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Opernappetizer

WARTEN AUF HEUTE

Arnold Schönberg / Frank Martin

Von heute auf morgen / Oper in einem Akt / Text von Max Blonda (Pseudonym für Gertrud Schönberg) / Uraufführung 1930

Begleitmusik zu einer Lichtspielszene op. 34 / Uraufführung 1930

Sechs Monologe aus »Jedermann« / Liederzyklus für Bariton und Orchester / Text von Hugo von Hofmannsthal / Uraufführung 1949

Erwartung / Monodram in einem Akt / Text von Marie Pappenheim / Uraufführung 1924

Was bleibt von einer Liebe, wenn die gemeinsame Gegenwart längst vergangen ist? In Warten auf heute verbindet Regisseur David Hermann vier Werke von Arnold Schönberg und Frank Martin zu einer bewegenden Geschichte über Nähe, Verlust, Erinnerung und die Vergänglichkeit der Zeit.

Erleben Sie die Warten auf heute vom 19. September bis 17. Oktober 2026.

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Bildunterschruft:
2022 © Barbara Aumüller

Inhalt

Handlung

»Von heute auf morgen«

Als das Ehepaar von einer Abendveranstaltung nach Hause kommt, gerät es in eine Auseinandersetzung: Während der Mann seiner Faszination für die attraktive Freundin seiner Frau nachhängt, schwärmt diese vom berühmten Tenor, der mit ihr geflirtet hat. In den Augen des Mannes verkörpert besagte Freundin die perfekte »Frau von heute«, seine Gattin jedoch sei nur eine »brave Hausfrau«.

Bei diesen Worten reißt der Ehefrau die Geduld: »Jede Frau kann beides!« Das will sie ihrem Mann mit einem turbulenten Verkleidungsspiel beweisen. Wie eine vermeintliche »Frau von Welt« singt und tanzt sie verführerisch, kümmert sich nicht um ihr quengelndes Kind und befiehlt ihrem verblüfften Ehemann, was er zu tun hat.

Plötzlich ruft der berühmte Tenor an. Die Frau lässt sich von ihm in eine Bar einladen. Ihre Freundin solle sich derweil mit ihrem Mann vergnügen. Das ist zu viel für den eifersüchtigen Ehemann: Er wünscht sich seine Frau zurück – so »wie sie früher war«. Doch da stehen der Sänger und die Freundin bereits vor der Tür: Sie versuchen, das Ehepaar von einer »modernen Sicht« auf das Leben und die Liebe zu überzeugen, bleiben letztlich aber erfolglos.

Das Paar entscheidet sich zwar noch einmal füreinander, doch der Abend hat Spuren hinterlassen …

»Begleitmusik zu einer Lichtspielszene«

Im Alltag, in der Routine verliert sich das Paar. Die Frau zieht aus und verlässt Mann und Kind.

»Sechs Monologe aus ›Jedermann‹«

Der Mann fristet seine Tage im großen Haus. Sein einziger sozialer Kontakt ist die Mitarbeiterin vom Essensdienst.

Er hat das Gefühl, dass sein Leben zu Ende geht. In seiner Todesahnung durchlebt er verschiedenste Empfindungen:

Panisch wehrt er sich gegen den Gedanken an das eigene Sterben.

Er will nicht lassen von seinem Leben und seinen irdischen Gütern.

Bald meint er, die Stimme seiner Mutter zu hören.

Während ihm auch Verpasstes und sein eigenes Fehlen in den Sinn kommen, wird ihm bewusst: »Hie wird kein zweites Mal gelebt!«

Schließlich wendet er sich hoffnungsvoll an Gott – mit der Bitte um Erlösung.

»Erwartung«

Noch einmal will die Frau zu ihrem alten Haus, zu ihrem Mann zurück – in Erinnerung an das gemeinsame Leben, an die schönen und zärtlichen Momente, die sie miteinander hatten.

Sie ist nervös: Jedes Geräusch, jede Bewegung, jeder Schatten in der warmen Mondnacht verunsichert sie. Sie hofft und bangt, jenem Mann, den sie so sehr geliebt hat, noch einmal zu begegnen.

Schließlich riskiert sie einen Blick durch das Fenster und entdeckt seine Leiche.

Nach dem ersten Schock wird sie von Eifersucht überwältigt: Gab es damals nicht noch eine andere Frau? Jetzt, zurückblickend, ist sie sich ganz sicher. Er hat sie betrogen …

Hin- und hergerissen zwischen Wut und Trauer, fragt sie sich: Wer hat ihn getötet? Wofür lohnt es sich jetzt noch zu leben? Wohin, wenn der Mensch, mit dem sie so viel teilte, und der Ort, der ihr Zuhause war, endgültig keine Gegenwart mehr sind?


Trailer

Video

Zum Werk – David Hermann, Inszenierung

Vier Welten

»Schönbergs frühe Musiksprache hat eine große Emotionalität und Klangsinnlichkeit, auch einen skurrilen Humor und Witz. Frank Martins solitäre Gesänge sind in Musik gegossene Momentaufnahmen einer existenziellen Ausnahmesituation. Vier Welten, die sich berühren, ergänzen und abstoßen, sich widersprechen und doch zu einem Sog werden.

