18.02.2026
SPOTLIGHT OPERNSTUDIO: JONAS MÜLLER
Zwischen Macho-Exzessen bei Mozart und großem Legato bei Puccini: Bariton Jonas Müller spricht über Rollenextreme, Vorbilder und prägende Begegnungen.
Drame lyrique in vier Akten / Text von Édouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann / Uraufführung 1892
Ekstase und Resignation, Traum und Realität, sinnliches Begehren und Todessehnsucht – zwischen diesen Extremen bewegt sich Jules Massenets Erfolgsoper Werther.
Erleben Sie die die Wiederaufnahme von Werther vom 6. März bis 17. April 2026.
Seit dem Tod der Mutter kümmert sich Charlotte um ihre sieben Geschwister und ihren Vater, Le Bailli. Der Witwer übt mitten im Sommer mit seinen Kindern ein Weihnachtslied, als Johann und Schmidt, ein merkwürdiges Bruderpaar, erscheinen. Die beiden ziehen ihn ein wenig damit auf, dass er schon im Juli Weihnachtslieder probt. Sie erzählen von Werther, einem sonderbaren melancholischen Mann, und Albert, dem Verlobten Charlottes, um herauszufinden, was für eine Meinung Le Bailli von den beiden Abwesenden hat.
Als alles wieder ruhig geworden ist, nähert sich Werther. Er hält eine rauschhaft-ekstatische Zwiesprache mit der Natur. Begleitet von dem Gesang der Kinder, der erneut erklingt, gelangt er entzückt bei Charlotte an. Er ist gekommen, um sie zu einem Ball zu begleiten.
Während Werther und Charlotte auf dem Ball sind, kehrt Albert von einer Reise zurück – früher als erwartet. An Stelle seiner Verlobten empfängt ihn Sophie, ihre jüngere Schwester. All seine Gedanken kreisen um die bevorstehende Hochzeit. Sophie versucht Albert zu versichern, auch Charlotte habe ihn vermisst.
Als Werther und Charlotte vom Ball kommen, sind sie ganz erfüllt vom Zauber ihrer ersten Begegnung. Doch das Bild der verstorbenen Mutter drängt sich zwischen sie. Als Charlotte vernimmt, ihr Verlobter sei zurückgekehrt, gesteht sie Werther, dass sie der Mutter auf dem Sterbebett schwören musste, Albert zu heiraten.
An einem Sonntag im September ist das ganze Dorf versammelt, um die goldene Hochzeit des Pfarrers zu feiern. Charlotte und Albert sind inzwischen seit drei Monaten verheiratet. Es ist eine Ehe ohne Klagen. Aber ist sie auch glücklich? Werther, der das Paar vor der Kirche beobachtet, verzehrt sich vor Schmerz um sein verlorenes Glück.
Albert geht auf ihn zu und zeigt Verständnis für seine Gefühle. Da tritt Sophie hinzu und unterbricht die Aussprache der Männer. Vergeblich bemüht sich das Mädchen, das heimlich in Werther verliebt ist, ihn aufzuheitern und zum Tanz aufzufordern.
Werther sucht erneut die Nähe Charlottes, um sie an ihre wunderbare erste Begegnung zu erinnern. Pflichtbewusst weist Charlotte ihn zurück. Sie bittet ihn, frühestens an Weihnachten zurückzukehren. Werther ist fassungslos. Gedanken an den Tod stürzen auf ihn ein. Als Sophie nochmals mit einer Aufforderung zum Tanz auf ihn zukommt, läuft er verzweifelt davon und kündigt an, nie mehr zurückzukehren. Albert wird bewusst, das Werther von Charlotte nicht loskommt.
Am Weihnachtstag muss Charlotte sich eingestehen, Werther nicht vergessen zu können. Immer wieder liest sie seine Briefe. Auch Sophies unschuldiger Optimismus kann sie nicht auf andere Gedanken bringen, und so lässt sie ihren Gefühlen freien Lauf. Als Werther plötzlich vor ihr steht, ringt Charlotte um Fassung. Noch einmal lesen sie die Verse Ossians und erinnern sich an ihre gemeinsamen Stunden. Werther will ihr endlich das Geständnis abringen, dass auch sie ihn liebt. Charlotte jedoch, hin und hergerissen zwischen ihrer Pflicht als Ehefrau und ihren Gefühlen für Werther, weist ihn ein weiteres Mal zurück. Werthers letzte Hoffnung ist zerstört. Er eilt davon. Kurz darauf tritt Albert ein. Er ahnt etwas und will seine Frau zur Rede stellen. Da erhält er eine Nachricht von Werther, in der er für eine weite Reise um eine Pistole bittet. Albert zwingt Charlotte, den Boten die Pistole auszuhändigen.
Getrieben von schrecklichen Vorahnungen, eilt Charlotte Werther nach. Sie findet ihn tödlich verwundet. Er bittet sie um Verzeihung, aber sie klagt sich selbst an und gesteht ihm endlich ihre Liebe. Werther stirbt, während aus der Ferne fröhliche Kinderstimmen herüberklingen, die das Weihnachtlied singen. Charlotte muss zu ihrer Familie zurückkehren.
