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Opernappetizer

ZAIDE

Wolfgang Amadeus Mozart

Deutsches Singspiel in zwei Akten, Fragment (1779/80) / Text von Johann Andreas Schachtner / Uraufführung 1866, Opernhaus Frankfurt

Liebe, Flucht und die Willkür eines Despoten: In Mozarts Zaide wagen die Gefangenen Zaide und Gomatz mit Hilfe ihres Mitgefangenen Allazim die Flucht – und geraten in die Hände des erzürnten Soliman. Wird er sie begnadigen oder die Strafe vollziehen?

Erleben Sie die Premierenserie von Zaide vom 30. September bis 18. Oktober 2026 im Bockenheimer Depot.

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Bildunterschruft:
Karolina Bengtsson (Zaide) © Barbara Aumüller

Inhalt

Handlung

»Zaide«

Gomatz, Allazim und andere Gefangene fristen ihr Dasein in den immer gleichen Bahnen eines gewaltsamen, anonymen Machtsystems.

Zaide wird als neue Gefangene zu ihnen gebracht. Während sie noch versucht, ihrem Schicksal zu entkommen, haben die anderen bereits resigniert.

Inmitten dieser bedrückenden Umstände werden Zaide und Gomatz aufeinander aufmerksam und fühlen sich zueinander hingezogen. Neuen Lebensmut schöpfend, begehrt Gomatz gegen das System auf, muss sich jedoch bald wieder fügen.

In einem unbeobachteten Moment treffen die beiden den Entschluss, gemeinsam zu fliehen. Allazim erklärt sich bereit, ihnen zu helfen. Als sich die Chance zur Flucht ergibt, bleibt er als Einziger zurück, um den anderen das Entkommen zu ermöglichen – und wird für den Ausbruch bestraft.

Doch Zaide und Gomatz werden gestellt. Das System rächt den Fluchtversuch mit roher Gewalt. Der Tod von Zaide, Gomatz und Allazim scheint unausweichlich.

»Wir können, so befürchte ich, allenfalls darauf hoffen, dass die Freiheit in einem politischen Sinn nicht wieder für Gott weiß wie viele Jahrhunderte von dieser Erde verschwindet.«
Hannah Arendt, aus Die Freiheit, frei zu sein

Zum Werk – Jo Schramm, Bühnenbild

Circus Maximus

»Eine große Herausforderung bestand für uns darin, die Geschichte von Mozarts Zaide nicht in einem alles festlegenden orientalischen Milieu spielen zu lassen, sondern eine offenere Ausgangssituation zu finden. Bei uns werden die Sklav*innen zu Sportler*innen bzw. Gladiator*innen, die von einem anonym bleibenden, brutalen System beherrscht und unterdrückt werden. In einer Welt zwischen antiken Ritualen und heutigem Körperkult erhält die Geschichte einer misslungenen Flucht so eine seltsame, allgemeinere, neue Dringlichkeit.

Jo Schramm © Barbara Aumüller

Nachdem David Hermann und ich bereits dreimal auf der großen Bühne der Oper Frankfurt zusammenarbeiten durften, ist Zaide unsere erste gemeinsame Arbeit im Bockenheimer Depot. Damit geht für mich auch ein Wunsch in Erfüllung, denn die sehr eigene Atmosphäre dieser Halle und die Möglichkeiten, mit der Zuschauer- und Orchestersituation zu spielen, bedeuten natürlich einen besonderen Reiz. Trotz der zarten Musik des jungen Mozart erscheint mir dieser Ort perfekt geeignet, um mit Zaide einen Circus Maximus, der viel über unser Heute erzählt, wieder aufleben zu lassen.«

Auszug aus dem Magazin August / September / Oktober 2026.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

Mozart hinterlässt mit Zaide ein Fragment – und eine große offene Frage: Was geschieht, wenn Menschen in einem System der Unterdrückung plötzlich den Mut zur Freiheit finden? In Kürze reinhören in die Audioeinführung zu Zaide mit Dramaturgin Mareike Wink! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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Zum Werk – Sybille Wallum, Kostüme

Zwischen Spiel, Fantasie und bitterer Realität

»Mich interessiert an Zaide besonders der Zustand des Ausgeliefertseins: Die Figuren befinden sich in einer extremen, lebensbedrohlichen Situation, in einem Ausnahmezustand – und dennoch entsteht darin Raum für Begegnung, Liebe und sehr menschliche Momente. Dieser Widerspruch hat mich an dem Stück sofort fasziniert.

Sybille Wallum © Ines Wallum

In unserer Erarbeitung versuchen wir, dieses Ausgeliefertsein mit einer spielerischen Ebene zu verbinden und dafür ein eigenes, in sich geschlossenes System zu entwickeln. Daraus ergibt sich eine sehr eigene Kostümwelt: eine Bildsprache, die bewusst mit Kontrasten arbeitet und unterschiedliche Materialien, Zeiten und Anmutungen zusammenführt. Bühne und Kostüme greifen dabei eng ineinander, verstärken das Gefühl der Unsicherheit der Figuren und der Fragilität ihrer Existenzen, und eröffnen den Blick auf eine Welt zwischen Spiel, Fantasie und bitterer Realität.«

Auszug aus dem Magazin August / September / Oktober 2026.


