampf mit der Familie Félix erstochen. Um sie abzulenken, spricht der Sohn von seiner bevorstehenden Hochzeit. Die Mutter ist mit der Braut einverstanden, da sie anständig und fleißig sei. Von einer Nachbarin erfährt sie, dass die Braut früher mit einem Mitglied der verfeindeten Familie, Leonardo Félix, verlobt war, der inzwischen die Cousine der Braut geheiratet hat. Die Nachbarin glaubt, es sei besser, wenn der Sohn nichts davon erfährt. Die Mutter stimmt zu.

In Leonardos Haus. Seine Frau wiegt ihr gemeinsames Kind in den Schlaf. Leonardo kehrt vom Schmied zurück, weil sein Pferd wieder ein Hufeisen verloren hat. Die Frau misstraut Leonardo und erwähnt, dass er gestern bei einem Ritt im Ödland gesehen worden sei. Er bestreitet es. Als sie von der morgigen Verlobung ihrer Cousine spricht, reagiert Leonardo schroff.

Im Haus der Braut. Die Mutter und der Bräutigam sind zur Brautwerbung erschienen. Der Brautvater ist mit der Heirat einverstanden. Die Hochzeit wird für die kommende Woche festgelegt, und die Geschenke werden der Braut überreicht. Die Mutter, der Bräutigam und der Vater verabschieden sich. Aufgeregt berichtet die Magd von Leonardos gestrigem Ritt durch das Ödland. Die Braut ist verstört. Man hört Pferdegetrappel. Auch diesmal ist es Leonardo, der am Haus der Braut vorbeijagt.

Am Morgen des Hochzeitstages kleidet die Magd ihre Herrin an. Obwohl sich die Braut sträubt, setzt sie ihr den Kranz auf. Leonardo trifft als erster Gast ein. Er erinnert die Braut an ihr Verlöbnis und wirft ihr vor, ihn nur wegen seines bescheidenen Besitzes abgewiesen zu haben. Inzwischen ist die ganze Hochzeitsgesellschaft angekommen. Der Bräutigam erscheint mit seiner Mutter. Leonardo und seine Frau beglückwünschen ihn. Die Braut drängt, sofort zur Kirche zu fahren..

II. AKT

Vor dem Haus der Braut. Die Mutter des Bräutigams und der Vater der Braut kehren als erste aus der Kirche zurück. Nach der Begegnung mit den Angehörigen der Mörder ihres Mannes und älteren Sohnes kann sich die Mutter kaum beherrschen. Der Vater der Braut tröstet sie mit Vorfreude auf ihre Enkelkinder. Inzwischen treffen alle Hochzeitsgäste ein. Leonardos Frau sucht nach ihrem Mann. Unter dem Vorwand, sich ausruhen zu wollen, begibt sich die Braut ins Haus. Die Gäste fordern das Paar auf, zu tanzen, doch die Braut ist nicht aufzufinden. Verzweifelt berichtet Leonardos Frau, dass ihr Ehemann mit der Braut auf seinem Pferd entflohen ist. Begleitet von seinen Freunden will der Bräutigam die Fliehenden verfolgen.

Nachts im Wald. Drei Holzfäller unterhalten sich über die Folgen der abgebrochenen Hochzeit. Der Mond erscheint auch als Holzfäller. Er ist bleich und leuchtet sowohl den Fliehenden als auch ihren Verfolgern den Weg. Als alte Bettlerin begleitet der Tod den Bräutigam dorthin, wo er das flüchtige Paar finden wird. Die Braut beschwört Leonardo, ohne sie zu fliehen, damit er sein Leben rette, doch er zieht sie mit sich fort. Die Verfolger holen die beiden ein. Aus der Ferne ertönen zwei Schreie: Leonardo und der Bräutigam haben sich gegenseitig erstochen.

