01.04.2026
VORTEILE, VORTEILE UND NOCHMAL VORTEILE: DIE OPER FRANKFURT FÜR STUDIERENDE
Lust auf Abwechslung vom Uni-Alltag? Komm vorbei – und entdecke die zahlreichen Vorteile und Rabatte für Studierende an der Oper Frankfurt.
Dramma lirico in drei Akten / Text von Giuseppe Adami und Renato Simoni nach Carlo Gozzi / Uraufführung 1926, Teatro alla Scala, Mailand / Uraufführung des Prologs Io tacerò von Lucia Ronchetti, Auftragswerk der Oper Frankfurt
Eine unnahbare Prinzessin stellt tödliche Rätsel, ein Fremder riskiert alles für die Liebe – und entfacht damit einen erbitterten Kampf, der niemanden unberührt lässt. Zwischen brutalen Ritualen, emotionalen Abgründen und klanglicher Intensität entfaltet sich ein Werk voller Spannung.
Erleben Sie die Premierenserie von Turandot vom 12. April bis 4. Juni 2026.
Entgegen dem Wunsch ihres Vaters weigert sich die Prinzessin Turandot zu heiraten. Sie stellt eine schier unmögliche Bedingung: Wer sie zur Frau haben will, muss drei Rätsel lösen. Wer jedoch daran scheitert, wird öffentlich hingerichtet. Wie bereits Dutzende Bewerber vor ihm war auch der Prinz von Persien dieser Aufgabe nicht gewachsen. Darum versammeln sich nun die Bewohner Pekings, um seiner Exekution beizuwohnen. Inmitten der geknechteten Volksmenge kommt es dabei zu einem unverhofften Wiedersehen: Prinz Calaf, der kriegsbedingt nach Peking geflohen ist, trifft auf seinen Vater Timur und dessen Sklavin Liù. Diese hatte Timur auf der Flucht unterstützt, da sie seit längerer Zeit Liebesgefühle für Calaf hegt.
In Peking werden die drei nun Zeugen eines grausamen Rituals. An dessen Höhepunkt erscheint Turandot selbst und bekräftigt ihr Todesurteil für den jungen Prinzen von Persien. Calaf, der anfangs noch die Brutalität der Prinzessin verurteilt hatte, ist durch Turandots Anblick wie verwandelt: Er will künftig alles dafür tun, um einen Platz an ihrer Seite zu erlangen. Die drei Minister Ping, Pang und Pong versuchen ihn davon abzuhalten, sich den tödlichen Rätseln zu stellen. Doch ihre Ausführungen werden immer wieder von Turandots Dienerinnen und den Stimmen der verstorbenen Liebhaber torpediert, so dass sie Calaf nicht umstimmen können. Liù wagt einen letzten Versuch und führt dem Prinzen vor Augen, dass Timur und sie ohne seine Unterstützung umkommen werden. Calaf ignoriert allerdings auch diese Mahnung: Mit drei Schlägen auf den Gong bekundet er seinen Willen, die Rätselprobe anzutreten.
Da mit Calaf ein neuer Brautwerber in den Startlöchern steht, müssen die drei Minister Vorkehrungen treffen: Falls er die Rätsel löst, organisieren sie die Hochzeit. Falls er daran scheitert, seine Beerdigung. Die drei rekapitulieren, wie viele Freier sie bereits in den Tod gehen sahen und gelangen zu der Erkenntnis, dass sie zu »Ministern des Henkers« verkommen sind. Anstatt ihre Zeit in Turandots Mordmaschinerie zu vergeuden, träumen sie davon, in ihre ländliche Heimat zurückzukehren und ein beschauliches Leben zu führen. Umso dringlicher hoffen sie, dass Turandot endlich heiratet und China 4 English translation Page 69 wieder Frieden findet. Unterdessen haben sich die Bewohner Pekings eingefunden, um der öffentlichen Rätselprobe beizuwohnen. Kaiser Altoum, der sichtbar unter dem Blutrausch seiner Tochter leidet, versucht Calaf zur Flucht zu bewegen, was dieser jedoch ablehnt. Turandot wiederum erklärt, weshalb sie nie einen Mann an ihrer Seite dulden wird: Vor vielen Tausend Jahren sei ihre Ahnin Lo-u-Ling von einem fremden Prinzen geschändet und getötet worden. Dieses Verbrechen möchte die Prinzessin nun an ihren Freiern rächen.