Aus unserem Magazin: Ein Fragment – viele Fragen

TEXT VON MAREIKE WINK

In diese Zeit des Umbruchs fällt seine Arbeit an der Oper Zaide, die aus heutiger Perspektive wie eine Vorstudie zu Mozarts zwei Jahre später entstandener Entführung aus dem Serail erscheint. Noch in Salzburg beschäftigt er sich mit dem damals beliebten »türkischen« Sujet auf Basis eines Textes des Salzburger Hoftrompeters Johann Andreas Schachtner, einem guten Freund der Familie. Vielleicht war das Stück noch für Salzburg gedacht, vielleicht hatte Mozart aber auch schon eine mögliche Verwendung in Wien unter Kaiser Joseph II. im Sinn.

So oder so bleibt Zaide ein Fragment von 15 Nummern, die ohne Ouvertüre und Finale sowie ohne vollständige Dialoge überliefert sind. Auf der Handlungsebene bedeutet das: Das Material bricht nach dem gescheiterten Fluchtversuch der Gefangenen ab, womit in der Schwebe bleibt, ob Soliman die Gestellten begnadigt oder bestraft.

Aus dieser Unvollständigkeit ergibt sich eine besondere Offenheit für die Deutung und Auseinandersetzung mit diesem »ernsten deutschen Singspiel«. Regisseur David Hermann kombiniert es mit Nummern aus Mozarts Schauspielmusik Thamos, König in Ägypten und schärft damit die dunklen Facetten des Zaide-Stoffes, der uns auf diese Weise unerwartet nah kommt und Assoziationen an die Brutalitäten und Zwänge unserer eigenen Gegenwart aufruft.

Mozarts persönlicher Wendepunkt geht einher mit einem Perspektivwechsel bzw. einer Fokusverschiebung in seinem Schaffen: Als höchst sensibel offenbart sich seine Betrachtung der menschlichen Seele, wie er sie in seinem Singspiel-Fragment vor Augen führt. So markiert das Werk einerseits den Beginn eines persönlichen Emanzipationsprozesses – von der Heimatstadt, vom Brotgeber, vom eigenen Vater – und kennzeichnet zugleich Mozarts Hinwendung zu einer neuen Ästhetik, die sich ganz dem Geist der Aufklärung verschreibt.

Auszug aus dem Magazin August / September / Oktober 2026.

Zum Werk – Karolina Bengtsson, Zaide

Ein Moment von Zärtlichkeit und Mut

»Die Mozart-Frauenfiguren, die ich an der Oper Frankfurt darstellen durfte, liegen mir sehr am Herzen. Zaide ist ja ein Fragment und wegen dieser Offenheit besonders speziell. In ›Ruhe sanft, mein holdes Leben‹ (wie himmlisch schön diese Musik in Verbindung mit dem Fagott ist!) entsteht mitten in einer bedrohlichen Welt ein Moment von Zärtlichkeit und Mut – ein Ausdruck des zutiefst Mozart’schen: die Kraft der Sanftheit.

Karolina Bengtsson © Barbara Aumüller

Ich sehe Zaide allerdings nicht als eine Figur, die gerettet wird, sondern eher als eine eigenständige Naturkraft. Die Musik ist nicht nur weich wie in ›Ruhe sanft‹, sondern auch mächtig wie in ›Tiger! Wetze nur die Klauen‹. Das Terzett ›Aber seht dort in der Ferne blutige Morgensterne!‹ gestaltet genau diese dramatische Qualität in den hellsten Farben. [...]«

Auszug aus dem Magazin August / September / Oktober 2026.


Rund um Ihren Besuch

OPER IM DIALOG

Worte finden, mitreden, Fragen stellen, Begeisterung oder Verwunderung teilen ... Uns interessiert, wie Sie den Opernabend erlebt haben! Nach ausgewählten Vorstellungen möchten wir gemeinsam mit Ihnen ins Gespräch kommen, um die Aufführungen kritisch zu diskutieren. Zu ausgewählten Terminen laden wir externe Gäste ein, die Musiktheater aus ihrem jeweiligen Fachgebiet heraus betrachten und so den Dialog bereichern.

TERMIN 16. Oktober, 20.30 Uhr, Bockenheimer Depot

MOZARTS NACHLASS IN OFFENBACH

Nicht nur die Erstausgabe der Mozart-Serenade Eine kleine Nachtmusik liegt im Offenbacher Verlags- und Musikhaus André ... Eine Erzählung über den Erwerb von Mozarts Nachlass aus der Sicht des Verlegers Johann Anton André.

MOZART HIGHLIGHTS

Spotlight on Mozart! 2026 wäre der wohl bekannteste Komponist der Klassikwelt 270 Jahre alt geworden. Die Berliner Philharmoniker feiern seine Genialität mit einer facettenreichen Auswahl an Mozart-Highlights aus dem Archiv ihrer Digital Concert Hall. Happy Birthday, Wolfgang Amadeus!

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30. September / 3., 7., 9., 11., 14., 16., 18. Oktober 2026

Was geschieht, wenn Liebe, Flucht und die Willkür eines Despoten aufeinandertreffen? Sichern Sie sich jetzt Tickets für Mozarts Zaide im Bockenheimer Depot.

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SZENENFOTOS Barbara Aumüller

FOTOS Karolina Bengtsson, Jo Schramm (Barbara Aumüller), Sybille Wallum (Ines Wallum)

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Veröffentlicht am

24.09.2026

Bockenheimer Depot

Spielort

Bockenheimer Depot

60325 Frankfurt am Main

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