Am Morgen im Dorf. Zwei Mädchen und ein Kind erwarten die Rückkehr der Hochzeitsgäste. Leonardos Frau weiß nicht, was in der Nacht geschehen ist. Die Schwiegermutter ahnt das Unheil. Die Bettlerin berichtet den Mädchen, dass die beiden Männer gefallen seien, die Braut jedoch heimkehren werde. Zuletzt kommen die Mutter und schließlich die Braut. In ihrem Zorn schlägt die Mutter die Braut, die sie für eine Ehebrecherin hält. Die Braut beteuert ihre Unschuld und erfleht den Tod. Doch die Mutter wendet sich von ihr ab. Ihre Totenklage gilt dem Messer, durch das zwei Männer sterben mussten.

Zum Werk – Duncan Ward, Musikalische Leitung

Intensives und spannendes Musiktheater

»Mit einem dramatischen Ausbruch des Orchesters, der Fortners Oper eröffnet, tauchen wir sofort in die tragische und zeitlose Geschichte der schicksalhaft miteinander verbundenen Familien ein. Was mir bei diesem großen Orchestereinsatz (und im ganzen Werk) besonders ›fehlt‹, ist der warme Klang der Hörner. Die Fanfare des Untergangs, die von den übrigen Blechbläsern in den ersten Takten gespielt wird, klingt ohne sie besonders hart, ähnlich wie das trostlose Landleben in der drückenden Hitze Andalusiens in Lorcas Tragödie.

© Holger Talinski

Fortner hat die reiche Folklore der Region überzeugend in seine Partitur eingewoben: Rhythmen der spanischen Volksmusik und Passagen im ›Tempo di Bolero‹ werden im Orchestergraben oder hinter der Bühne durch Gitarren, Mandolinen, Kastagnetten, Rumbabirnen und Tamburin hervorgehoben. Jenseits von leichter Unterhaltung oder pasticcio-artigem Exotismus vereint Fortner diese Elemente meisterhaft in seiner streng-sinnlichen Klangsprache. Selbst die Tanzmusik auf dem Hochzeitsfest hat – trotz des fröhlichen Textes mit poetischen Naturbildern und lebhaften Volksrhythmen – eine unglaubliche Spannung und eine unterschwellige Dramatik, die mit nervös huschenden Violinen organisch zur Horrormusik führt, wenn die Familien entdecken, dass die Braut verschwunden ist.

Die Kraft des vollen Orchesters wird kaum gleichzeitig eingesetzt. Von all den eindringlichen, sparsam instrumentierten Passagen kommt die Spannung der Stille nirgendwo besser zur Geltung als in der symbolistischen Waldszene. Zwei einsame Soloviolinen hinter der Bühne spielen einen geheimnisvollen Kanon mit vereinzelten, leisen, perkussiven Klängen und leiten damit den rituellen gesprochenen Dialog der Holzfäller sowie die surreale Arie des Mondes ein. Als die Braut später in derselben Szene Leonardo endlich ihre beständige Liebe gesteht, hören wir ein hastiges Flüstern in den sich wiederholenden, eisigen Harmonien der Streicher und den kalten, scharfen Akkorden der Harfe und der Celesta.

Die Kraft des vollen Orchesters wird kaum gleichzeitig eingesetzt. Von all den eindringlichen, sparsam instrumentierten Passagen kommt die Spannung der Stille nirgendwo besser zur Geltung als in der symbolistischen Waldszene. Zwei einsame Soloviolinen hinter der Bühne spielen einen geheimnisvollen Kanon mit vereinzelten, leisen, perkussiven Klängen und leiten damit den rituellen gesprochenen Dialog der Holzfäller sowie die surreale Arie des Mondes ein. Als die Braut später in derselben Szene Leonardo endlich ihre beständige Liebe gesteht, hören wir ein hastiges Flüstern in den sich wiederholenden, eisigen Harmonien der Streicher und den kalten, scharfen Akkorden der Harfe und der Celesta.

