PROLOG
Unter den Göttern herrscht Zwist: Soll Aeneas, der trojanische Held, nach seinen Irrfahrten in Latium stranden dürfen oder nicht? Venus, Aeneas’ Mutter, bittet den Göttervater Jupiter inständig, Erbarmen mit ihrem Sohn zu haben und die Landung zu erlauben. Jupiter stimmt zu. Allerdings müsse man in Latium erst einmal neue Fakten schaffen: Die dortige Prinzessin Lavinia, die eine ideale Partnerin für Aeneas wäre, wurde nämlich aus politischen Gründen Turnus, dem König der Rutuler, versprochen. Amor soll Abhilfe schaffen …
ERSTER AKT
Lavinia ist im Traum ein Mann erschienen, den sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Am Tag ihrer Hochzeit vertraut sie sich ihrer Amme Nicea an: Lavinia ist sich sicher, dass es ihr Schicksal sei, diesen Mann und nicht Turnus zu heiraten. Als dieser ihr plötzlich in persona gegenübersteht, fühlen sich beide sofort zueinander hingezogen. Doch Lavinia meint Aeneas’ Worten zu entnehmen, dass er eine andere liebt. Sie zieht sich zurück.
Aeneas’ Gefährte Corebus soll nun mehr über Lavinias Seelenleben in Erfahrung bringen. Zeitgleich quält sich Lavinias Schwester Giuturna mit ihren Gefühlen für Turnus. Ihm gesteht Lavinia, dass sie ihn lediglich aus Pflichtgefühl heiraten und somit unglücklich machen würde; er solle lieber Abstand von ihr nehmen. Gekränkt schwört Turnus Rache, während Corebus die Amme Nicea umschwärmt, um durch sie mehr über Lavinia zu erfahren.
ZWEITER AKT
König Latinus will die Hochzeit von Lavinia und Turnus um jeden Preis retten und redet seiner Tochter ins Gewissen. Doch Lavinia bleibt dabei: Sie könne ihre Gefühle nicht kontrollieren, das Schicksal habe eine andere Liebe für sie bestimmt. Nun versucht auch Giuturna, Turnus ihre Schwester auszureden.
Dann begrüßt Latinus Aeneas offiziell in Latium. Als Turnus Latinus und Lavinia wegen der platzenden Hochzeit als Eidbrüchige beschuldigt und mit Vergeltung droht, stellt sich Aeneas an die Seite der Latiner.
Lavinia überlegt, ob Selbstmord ein Ausweg sein könnte, um den Konflikt zu lösen und ihren Vater und das Königreich zu retten. Aeneas erfährt von Corebus, dass Lavinia ihn liebt, seit er ihr – wie sie ihm – im Traum erschienen ist. Er schwört, Lavinia im Duell mit Turnus zu rächen und sich anschließend selbst das Leben zu nehmen.
Giuturna behauptet Nicea gegenüber, Lavinia zu sein. Nun greift Jupiter in der Gestalt von Turnus’ Hauptmann Coraltus in die Szene ein und nimmt Giuturna alias Lavinia mit sich.
DRITTER AKT
Latinus ist verzweifelt. Im Traum erscheint ihm Faunus, der ihn beschwört, die Hochzeit von seiner Tochter und Turnus nicht stattfinden zu lassen, weil Lavinia für Aeneas bestimmt ist. Der trojanische Held würde in Latium ein neues Reich begründen, und aus seiner Verbindung mit Lavinia würde ein edles Geschlecht hervorgehen, dessen Ruhm weit in die Zukunft reicht.
Giuturna wird zu Turnus gebracht. Sie behauptet weiterhin, Lavinia zu sein und spricht von ihrer Liebe. Es kommt zum Duell zwischen Aeneas und Turnus. Kurz bevor Aeneas seinen Rivalen tötet, geht Giuturna dazwischen. Sie fordert ihr Recht als »Geschädigte« ein, Turnus für ihre vermeintliche Entführung selbst zu bestrafen. Doch als sie das Schwert gegen ihn richtet, kann sie sich nicht zum Todesstoß durchringen; stattdessen gestehen sich beide ihre gegenseitige Liebe.
Lavinia verflucht Amor und die Sterne für ihre Bestimmung, Aeneas zu lieben, der ihre Zuneigung nicht zu erwidern scheint. Nicea bestärkt Lavinia, auf die Macht des Schicksals zu vertrauen. Als sich Aeneas und Lavinia kurz darauf wiederbegegnen, können sie das große Missverständnis endlich aufklären. Und Aeneas spricht aus, was sich Lavinia so sehr gewünscht hat: Sie selbst ist es, deren Bild ihm im Traum erschienen ist. Im allgemeinen Freudentaumel wendet sich Venus an ihren Sohn Aeneas und bestärkt ihn, seinem vorherbestimmten Weg zu folgen.