Als es Calaf tatsächlich gelingt, alle drei Rätsel zu lösen, ist Turandot in ihren Grundfesten erschüttert. Sie fleht ihren Vater an, sie nicht mit einem fremden Mann zu verheiraten. Calaf, der in Peking bis dato anonym geblieben war, stellt der Prinzessin daraufhin ein Gegenrätsel: Wenn Turandot bis zum nächsten Morgen seinen Namen errät, ist er bereit zu sterben.
Turandot will mit aller Macht Calafs Namen erfahren und erlässt ein weiteres grausames Edikt: Die Bewohner Pekings dürfen in dieser Nacht nicht schlafen und müssen alles daransetzen, die Identität des Prinzen zu ergründen. Falls dies nicht gelingt, droht ihnen die Todesstrafe. Während Calaf auf das entkräftete Volk herabblickt, malt er sich aus, wie er Turandot am kommenden Morgen endgültig besiegen wird. Da treten die drei Minister mit einem Angebot an Calaf heran: Wenn er seinen Namen preisgibt, wollen sie ihm Reichtümer aller Art besorgen und zur Flucht verhelfen. Calaf bleibt jedoch stur.
Die Schergen der Prinzessin führen Liù und Timur herbei, die als Einzige in Peking Calafs Namen kennen. Unter den Augen Turandots beginnen die drei Minister damit, die beiden zu foltern. Liù nimmt jedoch all ihre Kraft zusammen, um ihr Schweigen nicht zu brechen. Auf Turandots Frage, was ihr solch eine Stärke verleiht, antwortet die Sklavin: »die Liebe«. Turandot intensiviert daraufhin Liùs Qualen, bis diese sich ein letztes Mal aufbäumt: Liù prophezeit Turandot, dass auch sie eines Tages die Kraft der Liebe verspüren werde, ehe sie sich vor den Augen der Menge erdolcht. Wird Turandots Schreckensherrschaft nach diesem Selbstmord weiter bestehen?
Generalmusikdirektor Thomas Guggeis zeigt in unserem neuen Deep Dive, wie Puccini Einflüsse aus Europa und Asien im italienischen Verismo zu emotionaler Intensität verbindet, welche Besonderheiten die Instrumentalisierung aufweist und wie der uraufgeführte Prolog in der Inszenierung der Oper Frankfurt den Fragmentcharakter der Oper aufgreift.
In Kürze reinhören in die Audioeinführung zu Turandot mit Dramaturg Maximilian Enderle! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.
»Puccinis Turandot fasziniert mich nicht zuletzt deshalb, weil ich die Oper als unglaublich paradox empfinde: Auf der einen Seite zeichnet sich die Partitur durch eine große Modernität und einen brutalen Umgang mit Klängen und Harmonien aus. [...] Auf der anderen Seite hat die Musik aber eine Naivität, die einfach unmittelbar zu Herzen geht. [...]
Wenn man sich vergegenwärtigt, wie Puccini eine so heftige Geschichte wie Turandot auf eine solch effektvolle Weise dem Publikum nahebringt, versteht man nochmals besser, warum er einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit war.
