Warten auf heute verbindet vier sehr unterschiedliche Werke der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Schönbergs Einakter Von heute auf morgen, seine Begleitmusik zu seiner Lichtspielszene und Erwartung sowie Frank Martins »Jedermann«-Monologe.
Von heute auf morgen ist Schönbergs Antwort auf eine Mode seiner Zeit: In den 1920er Jahren etabliert sich in Deutschland die Gattung der Zeitoper, deren Werke den Zeitgeist atmen, populäre Musik integrieren, formale Strukturen vereinfachen und ein breiteres Publikum ansprechen sollen. Schönberg will den Beweis erbringen, dass seine Zwölftonmethode, die hier zum ersten Mal in einer Oper zum Einsatz kommt, nicht im Widerspruch dazu steht, einen Hit zu komponieren. Die Frankfurter Uraufführung von Von heute auf morgen im Februar 1930 verläuft allerdings weitgehend im Sande …
Kurz nach Beendigung der Partitur seiner Zeitoper erhält Schönberg vom Heinrichshofen’s Verlag den Auftrag, eine Filmmusik zu schreiben. Seine Begleitmusik zu einer Lichtspielszene soll dann jedoch ohne eine eigens dazu entstehende Lichtspielszene verbleiben, was sie für eine szenische Einbindung umso offener sein lässt ... Uraufgeführt wird das Werk im November 1930 an der Berliner Krolloper, nachdem Schönberg selbst eine Sendung im Frankfurter Rundfunk dirigiert hatte.
Der Schweizer Komponist Frank Martin, verwurzelt in der Tonalität, schreibt mit seinen Sechs Monologen aus »Jedermann« ein vielfarbiges Kaleidoskop verschiedenster Seelenzustände eines Mannes, der mit seinem Lebensende konfrontiert ist. Martin greift dafür textlich auf Hugo von Hofmannsthals Schauspiel Jedermann zurück.
Arnold Schönbergs Erwartung aus dem Jahr 1909 zu einem Text von Marie Pappenheim ist eine weitere Nahaufnahme, eine Ich-Fokussierung radikalster Art. Das expressive Monodram zeichnet beinahe seismografisch die Seelenzustände einer Frau im Ausnahmezustand nach: Ihren Geliebten suchend, irrt sie alleine umher – in Hoffnung, Ungewissheit, Erinnerung, Angst, Verzweiflung, Trauer …
Auszug aus dem Magazin August / Oktober 2026.