[...] Bluthochzeit ist ein intensives und spannendes Musiktheater, das von der ersten bis zur letzten Note fesselt. Ich freue mich, sie dem Frankfurter Publikum vorzustellen.«

Auszug aus dem Magazin Mai / Juni 2026.


3 Fragen an Annette Schönmüller

»Mehr und mehr singend, schreiend, im Takt sprechend«: In Bluthochzeit nutzt Wolfgang Fortner die menschliche Stimme jenseits traditioneller Opernästhetik. Gefordert ist ein breites Spektrum zwischen Sprechen und Singen – mit präziser Rhythmik und schnellen Wechseln der Stimmqualitäten. Der Fokus liegt dabei weniger auf »schönem« Klang als auf Ausdruck und klanglicher Vielfalt.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

Demnächst reinhören in die Audioeinführung zu Bluthochzeit mit Dramaturg Zsolt Horpácsy! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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Aus unserem Magazin: Zu Ende gesungen

TEXT VON ZSOLT HORPÁCSY

Fortner verwendete nur wenige Motive der spanischen Musik in seiner Vertonung, um die Atmosphäre der Tragödie nachdrücklich zu unterstreichen. Die sieben Bilder der Oper sind durch expressive Zwischenspiele miteinander verbunden. Die Instrumentation ist zurückgenommen und lässt dem Text, den streng angelegten Sing- und Sprechstimmen den Vorrang. Umso wirkungsvoller erscheinen die ariosen Momente, in denen »die Tragödie zu Ende gesungen wird«. Fortners Klangwelt reflektiert Lorcas Sprachmelodie und entspricht perfekt ihrer mitreißenden, elementaren Kraft. Sie verleiht den Figuren eine neue Dimension, verstärkt ihre Konturen und zeichnet – ganz im Sinne des Autors – das erschreckende Bild einer lieblosen und menschenverachtenden Gemeinschaft, die im Namen der »Tradition« agiert. Die Blutrache wird zum Schluss für beide Clans gleichzeitig vollbracht. Zwei junge Männer sterben. Verlierer sind alle.

Auszug aus dem Magazin Mai / Juni 2026.

Bildunterschruft:
Zanda Švēde (Leonardos Frau), Mikołaj Trąbka (Leonardo) und Annette Schönmüller (Schwiegermutter) © Xiomara Bender
»Der bis zu diesem Augenblick die Tragödie beherrschende Realismus wird gebrochen, verschwindet und macht der poetischen Fantasie Platz, in der ich mich natürlich wohl fühle wie der Fisch im Wasser.«
Federico García Lorca zum vorletzten Bild (Wald)

Zum Werk – Claudia Mahnke, Mutter

Dem Geschehen standhalten

»In Fortners Oper fasziniert mich vor allem die Direktheit der musikalischen Sprache, die ich in der Arbeit an der Partie der Mutter besonders deutlich erlebe. Beim Singen gibt es wenige Momente, in denen man sich ›zurücklehnen‹ kann. Ich empfinde die musikalischen Bögen oft als kurz, die Spannung löst sich selten von selbst, und man ist ständig gefordert, präsent zu bleiben. Vieles muss im Moment entstehen, ohne sich auf große Auflösungen verlassen zu können.

© Monika Rittershaus

Die Partie der Mutter erschließt sich mir vor allem aus der Vorgeschichte der Handlung heraus. Sie hat, bevor das Stück beginnt, bereits Gewalt und Verlust erlebt. Ihr Mann und ihr älterer Sohn wurden getötet, und die Täter stammen aus einer Familie, mit der sie seit Langem verfeindet ist und mit der nun durch die Hochzeit ihres Sohnes Frieden geschlossen werden soll. Sie weiß, wozu Leidenschaft und Feindschaft führen können, und versucht deshalb, Kontrolle zu bewahren und das Leben ruhig zu halten. Ihre Zurückhaltung bedeutet für mich keinen Mangel an Gefühl, sondern eine Form von Schutz.

