Von Jerewan auf die Frankfurter Opernbühne: Alina Avagyan ist seit der Spielzeit 2025/26 Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt. In unserem Interview spricht die junge Sopranistin über prägende Stationen ihres musikalischen Wegs, ihre Begeisterung für Mozart-Partien und die Vorbereitung auf ihr Rollendebüt.
Inhalt
Steckbrief
Alina Avagyan
Herkunft
Armenien
Aktuelle Position
Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt (seit der Spielzeit 2025/26)
Partien an der Oper Frankfurt
Kind (Bluthochzeit)
Internationale Engagements
Hover State Chamber Choir (Jerewan)
Ausbildung
Staatliches Konservatorium Jerewan
Auszeichnungen
Meliqyan Music Competition
Camerton International Festival Competition
Finale »Neue Stimmen« Gütersloh
Video: Soiree des Opernstudios
Alina Avagyan präsentierte am 11. November 2025 im Rahmen der Soiree des Opernstudios das Armenische Volkslied Ororvon Komitas Vardapet.
Rollen, Träume und musikalische Wurzeln – 5 Fragen an Alina Avagyan
Franziska Schmidt:
In der Spielzeit 2025/26 wirst du dich mit der Partie des Kindes in Wolfgang Fortners Bluthochzeit als neues Opernstudiomitglied vorstellen. Wie bereitest du dich auf diese Partie vor?
Alina Avagyan:
Ich bin sehr begeistert über die Gelegenheit, die Rolle »Das Kind« in Wolfgang Fortners Oper Bluthochzeit übernehmen zu dürfen. Die Oper und dieser Charakter sind für mich gleichermaßen einzigartig wie faszinierend. Da ich zudem ein großer Liebhaber zeitgenössischer Kunst bin, arbeite ich mit großer Freude und Neugier an dieser Rolle. Mein Ziel ist es, die inneren Schichten und die musikalische Tiefe dieser Figur vollends zu ergründen.
FS:
Du hast am staatlichen Konservatorium in Jerewan studiert – welche Erfahrungen aus deinem Studium begleiten dich bis heute auf deinem künstlerischen Weg?
Alina Avagyan:
Das Studium am Konservatorium hat mir nicht nur ein solides fachliches Fundament gegeben, sondern auch meine künstlerische Denkweise, Disziplin und innere Belastbarkeit geformt. Während meiner Studienzeit habe ich mich sowohl mit dem Opern- als auch mit dem Kammerrepertoire auseinandergesetzt. Dabei habe ich Werke europäischer, armenischer und russischer Komponisten studiert und mir so ein breit gefächertes Repertoire angeeignet. Zudem gab mir das Studium die Freiheit, meine eigene Interpretation und Ausdrucksmittel zu finden und dabei stets der Intention des Komponisten treu zu bleiben.
»Die musikalische Linie des Charakters, die magische Welt und das menschliche Gefühl, das vollständig in der Musik hörbar ist, inspirieren mich immer.«
FS:
Partien wie Pamina, Zerlina oder Susanna gehören zu deinem Repertoire – welche dieser Rollen liegt dir besonders am Herzen und warum?
Alina Avagyan:
Als Liebhaber der Werke Mozarts sind mir alle genannten Rollen sehr nahe und interessant. Jeder Charakter hat seine eigenen Besonderheiten. Dennoch hebe ich die Rolle der Pamina hervor, an der ich bis heute kontinuierlich arbeite, um die charakterliche Tiefe und die musikalische Ausdruckskraft zu entwickeln. Die Rolle der Pamina gibt mir die Möglichkeit, das Innenleben des Charakters tiefer zu fühlen und ihre Gefühle zu vermitteln. Die musikalische Linie des Charakters, die magische Welt und das menschliche Gefühl, das vollständig in der Musik hörbar ist, inspirieren mich immer.
»Am wertvollsten für mich war die Möglichkeit, ins Opernstudio der Oper Frankfurt aufgenommen zu werden. Diese Chance ist von großer Bedeutung für meinen beruflichen Werdegang und prägt meine Entwicklung als Künstlerin nachhaltig.«
FS:
Du bist Preisträgerin mehrerer internationaler Wettbewerbe – welche Rolle spielen solche Auszeichnungen für dein Selbstverständnis als junge Künstlerin?
Alina Avagyan:
Die Teilnahme an Wettbewerben ist für mich in erster Linie eine Möglichkeit, mich selbst zu testen. Es ist ein Experimentierfeld, auf dem ich mich ausdrücken und im Rahmen meiner Möglichkeiten präsentieren kann. Für mich ist es sehr wichtig, Erfahrung zu sammeln, und Wettbewerbe bieten genau diese Gelegenheit, die Aufregung zu überwinden und Erfahrung zu gewinnen. Natürlich sind Preise angenehm und motivierend, aber das Wichtigste ist der Weg, den ich während jedes Wettbewerbs gehe, und dabei selbstbewusster werde.
FS:
Welche Ziele hast du für dich und welche Träume möchtest du dir in den nächsten Jahren erfüllen?
Alina Avagyan:
Zurzeit arbeite ich daran, das Repertoire zu erweitern, die meiner Stimme entsprechenden Rollen zu lernen und mehr Bühnenerfahrung zu sammeln. Mein Ziel und Traum für die nächsten Jahre ist es, weiter in Deutschland zu arbeiten und mich als Musikerin weiterzuentwickeln, da hier für junge Musiker viele wichtige Möglichkeiten offenstehen.
Im Chor zur eigenen Handschrift
»Ich habe im Hover State Chamber Choir (Jerewan) gearbeitet, und diese Zeit wurde zu einer wichtigen Etappe meiner beruflichen Entwicklung. Die Arbeit im Chor hat meine musikalische Persönlichkeit maßgeblich geprägt: Meine Fähigkeit, vom Blatt zu lesen, hat sich deutlich verbessert, mein Gehör wurde geschärft, und es entwickelte sich ein ausgeprägtes mehrstimmiges sowie ensemblebezogenes Denken. Unser Repertoire war sehr vielfältig – von der Musik der Renaissance bis hin zu zeitgenössischen Werken. Diese stilistische Bandbreite hat meinen musikalischen Horizont wesentlich erweitert und mein künstlerisches Denken bereichert.«
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