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Opernappetizer

LE ROI ARTHUS

Ernest Chausson

Oper in drei Akten und sechs Bildern / Text vom Komponisten / Uraufführung 1903, Théâtre Royal de la Monnaie, Brüssel

Was geschieht, wenn Liebe, Freundschaft und ein großes Ideal aufeinanderprallen? Chaussons Oper erzählt von Leidenschaft, Verrat und dem Zerbrechen der Tafelrunde – und entführt dabei in eine schillernde Klangwelt zwischen Wagner und französischem Impressionismus.

Erleben Sie die Premierenserie von Le roi Arthus vom 8. November bis 16. Dezember 2026.

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Bildunterschruft:
Domen Križaj (Arthus) © Barbara Aumüller

Inhalt

Handlung

»Le roi Arthus«

ERSTER AKT

Die Sachsen sind besiegt und aus Britannien vertrieben. Auf einem Fest beschwört König Arthus ein neues Zeitalter des Friedens. Nur seinen Ratgeber, den mächtigen Zauberer Merlin, vermisst er schmerzlich. Er lobt die Tapferkeit der Ritter der Tafelrunde und hebt besonders die Verdienste seines Freundes Lancelot hervor. Mordred, der Neffe des Königs, fühlt sich zurückgesetzt. Ein Kreis Gleichgesinnter schlägt sich auf seine Seite. Zudem beobachtet Mordred, wie Königin Genièvre, um deren Liebe er selbst vergeblich geworben hatte, mit Lancelot Heimlichkeiten austauscht. Er sinnt auf Rache.

Lancelots Knappe und Vertrauter Lyonnel tadelt seinen Herrn, der doch sein Vorbild ist, dafür, dass er den König hintergeht. Doch Lancelot ist gefangen in seinen Gefühlen für Genièvre. Während Lyonnel Wache hält, beschwören Genièvre und Lancelot ihre gegenseitige Liebe. Als sie von Mordred überrascht werden, verwundet Lancelot den Rivalen schwer. Die Liebenden verabreden sich für den folgenden Tag.

ZWEITER AKT

Ein Ackermann besingt die Heldentaten des mythischen Königs Arthus, der einst den Riesen Rion besiegte. Lancelot macht sich Vorwürfe, weil er seinen Freund Arthus verraten hat. Da trifft Genièvre mit der Nachricht ein, dass Mordred überlebt und sie beim König verklagt hat. Noch wolle Arthus nicht an Lancelots Treuebruch glauben; zu ihrer Rettung müsse der Geliebte vor dem König alles abstreiten. Zerrissen von Gewissensbissen, weigert sich Lancelot; dazu sei er nicht fähig. Schließlich ist er bereit, ein letztes Mal zu lügen, aber nur, um danach im Krieg einen ehrenvollen Tod zu suchen. Doch davon will Genièvre nichts wissen. Daraufhin beschließen die beiden, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und gemeinsam zu fliehen.

Arthus hat den ganzen Tag vergeblich auf Lancelot gewartet in der Hoffnung, er werde die Vorwürfe gegen sich und Genièvre entkräften. Er spürt, dass sein großer Gedanke – der Runde Tisch – zu scheitern droht. Verzweifelt ruft er nach Merlin, einst sein Verbündeter für die Sache der Gerechtigkeit. In einer Vision erscheint ihm der Freund früherer Tage, selbst schwer angeschlagen. In dunklen Naturbildern prophezeit der Zauberer den Niedergang der Tafelrunde und den baldigen Tod des Königs. Eines Tages jedoch werde Arthus wiederkehren und den Kampf wieder aufnehmen. Auf die bohrenden Fragen des Königs nach der Schuld von Genièvre und Lancelot gibt Merlin keine Antwort. Da meldet ein Ritter, die Königin sei zusammen mit Lancelot geflohen. Zwischen den Anhängern Lancelots und seinen Gegnern entbrennt Streit; die Tafelrunde zerbricht. Arthus ruft zum Krieg gegen den Entführer seiner Frau auf.

DRITTER AKT

Hin- und hergerissen zwischen Zuversicht und Angst, wartet Genièvre auf den Ausgang der Schlacht. Ihr Vertrauter Allan berichtet, Mordred habe sich, während Arthus in die Schlacht zog, in einem Staatsstreich selbst zum König erklärt. Da taucht Lancelot unerwartet in der Burg auf: Er ist geflohen, als er Arthus auf dem Schlachtfeld erblickt hat. Seine Loyalität zu Arthus ist stärker als seine Liebe zu Genièvre. Ein Schiff steht bereit, um Genièvre in Sicherheit zu bringen. Er selbst will sich waffenlos zwischen die Kämpfenden stellen, um den Krieg zu beenden und sich dem König zu unterwerfen. Genièvre ahnt, dass das seinen Untergang bedeutet; doch ohne den Geliebten will sie nicht leben. Als der Schlachtenlärm plötzlich aufhört, spürt sie, dass ihr kein Ausweg mehr bleibt. Sie nimmt sich das Leben.

