Zwischen Notaufnahme und Opernbühne: Sopranistin Daniela Zib erzählt von ihrem Einstieg in Frankfurt, ihrem besonderen Doppelstudium und Partien, die sie geprägt haben – ein Gespräch über künstlerisches Wachstum, stimmliche Entwicklung und große Rollenträume.
Zwischen Medizin und Mozart – 6 Fragen an Daniela Zib
Franziska Schmidt:
Hallo Daniela, du bist seit dieser Spielzeit neues Opernstudiomitglied – wie hast du den Einstieg erlebt?
Daniela Zib:
Direkt nach dem Studium an ein Haus wie Frankfurt zu kommen, war definitiv ein Sprung ins kalte Wasser. Gleichzeitig hat mir das unglaublich unterstützende Miteinander im Haus sehr geholfen. Besonders die anderen Sänger*innen im Opernstudio und im Ensemble haben dazu beigetragen, dass ich schnell meine Füße finden und gut mitlaufen konnte.
FS:
Mit Giuturna / Venere in Amor vien dal destino hast du dein Hausdebüt gegeben: Was reizt dich an diesen Partien besonders?
Daniela Zib:
Es war zunächst einmal unglaublich spannend, in einer einzigen Produktion zwei so unterschiedliche Rollen verkörpern zu dürfen. Venere ist eine Göttin, die versucht, ihren Sohn zu beschützen und ihm zu helfen. Die Herausforderung bestand darin, sie lebendig zu gestalten und zugleich eine starke, zeitlose Eleganz zu bewahren – ihre Sorgen als Mutter nachvollziehbar zu machen, ohne diese innere Haltung zu verlieren. Giuturna hingegen ist jung, frustriert und unglücklich in einer Liebe, die sie nicht frei ausleben kann. Gerade ihre Texte bei Steffani sind sehr kryptisch, und es hat großen Spaß gemacht, sie zu entschlüsseln und ihre emotionale Entwicklung innerhalb des Stücks herauszuarbeiten. Ihre jugendliche Energie und der Weg, den sie im Verlauf der Handlung zurücklegt, sind bei jeder Aufführung aufs Neue ein Genuss. Auch die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team war ein absoluter Traum. Die Musik ist unglaublich farbenreich und spannungsgeladen – mit Václav Luks beginnt sie regelrecht zu beben. R.B. Schlather hatte dabei einen großen Respekt vor der Musik, sodass sich alles Szenische stets aus ihr heraus entwickelt hat. Ein besseres Hausdebüt hätte ich mir nicht wünschen können, und ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung.
»Zum einen habe ich mir im Medizinstudium ein hohes Maß an Fleiß und Disziplin angeeignet – Eigenschaften, die im Sängerleben von großer Bedeutung sind. Zum anderen hat mir die Medizin eine andere Perspektive auf den Menschen eröffnet, weil ich viele in schwierigen und prekären Situationen begleiten durfte. Ich glaube, die ehrliche Auseinandersetzung mit großen Themen wie Krankheit, Tod, Verlust, Angst, aber auch mit Freude und Erlösung trägt unmittelbar zur Arbeit auf der Bühne bei.
In der Oper ist man diesen existenziellen Themen ständig ausgesetzt – und genau das macht sie so faszinierend. Je intensiver man sich mit ihnen beschäftigt und je realer man sie erlebt hat, desto glaubwürdiger und berührender kann man sie auf der Bühne verkörpern. Und ganz pragmatisch: Nach dem Trubel und Stress einer vollen Notaufnahme wirkt die Aufregung hinter der Bühne plötzlich ziemlich überschaubar. Da weiß ich inzwischen, cool zu bleiben.«
»Musik und Bühne mussten Teil meines Lebens sein.«
FS:
Du hast parallel Operngesang und Humanmedizin studiert – wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Kombination?
Daniela Zib:
Ach ja, lange Geschichte, kurz gefasst: Ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Medizin liegt bei uns in der Familie – meine Mutter ist Ärztin – und mich hat es eigentlich schon immer fasziniert, Menschen zu helfen. In der Schule war ich sehr fleißig, besonders in den Naturwissenschaften, und so schien die Studienwahl fast vorgegeben. Gleichzeitig haben mich Musik und Bühne nie losgelassen. Während der ersten Jahre im Medizinstudium habe ich bei Jugend musiziert teilgenommen und in einer studentischen Theatergruppe gespielt. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem klar war: Entweder mache ich das nur nebenbei – oder ich lerne es richtig. Ich habe mich schließlich für ein Doppelstudium entschieden. Ich wusste damals noch nicht, wohin mich dieser Weg führen würde, aber es gab eigentlich keine Alternative: Musik und Bühne mussten Teil meines Lebens sein, und die Medizin konnte – und wollte – ich nicht aufgeben. Rückblickend bin ich sehr froh, diesen Schritt gegangen zu sein.
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FS:
Deine erste größere Bühnenrolle war Despina (Così fan tutte): Was hat dir diese Partie über dich als Sängerin beigebracht?
Daniela Zib:
Das erste Mal mit Orchester singen, das vergesse ich nie. Ich weiß noch in der Sitzprobe, als das Orchester im Graben zu spielen begann, habe ich nur gedacht: Ja, das kann ich mein ganzes Leben lang machen. Mozart bleibt weiterhin mein Lieblingskomponist und Cosí fan tutte ist einfach ein Meisterwerk. Despina mit ihrer Klugheit und Lebenslust macht jeder Darstellerin Spaß, aber irgendwann würde ich auch gerne mal Fiordiligi singen.
»Die Stimme ist letztlich ein lebendiges Instrument – sie wächst mit uns und mit jeder neuen Erfahrung. [...] Als Sängerin möchte ich mir bewusst die Offenheit bewahren und meiner stimmlichen Entwicklung Raum lassen.«
FS:
Du bist Preisträgerin mehrerer Wettbewerbe: Welche Bedeutung haben Wettbewerbe für deinen künstlerischen Weg?
Daniela Zib:
Ich würde sagen, eine ziemlich große. Wettbewerbe sind eine Welt für sich [...]. Der Druck ist hoch, die Konkurrenz sehr direkt, aber gleichzeitig können Wettbewerbe auch eine schöne und bereichernde Erfahrung sein. Ich bin ihnen immer recht offen begegnet, ohne große Erwartungen: eher als Projekt und als Möglichkeit, mich zu zeigen. Rückblickend habe ich dort nicht nur wichtige Kontakte geknüpft, sondern auch Freundschaften geschlossen und Chancen bekommen, die meinen Weg nachhaltig verändert haben.
FS:
Welche Partien stehen ganz oben auf deiner persönlichen Wunschliste?
Daniela Zib:
Ganz oben steht Susanna aus Le nozze di Figaro. Außerdem träume ich von Gretel (Hänsel und Gretel), Ilia (Idomeneo) und dem Füchslein aus Janáčeks Das schlaue Füchslein. Weiter entfernte Träume sind Gilda (Rigoletto), Violetta (La Traviata) und Mimì (La Bohème) – aber da lasse ich mir bewusst Zeit und schaue, in welche Richtung sich meine Stimme entwickelt.
Video: G. F. Händel »Piangeró la sorte mia«
Daniela Zib live erleben
»Amor vien dal destino« von Agostino Steffani
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