David Hermann © Oliver Look

Wie die Sätze einer Sinfonie verbinden sich die Werke mit unserem Abend Warten auf heute zu einem Bogen, der den Weg eines Paares beschreibt, das zusammenlebt, sich verliert und sich am Ende des Lebens im Wiederfinden verpasst. Wir erleben die Metamorphose zweier Menschen, die sich zunächst scheinbar gefunden haben, dann miteinander sprachlos werden und sich schließlich nur noch in Monologen, in einer Innenschau artikulieren.

Im Zentrum der Bühne ein Haus, das im Laufe des Abends immer mehr aus den Fugen gerät, sich auflöst, altert, Innen und Außen vertauscht, sich von einem Zuhause zu einem Labyrinth entwickelt. Die Hauselemente begleiten die Figuren, umkreisen sie, fordern sie heraus und werden damit zu eigenständigen Spielpartnern. Am Ende findet das Haus seine Form wieder. Neue Bewohner sind eingezogen. Gebäude überdauern Biografien.«

Auszug aus dem Magazin August / Oktober 2026.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

In Kürze reinhören in die Audioeinführung zu Warten auf heute mit Dramaturgin Mareike Wink! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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Aus unserem Magazin: Metamorphose eines Paares

TEXT VON MAREIKE WINK

Warten auf heute verbindet vier sehr unterschiedliche Werke der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Schönbergs Einakter Von heute auf morgen, seine Begleitmusik zu seiner Lichtspielszene und Erwartung sowie Frank Martins »Jedermann«-Monologe.

Von heute auf morgen ist Schönbergs Antwort auf eine Mode seiner Zeit: In den 1920er Jahren etabliert sich in Deutschland die Gattung der Zeitoper, deren Werke den Zeitgeist atmen, populäre Musik integrieren, formale Strukturen vereinfachen und ein breiteres Publikum ansprechen sollen. Schönberg will den Beweis erbringen, dass seine Zwölftonmethode, die hier zum ersten Mal in einer Oper zum Einsatz kommt, nicht im Widerspruch dazu steht, einen Hit zu komponieren. Die Frankfurter Uraufführung von Von heute auf morgen im Februar 1930 verläuft allerdings weitgehend im Sande …

Kurz nach Beendigung der Partitur seiner Zeitoper erhält Schönberg vom Heinrichshofen’s Verlag den Auftrag, eine Filmmusik zu schreiben. Seine Begleitmusik zu einer Lichtspielszene soll dann jedoch ohne eine eigens dazu entstehende Lichtspielszene verbleiben, was sie für eine szenische Einbindung umso offener sein lässt ... Uraufgeführt wird das Werk im November 1930 an der Berliner Krolloper, nachdem Schönberg selbst eine Sendung im Frankfurter Rundfunk dirigiert hatte.

Der Schweizer Komponist Frank Martin, verwurzelt in der Tonalität, schreibt mit seinen Sechs Monologen aus »Jedermann« ein vielfarbiges Kaleidoskop verschiedenster Seelenzustände eines Mannes, der mit seinem Lebensende konfrontiert ist. Martin greift dafür textlich auf Hugo von Hofmannsthals Schauspiel Jedermann zurück.

Arnold Schönbergs Erwartung aus dem Jahr 1909 zu einem Text von Marie Pappenheim ist eine weitere Nahaufnahme, eine Ich-Fokussierung radikalster Art. Das expressive Monodram zeichnet beinahe seismografisch die Seelenzustände einer Frau im Ausnahmezustand nach: Ihren Geliebten suchend, irrt sie alleine umher – in Hoffnung, Ungewissheit, Erinnerung, Angst, Verzweiflung, Trauer …

Auszug aus dem Magazin August / Oktober 2026.

»Zurück! Und kann nit! Noch einmal!
Und kommt nit wieder! Graus und Qual!
Hie wird kein zweites Mahl gelebt!«
aus dem vierten der »Sechs Monologe aus ›Jedermann‹«

Zum Werk – Jo Schramm, Bühnenbild & Video

Vier Werke, ein gemeinsamer Raum

»Die große Herausforderung – und zugleich der große Spaß – ist es, die extrem unterschiedlichen Werke miteinander zu verbinden. Ins Zentrum stellen wir einen privaten, geschützten Raum, der
sich durch einen bühnentechnischen Trick unterschiedlich öffnet, Einblicke zulässt und das Publikum wie unmittelbar in die Szenen hineinzieht.

Jo Schramm © Barbara Aumüller

Ich wollte mit dem Bühnenbild einen konkreten Mitspieler entwerfen, der das szenische Geschehen direkt beeinflusst oder gar provoziert, die Stücke also sozusagen ganz greifbar miteinander verbindet. Im besten Fall werden sich im Kopf des Zuschauers die unterschiedlichen Handlungsstränge wie Doppelbelichtungen einer Geschichte überlagern.«

Auszug aus dem Magazin Jan / Feb 2021.

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19., 27. September / 2., 17. Oktober

Erleben Sie einen Abend, der lange nachhallt: Sichern Sie sich jetzt Ihre Tickets für Warten auf heute und begleiten Sie die Figuren auf ihrer bewegenden Suche nach Liebe, Sinn und Gegenwart.

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SZENENFOTOS Barbara Aumüller

FOTOS David Hermann (Oliver Look), Jo Schramm (Barbara Aumüller)

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Veröffentlicht am

21.08.2026

Willy-Brandt-Platz

Spielort

Willy-Brandt-Platz

60311 Frankfurt am Main

Anfahrt

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