Erleben Sie Jules Massenets Werther am 4. April (Karsamstag) und erhalten Sie zwei Tickets zum Preis von einem: geben Sie dafür beim letzten Schritt Ihrer Buchung online den Promotion-Code WERTHER2FOR1 ein und sichern Sie sich so zwei Plätze zum Preis von einem – gültig für alle Kategorien.
Als »Komposition« bezeichnete Johann Wolfgang von Goethe seinen Briefroman Die Leiden des jungen Werthers und stellte 1774 den Konflikt zwischen gesellschaftlichen Konventionen und absoluter Freiheit, zwischen Pflicht und bedingungsloser Liebe in den Mittelpunkt. Die Titelfigur ist von unstillbaren Sehnsüchten getrieben, für die er in der Realität keine Erfüllung finden kann. Er sucht die Erlösung in der Liebe zu Charlotte, die ihrem Vater geschworen hat, Albert zu heiraten. Trotz ihrer Liebe zu ihm weist sie deshalb Werther ab. In der Poesie erhofft dieser, die ersehnte Perfektion zu finden. Doch er scheitert, begeht Selbstmord und stirbt weltabgewandt.
Mit sicherem Theaterinstinkt brachte der Franzose Jules Massenet, einer der führenden Komponisten der Belle Époque, den Bestseller knapp 120 Jahre nach seiner Veröffentlichung auf die Opernbühne. Seine farbenreiche und sinnliche Klangwelt eignete sich perfekt für die Darstellung romantischer Seelenzustände. In seiner Vertonung geht es nicht nur um die Leiden des Titelhelden. Charlotte, ihre jüngere Schwester Sophie und Albert, die Goethe uns im Briefroman nur aus Werthers Perspektive vorstellt, gewinnen als eigenständige Bühnengestalten an Plastizität und Tiefe. Der Regisseur Willy Decker lenkt die Aufmerksamkeit auch auf die Verletzlichkeit Alberts, auf Sophies verzweifeltes Werben um Werthers Zuneigung und auf Charlotte, die sich zwischen den konträren Frauenbildern, die auf sie projiziert werden, selbst zu verlieren droht.
Auszug aus dem Magazin März / April 2026.
Demnächst reinhören in die Audioeinführung zu Werther! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.
»Den Vorhang aufzuheben und dahinter zu treten! das ist alles! Und warum das Zaudern und Zagen? Weil man nicht weiß, wie’s dahinten aussieht? und man nicht wiederkehrt? Und dass das nun die Eigenschaft unseres Geistes ist, da Verwirrung und Finsternis zu ahnen, wovon wir nichts Bestimmtes wissen.«
Lasst uns gemeinsam die Schlussprobe von Jules Massenets Werther besuchen und das ganz große Drama erleben. 1772 stirbt der junge Rechtsanwalt Karl Wilhelm Jerusalem aus unglücklicher Liebe – ein Schicksal, das auch seinen Freund, den erst 23-jährigen Johann Wolfgang von Goethe tief traf. Aus diesem Drama entstand sein berühmter Briefroman Die Leiden des jungen Werthers, der damals ein regelrechtes »Fieber« unter Jugendlichen auslöste. Jahrzehnte später reiste der Komponist Jules Massenet nach Wetzlar und ließ sich zu seiner Oper Werther inspirieren. Auf der Opernbühne wird Werthers unglückliche Liebe lebendig, Lottes Trauer hörbar, und jede Note klingt nach Gefühl. Ein Stück voller Leidenschaft, Melancholie und tragischer Momente – perfekt für alle, die starke Geschichten und große Gefühle lieben!
TERMIN
4. März (Schlussprobe)
Wo, wenn nicht in Frankfurt kann man dem deutschen Dichterfürsten am besten nachspüren? Werfen Sie beim Besuch im GOETHE-HAUS einen Blick in seine Schreibstube. Ein Ausflug in den Stadtwald zum 2020 neu eröffneten GOETHETURM lohnt allemal. Vielleicht erspähen Sie bei guter Sicht von oben sogar das Opernhaus!
Jetzt Tickets sichern für eine packende musikalische Reise, die die Spannung und Dramatik dieser Liebestragödie in den Mittelpunkt stellt!
SZENENFOTOS Barbara Aumüller, Wolfgang Runkel (John Osborn)
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Veröffentlicht am
19.02.2026
18.02.2026
Zwischen Macho-Exzessen bei Mozart und großem Legato bei Puccini: Bariton Jonas Müller spricht über Rollenextreme, Vorbilder und prägende Begegnungen.
06.02.2026
Zwischen Notaufnahme und Opernbühne: Sopranistin Daniela Zib erzählt von ihrem Einstieg in Frankfurt, ihrem besonderen Doppelstudium und Partien, die sie geprägt haben – ein Gespräch über künstlerisches Wachstum, stimmliche Entwicklung und große Rollenträume.
22.01.2026
In Amor vien dal destino treffen Liebe, Macht und Schicksal aufeinander und entfachen ein barockes Drama voller Emotion und Spannung. Agostino Steffanis selten gespielte Oper feiert ihre Frankfurter Erstaufführung. Vom 25. Januar bis 28. Februar 2026 an der Oper Frankfurt.