Opernappetizer

DER ZAR LÄSST SICH FOTOGRAFIEREN / DIE KLUGE

KURT WEILL / CARL ORFF

Opera Buffa in einem Akt / Text von Georg Kaiser / Uraufführung 1928

Zwölf Szenen / Text vom Komponisten / Uraufführung 1943

Ein Abend, zwei Welten: Im Opernhaus treffen Kurt Weills bissige Satire und Carl Orffs poetisch-dunkles Märchen aufeinander. Humorvoll, spannungsgeladen und von feiner Ironie durchzogen entfaltet sich ein Doppelabend, der politische Dimensionen ebenso freilegt wie menschliche Abgründe – und zeigt, wie nah Witz und Wahrheit beieinanderliegen.

Vom 14. bis 27. Juni 2026 im Opernhaus.

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Bildunterschruft:
2023 © Barbara Aumüller

Inhalt

Handlung

Der Zar lässt sich fotografieren

Der Zar will sich in Angèles Pariser Fotostudio fotografieren lassen – jetzt gleich. Das lässt er via Telefon übermitteln.

Eine Gruppe Verschwörer, die davon Wind bekommt, will bei dieser Gelegenheit ein Attentat auf ihn verüben. Die Revolutionäre verschaffen sich Zugang zum Studio, überwältigen die Fotografin Angèle und installieren in ihrem Fotoapparat eine Pistole.

Als der Zar kurz darauf mit seinem Begleiter das Studio betritt, trifft er auf die »falsche Angèle« – eine der Attentäter, die sich als die Fotografin ausgibt. Es entspinnt sich ein heftiger Flirt, der zwischen echter Leidenschaft und Lebensgefahr schwankt und bei dem nicht immer ganz klar ist, wer wen kontrolliert.

Noch bevor einer der beiden den Auslöser betätigen kann, wird der Komplott aufgedeckt. Die Attentäter können fliehen, der Zar besteht auf sein Porträt.

Die Kluge

Hätte der Bauer seiner Tochter nur geglaubt ... Die Kluge hatte ihm geraten, den goldenen Mörser – ein Fundstück von der Feldarbeit – nicht dem König zu übergeben. Er aber lieferte den Fund pflichtschuldig ab und erntete statt einer Belohnung das Misstrauen des Königs: Davon überzeugt, dass der Bauer den dazugehörigen Stößel einbehalten hat, lässt dieser ihn in den Turm werfen.

Nun will der König die Klugheit der Bauerstochter prüfen. Er stellt ihr drei Rätsel. Wenn sie diese löst, will er ihr die Freiheit schenken, andernfalls droht ihr der Strick. Ein Kinderspiel für die Kluge. Beeindruckt nimmt der König sie zur Frau.

Zwischen dem Mann mit dem Esel und dem Mann mit dem Maulesel entbrennt ein Besitzstreit um ein Füllen. Sie ziehen vor den König, der ein Urteil sprechen soll. Der Mauleselmann besticht alle, die ihm zu seinem Recht verhelfen könnten – so auch die drei Strolche im Richtergewand. Schadenfroh kommentieren diese das schließlich ergehende Fehlurteil des Königs gegen den Eselmann.

Verzweifelt reflektiert der Eselmann seine Situation. Da erscheint ihm die Kluge, die sich ihm nicht als die Königin zu erkennen gibt. Sie spricht ihm gut zu und stellt in Aussicht, das Blatt zu wenden. Und tatsächlich wird der Eselmann sein Füllen sowie eine Menge Geld zurückerhalten.

Als die Kluge dann den König wegen seines Fehlurteils im Sinne der Rechtsordnung ermahnt, verstößt er sie, überlässt ihr jedoch eine Truhe, in der sie mitnehmen darf, »woran ihr Herz am meisten hängt« … Er selbst ist es, der darin von einem Schlaftrunk wieder erwacht, den ihm seine kluge Frau verabreicht hatte.

Trailer

Video

Aus unserem Magazin: Kinderspiel von politischer Dimension

TEXT VON MAREIKE WINK

Ein Zar, der unbedingt fotografiert werden möchte, und nicht ahnt, dass man dabei ein Attentat auf ihn verüben will. Und eine junge Frau, die in ihrer Klugheit allen überlegen ist – sogar dem König. Es sind zwei höchst unterschiedliche Opern, die sich in der Regie von Keith Warner zu einem energiegeladenen Abend voller Ironie fügen und dabei selbst dem Kinderspiel politische Dimension verleihen.

Schon Kurt Weills 1928 uraufgeführter Einakter bezieht im Gewand einer Opera buffa Stellung gegen kapitalistische und monarchistische Herrschersysteme, und reflektiert zugleich die Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau. Denn es ist das Pariser Atelier einer Fotografin, das zum Ort des Geschehens wird. Schnelle Bildwechsel, filmhafte Szenenschnitte, Slapstick-Nummern und deutliche Anklänge an die populäre Musik der späten 20er Jahre durchziehen die Satire. Wie in der Premierenserie ist Ensemblemitglied Domen Križaj als Zar zu erleben.