Lancelot ist schwer verwundet. Er bittet den König um Vergebung und sagt voraus, er selbst werde in Vergessenheit geraten, während Arthus’ Idee die Zeiten überdauern werde. Er stirbt. Arthus hat die beiden Menschen verloren, die ihm am meisten bedeutet haben: Lancelot und Genièvre. Auch ihn verlässt der Lebensmut. Da hört er Stimmen, die ihm prophezeien, ihm sei ein besonderes Los zugedacht: Er werde entrückt auf die Insel Avalon, wo alles Leiden ein Ende hat. Er wirft sein Schwert Escalibur und sein Schild Pridwann ins Meer. Die Stimmen verkünden: Die Zeit, da die Ritter der Tafelrunde für die Verfolgten und Wehrlosen eintraten, sei vorbei. Arthus jedoch gebühre der Ruhm, an das Ideal geglaubt und dafür gekämpft zu haben.

»Um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen in dieser Welt, habe ich die Tafelrunde begründet.«
Ernest Chausson, Le roi Arthus, 2. Akt

Zum Werk – Thomas Guggeis, Musikalische Leitung

Schillernde Farbvaleurs

»Man nehme eine ordentliche Portion Tristan, mische eine Prise Parsifal bei und tränke alles ausführlich in französischem Klangfarbenspiel – voilà, Le roi Arthus von Ernest Chausson! Auf ganz wunderbare Weise verbindet sich hier die satte, schicksalsschwere Harmonik Wagners mit den unendlich schillernden Farbvaleurs des Impressionismus. Eine ganz besondere Klangfarbe bewahrt sich Chausson für den 3. Akt auf: das dunkle, unheilverkündende Schnarren und Drohen der Kontrabass-Klarinette, dem absoluten Schwergewicht der Klarinetten-Familie.

© Christian Kleiner

Zitate und Anleihen bei Wagner gibt es nicht zu knapp. Das große Liebesduett im 1. Akt knüpft als 3/4-Kantilene in As-Dur fast wörtlich an das ›Niedersinken‹ der Liebesnacht in Tristan und Isolde an. Der Tod des Helden Lancelot im 3. Akt wird von einem Trauerkondukt begleitet, das an die große Verwandlungsmusik im 3. Akt von Parsifal erinnert. Und die fast ohne Orchesterbegleitung vorgetragene Volksballade eines Ackermanns zu Beginn des 2. Aktes hat ganz deutlich die beiden solistischen Seemannslieder aus dem Fliegenden Holländer und aus dem Tristan zum Vorbild, inklusive der bedrohlich brodelnden Bässe bei der zweiten Strophe. Mein persönliches Highlight aber ist der finale Verklärungschor bei der Überfahrt nach Avalon – zum zwölffach geteilten Chor kommen noch fünf Solofrauenstimmen und erschaffen gemeinsam ein mächtiges Klanggewebe, das Raum und Zeit transzendiert.«

Auszug aus dem Magazin November / Dezember 2026.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

Demnächst reinhören in die Audioeinführung zu Le roi Arthus mit Dramaturg Konrad Kuhn! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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Zum Werk – Domen Križaj, Arthus

»Zunächst einmal fühlt es sich großartig an, als Gast an das Haus zurückzukehren, das sechs Jahre lang meine künstlerische Heimat war. Ich bin sehr dankbar, dass ich sogar bei zwei Produktionen in dieser Spielzeit dabei bin. Tannhäuser, wo ich wiederum den Wolfram singe, war die ›Aufführung des Jahres‹ 2024 (Opernwelt), und ich hoffe, wir können der Oper Le roi Arthus auf gleiche Weise gerecht werden.

© Barbara Aumüller

Ich habe mich sofort in dieses Werk verliebt. Die Musik ist unglaublich und hält die Spannung die ganze Zeit hoch – ganz ähnlich wie bei den Werken von Richard Wagner. Und dann ist da die Figur des König Arthus, der über alle anderen hinauswuchs, indem er die Tafelrunde auf Schloss Camelot begründete. Aber die schiere Willenskraft eines einzelnen Mannes reicht offenbar nicht aus, um eine solche Idee auf Dauer zu bewahren. So wird daraus eine bitter-süße Geschichte, in der es um Liebe, Pflicht, Ehre und schließlich den Niedergang geht. Wie die Arthus-Literatur allgemein, passt dieser Stoff auch als Oper sehr gut in unsere Zeit. Wenn ich eine Rolle zum zweiten Mal singe, ist das immer besonders aufregend. So auch diesmal: Mehrere Schichten überlagern sich in der Interpretation, und man kann den Fokus darauf richten, neue Dinge zu entdecken, die man beim ersten Mal vielleicht übersehen hat. Ich kann mich noch gut an die letzte Szene erinnern, die in der Inszenierung bei den Tiroler Festspielen in Erl eine Art Apotheose war. Ich bin sehr gespannt darauf, wie wir den König Arthus dem Publikum diesmal präsentieren werden!«

Auszug aus dem Magazin November / Dezember 2026.


