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Interviews

PORTRÄT MANUEL PUJOL

Seit April 2026 ist er Chordirektor der Oper Frankfurt: Im Interview spricht Manuel Pujol über die Kunst, individuelle Stimmen zu einem gemeinsamen Klang zu verbinden, die Herausforderungen der aktuellen Produktionen und die faszinierende Präzision, die das Publikum im Chorklang erleben kann.

Bildunterschruft:
Chordirektor Manuel Pujol mit dem Chor der Oper Frankfurt © Felix Grünschloß

Inhalt

Steckbrief

Manuel Pujol

Aktuelle Position

  • Chordirektor der Oper Frankfurt (seit April 2026)

Engagements

  • Chordirektor des Staatsopernchores Stuttgart (2018 bis 2026)

  • Chordirektor und Kapellmeister an den Opernhäusern in Dortmund und Görlitz

  • Stipendiat im  Dirigentenforum (2010 bis 2014)

  • RIAS Kammerchor

  • Rundfunkchöre des NDR und des MDR Leipzig

Aktuelle Produktionen

Ausbildung

  • ???

Auszeichnungen

  • »Chor des Jahres« für den Staatsopernchor Stuttgart (2019, 2020)

  • 1. Deutschen Chordirigentenpreis (2014)


Persönliche Töne

Ein Moment, in dem ich Musik ganz besonders genieße, ist …

... wenn viele einzelne Stimmen zu einem gemeinsamen Klang verschmelzen und daraus ein ganzheitlicher, musikalischer Ausdruck entsteht.

Ein perfekter freier Tag beginnt für mich …

... ohne Wecker und mit einem richtig guten Kaffee.

Wenn ich einmal nicht im Opernhaus bin, dann …

... genieße ich die Zeit mit der Familie und mit Freunden.


Interview: Musik entsteht im Dialog

Franziska Schmidt: Sie sind seit April 2026 Chordirektor der Oper Frankfurt. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt – und was bedeutet für Sie persönlich ein Neuanfang an diesem Haus?

Manuel Pujol:

Der Beginn an einem neuen Haus ist auch immer ein persönlicher Neuanfang. Natürlich habe ich meine eigenen Ideen und Vorstellungen mitgebracht, aber viel wichtiger war und ist es für mich zunächst, zuzuhören, die Menschen kennenzulernen und die gewachsene Kultur eines Hauses zu verstehen. Die Oper Frankfurt hat eine starke künstlerische Identität und einen hervorragenden Ruf. Teil dieser Gemeinschaft zu sein und vor allem die intensive Zusammenarbeit mit dem hervorragenden Opernchor, ist für mich eine große Freude

Franziska Schmidt: Wenn Sie an Ihre ersten Monate in Frankfurt zurückdenken ...

Manuel Pujol:

Ganz unbekannt war mir die Oper Frankfurt nicht, da ich bereits als Gast hier gearbeitet habe. Trotzdem ist es etwas Besonderes, nun als Chordirektor fest zu diesem Haus zu gehören. Ich wurde von Anfang an sehr offen und herzlich aufgenommen und habe mich sofort willkommen gefühlt. 

»Ein Chor ist immer viel mehr als die Summe seiner einzelnen Stimmen. Es geht darum, gemeinsam zu atmen, zu hören und zu reagieren, dabei die Individualität jedes Einzelnen zu bewahren und am Ende einen gemeinsamen musikalischen Ausdruck zu kreieren. Es ist eine spannende Aufgabe mit dem Frankfurter Opernchor, der musikalisch und klanglich äußerst flexibel ist an diesen Feinheiten zu arbeiten.«
Manuel Pujol, Chordirektor der Oper Frankfurt

Franziska Schmidt: Was sind Ihre Aufgaben als Chordirektor?

Manuel Pujol:

Meine zentrale Aufgabe ist die musikalische Vorbereitung des Chores für die verschiedenen Opernproduktionen. Dazu kommt die enge Zusammenarbeit mit Dirigentinnen und Dirigenten, Regieteams und den verschiedenen künstlerischen Abteilungen des Opernhauses.

Franziska Schmidt: Gibt es eine Eigenschaft, die Sie bei Sänger*innen besonders schätzen? Und umgekehrt: Was können Chormitglieder einem Chordirektor beibringen?

Manuel Pujol:

Die Fähigkeit zuzuhören, aufeinander einzugehen und musikalische Impulse aufzunehmen, ist gerade in der Arbeit mit und in einem Chor entscheidend. Musik entsteht immer im Dialog, wenn Impulse zwischen Dirigenten und Ensemble in beide Richtungen fließen.

Franziska Schmidt: Wie unterscheidet sich das Einstudieren der verschiedenen Produktionen in dieser Spielzeit?

Manuel Pujol:

Jede Produktion bringt ihre eigenen musikalischen und szenischen Anforderungen mit sich. Das Einstudieren ist deshalb immer ein individueller Prozess, bei dem es darum geht, gemeinsam einen homogenen Chorklang zu entwickeln und gleichzeitig den Charakter des jeweiligen Werkes herauszuarbeiten. Gerade wenn der Chor auch szenisch stark gefordert ist, müssen Musik, Bewegung und Darstellung zusammenfinden. Entscheidend ist dabei die enge Abstimmung zwischen Chor, Dirigent und Orchester.

Bildunterschruft:
Der Chor der Oper Frankfurt in Tschaikowskis Mazeppa 2026 © Xiomara Bender

Franziska Schmidt: Mazeppa verlangt dem Chor musikalisch und szenisch Einiges ab. Was ist bei dieser Produktion die besondere Herausforderung für den Chor?

Manuel Pujol:

Bei Mazeppa ist sowohl die musikalische und als auch die dramatische Energie eine besondere Herausforderung. Der Chor ist Teil einer großen, sehr bewegten Welt und muss dabei trotzdem präzise und differenziert bleiben.

Video

Was hinter dem Chorklang steckt

»Ich wünsche mir, dass das Publikum die unglaubliche Präzision und Konzentration wahrnimmt, die hinter einem scheinbar selbstverständlichen Chormoment steckt. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass sichtbar wird, wie entscheidend jeder einzelne Chorsänger mit seiner eigenen musikalischen Vorstellung und seinem individuellen Ausdruck für die Entwicklung eines homogenen und ausdrucksstarken Chorklangs ist.«

Manuel Pujol © Felix Grünschloß

Franziska Schmidt: Mit Lucia Ronchettis Battaglia steht eine Uraufführung auf dem Spielplan. Was bedeutet es für Sie, einen Chor auf eine Musik vorzubereiten, deren Klangsprache er erst gemeinsam mit Ihnen entdecken muss?

Manuel Pujol:

Eine Uraufführung ist immer eine besonders reizvolle Herausforderung, weil es keine etablierten Klangvorstellungen gibt, an denen man sich orientieren kann, und keine Hörgewohnheiten, die eine bestimmte Erwartungshaltung erzeugen. Dadurch entsteht die Möglichkeit, die Klangsprache gemeinsam mit dem Chor ganz unmittelbar zu entdecken und einen eigenen musikalischen Ausdruck zu entwickeln.

SZENENFOTOS Xiomara Bender

FOTOS Felix Grünschloß

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Veröffentlicht am

22.10.2026

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