Im Moment ist mir wichtig, mir in der Arbeit an dieser Figur vieles offen zu halten. Ich versuche, keine schnellen Festlegungen zu treffen, sondern aus der Musik, aus der Situation und aus dem gemeinsamen Arbeiten heraus zu reagieren. Die Mutter ist für mich weniger eine Figur, die sich entwickelt, als vielmehr jemand, der von Anfang an weiß, wie gefährlich diese Welt sein kann. Sie trägt Erfahrungen in sich, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.

Besonders am Ende des Werks, das Fortner als ruhiges Gedicht anlegt, wird diese Haltung deutlich. Nach dem Tod des Sohnes sucht die Mutter keinen Trost und keine Beschönigung. Sie handelt nicht mehr, sondern benennt, was geschehen ist, und bleibt bei der Realität des Verlusts. Mich interessiert an dieser Partie vor allem dieses Aushalten: nicht auszuweichen, nicht zu relativieren, sondern dem Geschehen standzuhalten.«

Auszug aus dem Magazin Mai / Juni 2026.

Bildunterschruft:
Magdalena Hinterdobler (Braut) und Ensemble © Xiomara Bender

Rund um Ihren Besuch

OPERA NEXT LEVEL

Was passiert, wenn die Vergangenheit dich nicht loslässt? In Wolfgang Fortners Bluthochzeit prallen unterdrückte Leidenschaft und eine alte Familienfehde aufeinander. Ein junges Paar will heiraten, doch die Braut liebt insgeheim noch immer Leonardo – einen Mann aus der Familie, die einst den Vater und Bruder des Bräutigams tötete. Am Tag der Hochzeit eskaliert die Situation: Die Braut flieht mit Leonardo in die Wälder. Eine gnadenlose Jagd beginnt, bei der sogar der Mond und der Tod persönlich ihre Finger im Spiel haben. Am Ende stehen sich zwei Männer mit gezogenen Messern gegenüber ... Wolfgang Fortners Musik untermalt diesen Albtraum mit messerscharfen Klängen und packenden Rhythmen, die die psychologische Spannung fast greifbar machen. Ihr wollt wissen, wie dieses Drama auf der Opernbühne realisiert wird? Wir laden herzlich zur Generalprobe ein! Erlebt hautnah die Energie des Orchesters, die Wucht der Stimmen und ein Bühnenbild voller Symbole.

TERMIN
8. Mai (Generalprobe)

Kontakt: jetzt@buehnen-frankfurt.de

Für junge Menschen von 15–21 Jahren / kostenfreies Angebot für alle, die eine Junge OpernCard besitzen (erhältlich für 10 Euro) / Anmeldung unter jetzt@buehnen-frankfurt.de

OPER IM DIALOG

Worte finden, mitreden, Fragen stellen, Begeisterung oder Verwunderung teilen ... Uns interessiert, wie Sie den Opernabend erlebt haben! Nach ausgewählten Vorstellungen möchten wir gemeinsam mit Ihnen ins Gespräch kommen, um die Aufführungen kritisch zu diskutieren. Zu ausgewählten Terminen laden wir externe Gäste ein, die Musiktheater aus ihrem jeweiligen Fachgebiet heraus betrachten und so den Dialog bereichern.

TERMIN
15. Mai, 21.30 Uhr, Holzfoyer

TICKETS BUCHEN

10., 13., 15., 24., 31. Mai / 6., 15. Juni 2026

Erleben Sie Wolfgang Fortners Bluthochzeit: ein intensives Musiktheater zwischen archaischer Tragödie, poetischer Bildsprache und eindringlicher Klangwelt!

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SZENENFOTOS Xiomara Bender

FOTOS Duncan Ward (Holger Talinski), Claudia Mahnke (Monika Rittershaus)

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Veröffentlicht am

07.05.2026

Willy-Brandt-Platz

Spielort

Willy-Brandt-Platz

60311 Frankfurt am Main

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