Ein wesentlicher Grund für mich, in Frankfurt eine Neuproduktion der Oper anzugehen, war die Zusammenarbeit mit Andrea Breth. Als Regisseurin besticht sie durch eine große Sensibilität für Menschen und Geschichten. Sie arbeitet sich akribisch in die kulturellen Kontexte von Werken ein und ist sehr durchlässig dafür, was uns Stoffe heute erzählen können. Für Turandot entscheidend finde ich, dass Andrea sicherlich keinen Zuckerguss über Puccinis an Oberflächenreizen ja ohnehin schon nicht armer Musik kippen wird. [...]
Der neue Prolog von Lucia Ronchetti wird das Publikum ideal auf diese existenzielle Reise vorbereiten. Die Komposition bricht Hörgewohnheiten auf, reißt aus der Komfortzone und vermittelt zugleich die Atmosphäre einer gespannten Erwartung, die sich dann in den ersten Schlägen von Puccinis Partitur entlädt. Im besten Fall lässt der Prolog die Zuschauer*innen von der ersten Sekunde an auf die Stuhlkanten rutschen, von wo aus sie den Rest der Vorstellung in ungebrochener Spannung verfolgen!«
Giacomo Puccini kommt im Jahr 1920 auf eher verquerem Weg mit dem Stoff in Berührung: Zunächst liest er eine italienische Übersetzung des Schiller-Dramas, ehe er sich akribisch über Max Reinhardts Berliner Turandot-Inszenierung von 1911 informiert. Dieser lag wiederum eine deutsche Übersetzung des Gozzi-Stückes zugrunde. Schnell entflammt von der Vielfarbigkeit des Sujets, macht sich Puccini mit seinen Librettisten Renato Simoni und Giuseppe Adami an eine Neuadaption. Erklärtes Ziel des Teams ist es, eine »Turandot aus modernem Geist« zu schaffen und die Seele der Protagonisten mittels einer »Vivisektion« genauestens zu durchleuchten.
Turandots Abneigung gegen die Männer führen die Autoren auf ein transgenerationales Trauma zurück: In ihrer großen Arie des zweiten Aktes beschreibt Turandot, wie ihre Ahnin Lo-u-Ling dereinst von einem fremden Mann vergewaltigt und getötet wurde. Um diese Schändung zu rächen, möchte Turandot nun allein bleiben. Ihrer Freier entledigt sich die Prinzessin mithilfe der Rätselproben, deren tödliches Ende dem Volk von Peking zugleich als blutrünstiges Spektakel dient: Der Auftritt der Henkersknechte im ersten Akt wird von der Menge frenetisch gefeiert. Passend dazu zieht sich ein musikalisches Foltermotiv, das an ein fallendes Beil erinnert, quer durch die gesamte Partitur.
»Sie enthauptet! Ermordet!
Erschlägt! Löscht aus! Ermordet!
Löscht aus! Erschlägt!«
»Die Handlung von Turandot finde ich so brutal, dass ich es kaum ertrage, die Oper mit unserer gegenwärtigen Realität in Verbindung zu bringen. Wir werden Woche für Woche mit neuen Schreckensmeldungen konfrontiert, die uns jegliche Gewissheiten rauben, und mir persönlich fällt es immer schwerer, in all dem Chaos irgendwie den Kopf hochzuhalten.
Wenn ich mir in dieser Situation vor Augen führe, worum es in Puccinis Oper geht, muss ich sie aus Selbstschutz wie eine Fantasy-Serie im Stile von Game of Thrones oder The Witcher betrachten: Als eine unterhaltsame, verwickelte, wilde und psychologisch komplexe Geschichte, die aber mehr fantastische als realistische Elemente in sich trägt. Ohne diese Brille fände ich den Plot so erschütternd, dass ich einfach nur davonlaufen will.
Trotz aller Gewalt der Thematik freue ich mich aber sehr auf unsere Produktion. Schon allein, weil ich nur selten die Möglichkeit habe, Puccini zu singen, und ich es kaum erwarten kann, mich in seine großartige Partitur mit all ihren wunderbaren Klangfarben fallen zu lassen. Und auch wenn man mir jetzt eine gewisse Rührseligkeit unterstellen mag, freue ich mich wahnsinnig darauf, die berühmten Arien von Calaf und Liù als Kollegin live auf der Bühne zu erleben.