Carl Orff schrieb Die Kluge in einer noch viel dunkleren Zeit des Umbruchs. Seine Uraufführung erlebte das heiter-ernste Märchenstück im Jahr 1943 am Frankfurter Opernhaus. In zwölf Szenen verbinden sich darin Assoziationen an Bertolt Brechts Episches Theater und mittelalterliche Mysterienspiele mit Orffs erklärtem Ziel einer raffinierten Entwicklung der Musik aus der Sprache heraus. Drei Strolche durchwandern das Werk kommentierend. Aus ihrem Mund vernahm das Publikum der Uraufführung kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Sätze wie »Tugend ist des Lands vertrieben, Untreu und Bosheit sind verblieben« … Auch hier ist es eine Frau, die Kluge, die den Überblick und als einzige einen Kompass der Moral und Empathie zu behalten scheint. Erneut verkörpert Ensemblemitglied Elizabeth Reiter diese Partie.

Auszug aus dem Magazin Mai / Juni 2026.

Bildunterschruft:
2023 © Barbara Aumüller

Elizabeth Reiter, Die Kluge

»Die Kluge bringt den Kern des Stückes in ihrem letzten Satz auf den Punkt: ›Klug sein und lieben kann kein Mensch auf dieser Welt.‹ Die Handlung wie die Charaktere bewegen sich zwischen Logik und Irrationalität, was ja oft gar nicht so weit voneinander entfernt ist. Wir müssen doch selbst immer wieder zwischen Kopf und Herz wählen.

Elizabeth Reiter © Barbara Aumüller

Interessanterweise hat die Hauptfigur gar nicht so viel zu singen. Sie sagt nur, was nötig ist, und agiert ansonsten eher als Beobachterin. Auch wenn sie allein auf der Bühne ist, singt sie in Rätseln und Liedern. Man weiß also nie genau, was wirklich in ihr vorgeht.
Der Ton, den Orff hier anschlägt, ist sehr ironisch. Oberflächlich scheint das Stück schlicht und einfach zu sein wie ein Märchen, doch darunter liegen Kommentare zu großen gesellschaftlichen Themen: Macht, Liebe, Intelligenz, aber etwa auch zu Geschlechterunterschieden …«

Auszug aus dem Magazin März / April 2023.

AUFTAKT – AUDIOEINFÜHRUNGEN

In Kürze reinhören in die Audioeinführung zu Der Zar lässt sich fotografieren / Die Kluge von Dramaturgin Mareike Wink. Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie bei SoundCloud, Spotify und ApplePodcasts.

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Domen Križaj, Der Zar

»Die Handlung finde ich ziemlich clever und wirklich witzig. Was sich vor den Augen des Publikums ohne das Wissen des Protagonisten abspielt, ist ein wirkungsvoller dramaturgischer Trick. Die komischen Situationen, in denen sich die Charaktere begegnen, werden so zum Teil ins Absurde geführt.

Domen Križaj © Barbara Aumüller

Auch der Charakter des Zaren selbst ist ziemlich interessant. Trotz einer offensichtlich etwas versnobten, eitlen, aristokratischen Attitüde ist er neugierig auf das, was den bürgerlichen Alltag ausmacht – so etwa die Aufnahme eines Porträts im seinerzeit berühmtesten Fotosalon von Paris. Der Zar nimmt sich selbst sehr ernst, obwohl er zu wissen scheint, dass das goldene Zeitalter des Adels längst vorbei ist. Er findet offensichtlich Gefallen daran, aus seinem eher starren und langweiligen Alltag auszubrechen.
Kurt Weill schafft dazu einen intensiven und spannungsreichen Klang, der sich in vielen verschiedenen musikalischen Ideen sowie schnellen und offenen Tonalitäts- und Modalitätswechseln eng mit der Handlung verbindet und diese permanent vorantreibt.«

Auszug aus dem Magazin März / April 2023.


»Ich werde manchmal gefragt, warum ich meist alte Stoffe für meine Bühnenstücke wähle. Ich empfinde sie nicht als alt, nur als gültig. Das Zeitgebundene fällt, die geistige Kraft bleibt bestehen.«
Carl Orff

Rund um Ihren Besuch

OPER FÜR FAMILIEN

Ihr Nachwuchs ist zu alt für Oper für Kinder? Dann besuchen Sie gemeinsam eine der ausgewählten Vorstellungen im Opernhaus zu besonderen Konditionen: Erwachsene zahlen ihren Sitzplatz regulär und können damit je bis zu drei junge Menschen kostenlos mit in die Oper nehmen – zu familienfreundlichen Zeiten.

TERMIN 21. Juni 2026, 15.30 Uhr, für Erwachsene mit Kindern von 10 bis 18 Jahren

REISETIPP

Ein Ausflugsziel auf der Fahrt in den Sommerurlaub ist das Carl Orff Museum in Dießen am Ammersee. Besuchen Sie das familienfreundliche Museum zum Stöbern, Hören, Fühlen und Mitmachen und ergründen Sie das musikalische Schaffen des Theatermenschen Carl Orff.

TICKETS BUCHEN

14., 19., 21., 25., 27. Juni 2026

Erleben Sie ein packendes Doppel voller Witz, Spannung und politischer Raffinesse – sichern Sie sich jetzt Tickets und entdecken, wie Klugheit und Intrige aufeinandertreffen!

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SZENENFOTOS Barbara Aumüller

FOTOS Barbara Aumüller

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Veröffentlicht am

22.04.2026

Willy-Brandt-Platz

Spielort

Willy-Brandt-Platz

60311 Frankfurt am Main

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