Opernappetizer

MADAMA BUTTERFLY

Giacomo Puccini

Japanische Tragödie in zwei Akten / Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica / Uraufführung 1904

Eine Liebe, die zur Tragödie wird: Cio-Cio-San gibt alles auf, um in einer arrangierten »Ehe auf Zeit« mit dem Marineoffizier Benjamin F. Pinkerton ein besseres Leben zu finden. Doch als Pinkerton zurückkehrt, ist nichts mehr, wie es war ...

Erleben Sie Madama Butterfly vom 6. Februar bis 20. März 2026.

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Bildunterschruft:
Besetzung 2023 © Barbara Aumüller

Inhalt

Handlung

»Madama Butterfly«

Erster Akt

Der US-Marineleutnant Benjamin Franklin Pinkerton ist für einige Zeit im japanischen Hafen Nagasaki stationiert. Der Heiratsvermittler und Makler Goro hat ihm ein Haus und eine Braut besorgt; beides mietet er »für 999 Jahre«, kündbar monatlich. Goro zeigt ihm das Haus mit seinen Schiebewänden, das auf einem Hügel liegt, und präsentiert die Dienerschaft. Als Pinkertons Freund Konsul Sharpless eintrifft, stößt er mit ihm auf die ferne Heimat an – und auf die »echte« amerikanische Frau, die er heiraten will, wenn er dorthin zurückkehrt. Sharpless warnt: Seine japanische Braut Cio-Cio-San, genannt Butterfly, könnte die bevorstehende Eheschließung ernster nehmen als er.

Butterfly erscheint mit ihren Freundinnen und ihrer Verwandtschaft. Pinkerton ist hingerissen von ihr. Sie hat nur wenige persönliche Gegenstände mitgebracht; darunter einen Dolch, mit dem ihr Vater den rituellen Selbstmord vollzogen hatte, als er beim Kaiser in Ungnade gefallen und von diesem dazu aufgefordert worden war. Freimütig bekennt sich Cio-Cio-San zu der Armut, in die sie dadurch mit ihrer Mutter gestürzt wurde und die sie dazu zwang, sich als Geisha durchzuschlagen. Als auch der kaiserliche Kommissar und der Standesbeamte eintreffen, wird die Ehe rasch besiegelt. In die anschließende kurze Feierlichkeit mit der Familie platzt Cio-Cio-Sans Onkel, der Bonze. Er hat erfahren, dass Butterfly ihrer Religion abgeschworen hat, um den Glauben ihres amerikanischen Mannes anzunehmen, und verflucht sie dafür. Die gesamte Sippe verstößt sie und verlässt unter Verwünschungen das Haus. Pinkerton tröstet seine frisch angetraute Braut. Für Butterfly gibt es keinen Weg zurück: Sie erklärt, er sei ihr Schicksal, und gesteht ihm ihre Liebe. Die Hochzeitsnacht bricht an; es ist eine heitere, sternenklare Nacht.

Zweiter Akt, erster Teil

Drei Jahre sind vergangen. Nach Pinkertons Abreise hat Cio-Cio-San ein Kind zur Welt gebracht. Nur Suzuki ist bei ihr in dem Haus auf dem Hügel geblieben. Das Geld geht zur Neige. Butterfly glaubt fest an die Rückkehr ihres Mannes, die er ihr für die Zeit versprochen hat, wenn das Rotkehlchen wieder sein Nest baut.

Konsul Sharpless sucht Butterfly auf, um ihr einen Brief von Pinkerton vorzulesen. Dabei wird er zunächst unterbrochen von Goros Erscheinen. Der Heiratsvermittler bedrängt Cio-Cio-San schon seit einiger Zeit, sich neu zu verheiraten: mit dem reichen Fürst Yamadori, der nun seinerseits persönlich einen letzten Versuch unternimmt, Butterfly für sich zu gewinnen. Doch sie lehnt seinen Antrag ab, da sie nicht frei sei; in Amerika sei eine Scheidung nicht so einfach wie in Japan. Yamadori geht, ohne die Hoffnung ganz aufzugeben.

Als nun auch Sharpless ihr zu der neuen Verbindung rät, da Pinkerton vielleicht nie mehr zu ihr zurückkehren werde, präsentiert sie ihm den gemeinsamen Sohn. Sollte sie gezwungen sein, wieder als Geisha ihr Leben zu fristen, will sie lieber sterben. Erschüttert zieht Sharpless sich zurück. Wütend vertreibt Suzuki den immer noch um das Haus schleichenden Goro, der davor warnt, ein vaterloses Kind werde kein leichtes Leben haben.

Da ertönt die Kanone aus dem Hafen: Ein Salutschuss zeigt die Rückkehr von Pinkertons Schiff, der Abraham Lincoln, an. Zusammen mit Suzuki und ihrem Kind erwartet Cio-Cio-San das Wiedersehen. Es wird Nacht.

Zweiter Akt, zweiter Teil

Als der Morgen dämmert, drängt Suzuki ihre Herrin, sich auszuruhen. Cio- Cio-San zieht sich zurück. Da treten Sharpless und Pinkerton ein; in ihrer Begleitung ist Kate, die Pinkerton inzwischen in Amerika geheiratet hat. Die drei bitten Suzuki, Butterfly schonend darauf vorzubereiten, dass sie das Kind mitnehmen wollen. Pinkerton gibt zu erkennen, dass er sein rücksichtsloses Verhalten bereut; einem Wiedersehen mit Cio-Cio-San fühlt er sich jedoch nicht gewachsen.