Die Rolle der Turandot habe ich bislang noch nicht gesungen. Musikalisch wird das für mich sehr herausfordernd, aber ich bin mir sicher, dass wir mit Andrea Breth und Thomas Guggeis sehr genau daran arbeiten werden. Dass dieses Rollendebüt ausgerechnet in Frankfurt stattfindet, ist natürlich umso schöner für mich: Es bewegt mich immer sehr, an den Ort zurückzukehren, wo ich als Ensemblemitglied meine ersten Schritte auf der großen Bühne gemacht habe!«
Prinz Calaf gelingt es, die drei Rätsel Turandots zu lösen und entgeht so dem Tod. Um sein Rätsel zu schützen, opfert sich eine andere Frau, Liù.
Opernliebhaber*innen und Neugierige finden sich in behutsam angeleiteten Schritten zu einem Ensemble. Aus der Perspektive der Opernfiguren lernen sie ein Werk auf aktive, spielerische Weise kennen. Die gezielte Auseinandersetzung mit einzelnen Musikpassagen vertieft das Verständnis und erhöht den Genuss!
TERMIN
18. April, 14–18 Uhr, Treffpunkt Opernpforte
Worte finden, mitreden, Fragen stellen, Begeisterung oder Verwunderung teilen ... Uns interessiert, wie Sie den Opernabend erlebt haben! Wir möchten gemeinsam mit Ihnen ins Gespräch kommen, um die Aufführung kritisch zu diskutieren. Zu ausgewählten Terminen laden wir externe Gäste ein, die Musiktheater aus ihrem jeweiligen Fachgebiet heraus betrachten und so den Dialog bereichern.
TERMIN
19. April, 20.15 Uhr, Holzfoyer
Mit welchen Mitteln unterwandern rechte Parteien offene Gesellschaften? Woher kommt die seit Jahren wachsende Faszination für das Autoritäre? Und wie kann sich unser Rechtsstaat gegen totalitäre Angriffe schützen? Anlässlich der Premiere von Giacomo Puccinis Turandot spricht Michel Friedman mit Andreas Voßkuhle, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, über den Zustand unserer Demokratie. Andreas Voßkuhle setzt sich in seiner Arbeit als Publizist und Hochschullehrer derzeit vehement für den Erhalt liberaler Strukturen ein. Jüngst warnte in einem Interview: »Es ist tatsächlich möglich, dass die Deutschen ihre eigene Demokratie abwählen.« Wir dürfen also gespannt sein auf einen intensiven Dialog über die DNA unseres politischen Systems!
TERMIN
19. Mai, 19 Uhr
Tauchen Sie ein in ein blutiges Spiel aus Macht, Rätseln und Leidenschaft – erleben Sie Turandots erschütternde Welt jetzt live auf der Bühne!
SZENENFOTOS Bernd Uhlig
FOTOS Elza van den Heever (Chris Gonz), Thomas Guggeis (Christian Kleiner)
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Veröffentlicht am
09.04.2026
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Eine düstere Reise in menschliche Abgründe: Verdis Macbeth zeigt den Meister des italienischen Musikdramas von einer überraschend unheimlichen Seite. Mit packenden Klängen und einer beeindruckenden Inszenierung von Regisseur R.B. Schlather werden Machtgier und Wahnsinn auf der Bühne lebendig. Macbeth – vom 18. April bis 13. Juni 2026 an der Oper Frankfurt.
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Die Sopranistin Alina Avagyan gehört seit der Spielzeit 2025/26 zum Opernstudio der Oper Frankfurt. Im Interview spricht sie über ihre musikalischen Wurzeln, Wettbewerbserfahrungen und ihr geplantes Rollendebüt in Wolfgang Fortners Bluthochzeit.