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Interviews

3 FRAGEN AN BRENNAN HALL

Der Amerikanische Countertenor Brennan Hall begeisterte das Frankfurter Publikum bereits 2019/20 mit seinem Europa-Debüt in R.B. Schlathers umjubelter Inszenierung von Händels »Tamerlano«. Im September 2021 gab der Amerikaner sein Rollendebüt in Händels selten gespielter Oper »Amadigi« unter der musikalischen Leitung von Roland Böer. Nach gefeierten Vorstellungen im Herbst, kehrt der Sänger nun im Dezember für fünf weitere Vorstellungen von Händels Zauberoper nach Frankfurt zurück. Grund genug dieses Stimmtalent einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir haben Brennan Hall drei Fragen zu seinem Rollendebüt als Ritter Amadigi gestellt und dabei erfahren was Yoga, Krafttraining und Händel gemeinsam haben:

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© Barbara Aumüller

Selina Stefaniak: Wegen der Corona-Pandemie waren die Opernhäuser über viele Monate rund um die Welt geschlossen. Eine Zwangspause für alle Künstler*innen: Wie hast du dich nach einer so langen Zeit auf deine Rolle in Amadigi vorbereitet?

Breannan Hall: Im Vorfeld habe ich viel Zeit damit verbracht, in meiner Wohnung zu üben. Dabei musste ich vor allem geduldig mit mir selbst sein und eine starke Eigenmotivation haben. Meine Herangehensweise an diese Rolle war ähnlich wie beim Krafttraining. Ich hatte das Ziel, für die Rolle innerlich und äußerlich fit zu sein. Beim Üben trainierte ich nicht nur meine Stimme, sondern auch meinen Körper. Besonders wichtig war es mir eine starke Körpermitte aufzubauen, um die melismatischen Passagen und die langen Phrasen durchzuhalten, ohne dabei zu drängen. Das Körpertraining war dabei sehr hilfreich, denn für die Koloraturen von Händels Oper braucht man viel Kraft und Ausdauer.

Selina Stefaniak: Im Bühnenbild von Alberto Beltrame spielt Wasser eine große Rolle. Welche Herausforderung ist es für dich, in diesem besonderen Setting zu performen? 

Brennan Hall Ich liebe Wasser über alles. Daher war es für mich ganz natürlich, mit diesem Element zu arbeiten. Ich muss allerdings zugeben, dass Arielle, die Meerjungfrau es leichter aussehen lässt, als es ist. Es ist tatsächlich sehr schwer, beim Schwimmen zu singen und sich dabei zu konzentrieren, während Hunderte von Augen auf einen gerichtet sind. Aber es hat etwas Verlockendes im Wasser zu singen. Man vergisst leicht, dass überhaupt Menschen im Saal sind und ist so ganz bei sich und der Musik.

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© Barbara Aumüller

Selina Stefaniak Amadigi ist ein selten gespieltes Werk und gilt auch aufgrund der kleinen, kammerspielartigen Besetzung als Händels persönlichste Oper. Du hast dein Rollendebüt als Titelheld gegeben: Worin lag die musikalische Herausforderung für dich?

Brennan Hall Händels Musik ist wie Yoga für die Stimme, sie ist großartig, um die Stimme auszurichten, erfordert aber auch sehr viel Ausdauer und Konzentration. Händels Musik verzeiht keine Fehler, kleinste Grauzonen in der eigenen Technik zeigen sich sofort. Das ist schon eine ziemliche Herausforderung. Der Ritter Amadigi treibt die Geschichte voran und bringt dabei gleichzeitig eine Achterbahn der Gefühle zum Ausdruck, und das zwei Stunden lang ohne Unterbrechung auf der Bühne – das ist schon etwas anstrengend. Zum Glück hatte ich mit Roland Böer einen fantastischen Dirigenten und erstaunliche Kolleginnen an meiner Seite, die diesen Prozess für mich sehr angenehm gemacht haben.

Selina Stefaniak Viele Countertenöre scheinen ausgefallene Hobbies zu haben – Kangmin Justin Kim strickt, Jakub Józef Orliński macht Breakdance. Was machst du, wenn du gerade nicht neue Rollen einstudierst?

Brennan Hall Ich bin ein großer Comic-Fan und sammle und lese Marvel-Comics, seit ich 13 Jahre alt bin. Am liebsten setze ich mich mit einem Sammelband meiner Lieblingshelden wie den X-Men oder den Avengers hin und lese stundenlang.

SZENENFOTOS Barbara Aumüller

Veröffentlicht am

18.01.2021

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60311 Frankfurt am Main

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