Als Butterfly erscheint und die ihr fremde Frau sieht, muss sie sich die traurige Wahrheit eingestehen. Auf Kates Bitte, ihr das Kind zu übergeben, antwortet sie, seinem Vater werde sie es ausliefern. Dann bittet sie alle, einschließlich Suzuki, sie allein zu lassen. Sie nimmt Abschied von ihrem Sohn. Mit dem Dolch ihres Vaters setzt sie ihrem Leben ein Ende.

Trailer

Video

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

Demnächst reinhören in die Audioeinführung zu Madama Butterfly mit Dramaturg Konrad Kuhn! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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Bildunterschruft:
Besetzung 2022 © Barbara Aumüller

Zum Werk – R.B. Schlather, Inszenierung

Kind-Sein

»Madama Butterfly ist eine der großen menschlichen Tragödien, die für die Bühne geschrieben wurden. Puccini führt uns eine Welt der Verzauberung und der Brutalität vor Augen. Gegensätze prallen mit großer Dynamik aufeinander.

© Zach Gross

Für mich stehen Kinder im Zentrum: Es geht um das Kind-Sein, um den fließenden Übergang zwischen Heranwachsen und Erwachsen-Werden; und darum, für ein Kind zu sorgen oder es allein zurückzulassen. Darin liegt etwas, das keinen Zuschauer und keine Zuschauerin unberührt lassen wird.

Wir situieren die Oper in einem Raum, der zunächst für ein Ankommen steht: ein Zwischen-Raum, der einen Zauber hat, Überraschungen birgt, Entdeckungen bereithält. Später entpuppt er sich als Ort der Schwebe – ein unfertiger, verlassener Raum. War er zuvor voller Lebensfreude und Erotik, so schreit der Raum nun vor Melancholie, Unbehaustheit und Leere.«

Auszug aus dem Magazin Mai / Juni / Juli 2022.

»Und der liebe Gott berührte mich mit dem kleinen Finger und sagte: ›Schreib für das Theater; merke es dir gut: nur für das Theater‹ – und ich habe den höchsten Rat befolgt.«
Giacomo Puccini

Aus unserem Magazin: Unter falschen Voraussetzungen

TEXT VON KONRAD KUHN

Es ist die sechste Oper Puccinis, und sie verhalf ihm endgültig zum internationalen Durchbruch. Dabei begann alles mit einem Misserfolg: Bei der Premiere der Madama Butterfly am 17. Februar 1904 in Mailand fiel das Stück durch. Eine revidierte Fassung kam wenig später in Brescia zur Aufführung und wurde zum Sensationserfolg. Von da an trat die »japanische Tragödie« ihren Siegeszug an. Lässt man Fernost-Klischees à la Kimono und Kirschblüten einmal weg, schält sich ein zwischenmenschliches Drama heraus, das heute noch genauso unmittelbar berührt wie damals.

In der Deutung von R.B. Schlather treffen zwei junge Menschen unter falschen Voraussetzungen aufeinander. Eine Liebe entsteht, der beide nicht gewachsen sind. Für den US-amerikanischen Marineoffizier Benjamin F. Pinkerton ist die Verbindung mit der Japanerin Cio-CioSan, genannt »Butterfly«, von Anfang an eine »Ehe auf Zeit«: Als er abkommandiert wird, fühlt er sich nicht mehr gebunden. Cio-Cio-San wiederum bricht alle Brücken hinter sich ab und glaubt fest daran, ihr Geliebter werde sie eines Tages mitnehmen in seine Heimat. Als sein Schiff schließlich wieder im Hafen von Nagasaki einläuft, zerplatzt die Illusion: Er ist nur gekommen, um ihr auch noch das gemeinsame Kind zu nehmen, von dessen Existenz er erst spät erfahren hat. Butterfly sieht keinen Ausweg mehr: Sie nimmt sich das Leben.

Der junge italienische Dirigent Lorenzo Passerini beweist nach Fedora einmal mehr sein Gespür für den italienischen Verismo. Die russische Sopranistin Anna Princeva debütiert an der Oper Frankfurt in der Titelrolle, die sie u.a. bereits auf der Seebühne in Bregenz interpretiert hat.

Auszug aus dem Magazin Januar / Februar 2026.


Rund um Ihren Besuch

OPERNWORKSHOP

Zwei junge Menschen gehen mit völlig gegensätzlichen, doch gleichermaßen egoistischen Erwartungen eine (Schein-)Ehe ein. Beide versäumen es, sich für den Charakter des anderen ernsthaft zu interessieren. Ihre kindliche Unreife führt in die Tragödie.

Opernliebhaber*innen und Neugierige finden sich zu einem Ensemble. Aus der Perspektive der Opernfiguren lernen sie ein Werk auf aktive, spielerische Weise kennen.

TERMIN
21. Februar 2025, ca. 14–18 Uhr, Treffpunkt Opernpforte

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6., 14., 22. Februar / 8., 14., 20. März 2026

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SZENENFOTOS Barbara Aumüller

FOTOS R.B. Schlather (Zach Gross)

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Veröffentlicht am

15.01.2026

Willy-Brandt-Platz

Spielort

Willy-Brandt-Platz

60311 Frankfurt am Main

Anfahrt

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