Franziska Schmidt:
Mit Guglielmo in Così fan tutte hast du dein Hausdebüt gegeben – was reizt dich besonders an dieser Partie?
Jonas Müller:
Also zunächst einmal liebe ich die Musik der Mozart-Opern sehr. Er ist sowieso zusammen mit Verdi mein liebster Opernkomponist. Und dann finde ich Così fan tutte auch dramaturgisch unglaublich spannend. Der Guglielmo hat wahrscheinlich den verwerflichsten Charakter aller Rollen, was es für mich besonders interessant gemacht hat, ihn zu verkörpern. Auf der Bühne darf man alles sein: kompletter Macho, total arschiger Freund – es macht schon Spaß, solche Extreme darzustellen.
»Auf der Bühne darf man alles sein [...].«
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FS:
Aktuell singst du den kaiserlichen Komissar in Madama Butterfly – wie bereitest du dich auf solch kontrastierende Rollen vor?
Jonas Müller:
Der kaiserliche Kommissar ist meine erste Rolle in einer großen italienischen Oper. Glücklicherweise ist sie sehr überschaubar, was mir den Einstieg in dieses Repertoire enorm erleichtert. Die Vorbereitung war tatsächlich im Detail eine Andere. Bei Mozart geht es um viele Details in Sprache, Farbe und Artikulation – der Fokus lag in der Vorbereitung auf diesen Dingen. Bei Puccini ist eher der große Pinsel gefragt: hier versuche ich, jeden einzelnen Ton und Vokal in exakt gleicher Klangqualität zu erzeugen und achte sehr auf das Legato.
FS:
Du hast an Meisterkursen mit Künstler*innen wie Brigitte Fassbaender, Thomas Hampson und Ian Bostridge teilgenommen. Welche Lektionen haben dich am meisten beeinflusst?
Jonas Müller:
Alle Kurse bei diesen wichtigen Künstlerpersönlichkeiten haben mir Vieles mitgegeben. Das Interessanteste darin waren für mich eigentlich die Dinge, in denen sich die Lehrenden unterschieden. Es gibt einfach sehr viele verschiedene Wege zum Ziel; und vor allem gibt es auch ganz verschiedene Ziele. Diese Unterschiede haben mir gezeigt, dass es am Ende einfach darum geht, seinen eigenen Weg zu finden.
»Meine nächste Traumrolle bleibt bei Mozart und Da Ponte: Conte Almaviva im Figaro.«
FS:
Als Preisträger des Musikpreises der deutschen Wirtschaft 2025 wirst du zu zahlreichen Festivals reisen. Welche Bedeutung haben Wettbewerbe und Auszeichnungen für deine künstlerische Entwicklung?
Jonas Müller:
Ich bin eigentlich nicht so richtig der Wettbewerbstyp. Das Tolle an diesem Wettbewerb ist, dass verschiedene Instrumente antreten und es am Ende um die künstlerische Qualität geht und nicht um Parameter wie »höher, lauter, schneller«. Die Arbeit am Wettbewerbsprogramm hat mich auf jeden Fall sehr geprägt. Solange mich ein Wettbewerb weiterbringt und motiviert, so wie dieser, ist er ein echter Gewinn (auch wenn man verliert 😉). Ich habe da sehr verschiedene Erfahrungen gemacht.
Lied vs. Oper
»Für mich unterscheidet sich das Liedsingen vom Opernsingen nicht grundlegend. Ein relativ offensichtlicher Unterschied ist, dass die Grundlautstärke auf der Opernbühne größer sein muss als die beim Liedsingen. Dynamisch hat man im Lied einfach mehr Spielraum nach unten. Der zweite Unterschied ist die Rolle, die man beim Singen einnimmt. Verkörpere ich in der Oper immer eine Figur, so bin ich beim Lied auch oft nur Betrachter oder ich selbst, der ein Gedicht vorsingt.«
Liebe, Gewalt und unausweichliches Schicksal: In Bluthochzeit verbindet Wolfgang Fortner Federico García Lorcas Tragödie mit einer scharf konturierten, spannungsgeladenen Klangsprache. Eine Hochzeit, alte Feindschaften und eine verhängnisvolle Flucht setzen eine Tragödie in Gang, der niemand entkommen kann. Vom 10. Mai bis 15. Juni 2026 an der Oper Frankfurt.
Zwischen Taktstock und Terminkalender: Was passiert eigentlich hinter den Kulissen des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters – und wer sorgt dafür, dass unzählige Proben, Planungen und Terminen am Ende zu einem reibungslosen Opern- oder Konzerterlebnis werden? Im Interview geben Orchesterdirektor und Referent des Generalmusikdirektors Raphael Rösler sowie Orchestermanagerin Maike Stumpf spannende Einblicke in ihren Alltag an der Oper Frankfurt.
Erleben Sie die Spielzeit 2026/27 der Oper Frankfurt! Ob große Operntradition, Raritäten oder zeitgenössische Werke – ein vielseitiges Programm voller musikalischer Höhepunkte erwartet Sie. Dieser kompakte Überblick führt durch Premieren, Wiederaufnahmen, Liederabende und mehr.
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