Aus unserem Magazin: Die Ritter der Tafelrunde

TEXT VON KONRAD KUHN

Die Legenden um König Arthus sind vielfältig. Ein sagenumwobener Heerführer soll um das Jahr 500 die Sachsen besiegt haben, die in das nach dem Abzug der Römer schutzlos gebliebene keltische Britannien einfielen. Er soll dem südlichen Teil der Insel eine Periode des Friedens gebracht haben. Dies gelang ihm, indem er gegen jeden seiner Ritter gleichermaßen gerecht war und keinen über den anderen stellte. Symbol dafür ist der Runde Tisch. Ein besonders schönes Exemplar, das natürlich nicht aus der mythischen Burg Camelot stammt (von der niemand weiß, wo sie gestanden haben soll), befindet sich in der Großen Halle von Winchester Castle. Ob es für König Arthus tatsächlich ein historisches Vorbild gibt, ist umstritten. Erst ab dem 11. Jahrhundert wird die Gestalt fassbar und hält vor allem in französischen Versepen und höfischen Romanen Einzug in die Literatur. Verschiedene andere Mythen werden damit verknüpft – so der Sagenkreis um Parzival, den Heiligen Gral und seine Ritter, die wie Lohengrin von ihrem König ausgeschickt werden, um Gutes zu tun.

Eine wichtige Figur in der Arthus-Literatur ist der keltische Zauberer Merlin. Er soll das sagenhafte Schwert Excalibur geschmiedet und in einen Stein gestoßen haben, aus dem es kein Ritter hervorziehen konnte, bis es Arthus eines Tages eher zufällig gelang. So wurde er zum König der Briten und gilt auf der Insel bis heute als englischer Nationalheld. Schon Henry Purcell hat ihn in seiner Semi-Oper King Arthur auf die Musiktheaterbühne gebracht. Des Königs Ratgeber Merlin tritt, so stellt Chausson es sich vor, aus einer Apfelhecke; der Name der mythischen, hinter Nebeln verborgenen Insel Avalon bedeutet so viel wie »Apfelinsel«. Einige der sehr unterschiedlichen Legenden rund um Arthus erzählen auch von dem Ritter Lancelot, seinem besten Freund. Lancelot ist seiner Ehefrau Guinevere (französisch Genièvre) in Liebe verbunden. In manchen Varianten beginnt er ein Verhältnis mit ihr. Diese Liebesgeschichte endet tragisch: Lancelot kann mit seiner Schuld nicht leben, Genièvre wiederum setzt ihrem Leben daraufhin ein Ende, indem sie sich mit ihren eigenen Haaren erdrosselt. Diese Geschehnisse bilden einen Hauptstrang in Chaussons Oper.

Auszug aus dem Magazin November / Dezember 2026.


Rund um Ihren Besuch

KAMMERMUSIK IM FOYER

Zwischen Klangsog und Farbfinesse

Programm

Mel Bonis 1858–1937
Scènes de la forêt (Waldszenen) op. 123 für Flöte, Horn und Klavier (1927/28)

Gabriel Fauré 1845–1924 / André Messager 1853–1929
Souvenirs de Bayreuth für Klavier vierhändig (1888) 
Fantasie in der Form einer Quadrille über beliebte Motive aus Richard Wagners Der Ring des Nibelungen

Jean Françaix 1912–1997
L’ heure du berger (Das Schäferstündchen) für Bläserquintett und Klavier (1947)

Pause

Albéric Magnard 1865–1914
Quintett d-Moll op. 8 für Klavier und Bläser (1893/94)

Entdecken Sie hier spannende persönliche Einblicke und Highlights der Musiker*innen zu diesem Termin.

TERMIN 6. Dezember 2026, 11 Uhr, Holzfoyer

BRÜCHE – DEMOKRATIE IN ZEITEN IHRER REGRESSION

Wir setzen die in der letzten Spielzeit begonnene neue Reihe im Rahmen des vom Land Hessen geförderten Forschungsschwerpunkts »Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression: Zeiten, Räume und Diskurse« fort. Zur Neuinszenierung Le roi Arthus findet unter der Überschrift Zukunftsbilder – Demokratie nach den Zeiten ihrer Regression ein ganztägiges interdisziplinäres wissenschaftliches Symposium statt, mit Beiträgen aus Politik- und Sozialwissenschaften, Philosophie, Psychoanalyse und Sozialpsychologie sowie aus künstlerischen Perspektiven.

Der Eintritt ist frei, Anmeldung erforderlich
Veranstaltungsadresse: Gabriel-Riesser-Weg 3, 60325 Frankfurt am Main

TERMIN 10. Dezember 2026, 10 Uhr, Dondorf-Druckerei

TICKETS BUCHEN

8., 14., 27., 29. November / 3., 12. 16. Dezember 2026

Lassen Sie sich von Chaussons opulenter Klangwelt und dem tragischen Schicksal der Tafelrunde in den Bann ziehen. Jetzt Tickets sichern!

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SZENENFOTOS Barbara Aumüller

FOTOS Thomas Guggeis (Christian Kleiner), Domen Križaj (Barbara Aumüller)

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Veröffentlicht am

30.10.2026

Willy-Brandt-Platz

Spielort

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60311 Frankfurt am Main

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