ERSTER AKT
Die verfeindeten Rivalen Argirio und Orbazzano sehen ihre Heimat durch die Sarazenen bedroht. Um sich zu verteidigen, schließen sie ein Bündnis und schwören ihrem Land bedingungslose Treue. Anstelle des gemäßigteren Argirio soll Orbazzano die Führung im Kampf übernehmen. Als Zeichen ihrer neuen Verbundenheit verspricht Argirio ihm die Hand seiner Tochter Amenaide. Gegen Verrat im Inneren wird ein drakonisches Gesetz erlassen: Jeder und jede, der oder die mit dem Feind paktiert, soll hingerichtet werden.
Amenaide hat erfahren, dass sich ihr geliebter Tancredi, der vor vielen Jahren verbannt worden war, seiner Heimat nähert. Sie schreibt ihm einen Brief. Im Wissen, dass Tancredi nicht erkannt werden darf, nennt sie aus Vorsicht keinen Adressaten. Sie vertraut die Nachricht einem befreundeten Boten an, der den Brief heimlich an Tancredi überbringen soll. Kurz darauf eröffnet ihr Argirio, dass sie Orbazzano heiraten müsse. Entsetzt bittet Amenaide um Aufschub, doch ihr Vater fordert sie auf, sich ihrer Pflicht gegenüber dem Vaterland zu fügen.
Bei Nacht kehrt Tancredi inkognito in seine alte Heimat zurück. Voller Hoffnung sieht er dem Wiedersehen mit Amenaide entgegen. Als er vor ihr steht, ist sie jedoch bestürzt und abweisend. Aus Angst um sein Leben drängt sie ihn zur Flucht. Die Heirat Amenaides mit Orbazzano wird vorbereitet. Im Vertrauen darauf, dass niemand ihn von Angesicht kennt, da er noch ein Kind war, als er ins Exil ging, bietet Tancredi sich Argirio als unbekannter Kämpfer an. Als die Hochzeit Amenaides vollzogen werden soll, weigert sie sich. Da präsentiert Orbazzano den Brief, den sie heimlich Tancredi zukommen lassen wollte: Der Bote wurde abgefangen und getötet. Der Brief wird missdeutet und als Beweis dafür genommen, dass Amenaide den Sarazenen-Fürsten liebt und Hochverrat begangen hat. Als Verräterin droht ihr die Todesstrafe.
ZWEITER AKT
Amenaide soll hingerichtet werden. Es fehlt nur noch Argirios Unterschrift unter dem Urteil. Zerrissen zwischen seiner Liebe zur Tochter und seiner Pflicht gegenüber dem Vaterland ringt er mit seiner Entscheidung. Orbazzano drängt ihn, das Gesetz ohne Nachsicht anzuwenden. Er unterschreibt. Amenaides Vertraute Isaura beschuldigt Orbazzano, er wolle sich wegen der erlittenen Zurückweisung an ihr rächen. Er warnt sie jedoch, auch sie könne als Komplizin unter Verdacht geraten. In Ketten sieht Amenaide der Vollstreckung des Urteils Tod entgegen. Am meisten schmerzt sie, dass auch Tancredi sie für untreu hält.
Der Augenblick der Hinrichtung ist gekommen. Da bietet Tancredi sich dem gequälten Vater als Streiter für seine Tochter an, ohne ihm zu verraten, wer er ist. Orbazzano nimmt die Herausforderung des Unbekannten an, da er glaubt, leichtes Spiel zu haben. Voller Angst erwartet Amenaide den Ausgang des Zweikampfs. Tancredi siegt, Orbazzano stirbt. Tancredi wird zum neuen Anführer im Kampf gegen die Sarazenen ernannt.
Tancredi hat Amenaide zwar gerettet, hält sie jedoch nach wie vor für untreu. Er will den Tod suchen. Ein letztes Aufeinandertreffen der beiden bleibt ergebnislos, da Amenaide immer noch glaubt, sie müsse seine Identität verheimlichen und damit den wahren Adressaten des Briefes schützen. Im Kampf gegen die Sarazenen wird Tancredi tödlich verwundet. Erst im Sterben erfährt er, dass Amenaide ihn immer geliebt hat.