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Opernappetizer

MAZEPPA

Peter I. Tschaikowski

Oper in drei Akten und sechs Bildern / Text von Victor P. Burenin und Peter I. Tschaikowski nach Alexander S. Puschkin / Uraufführung 1884, Bolschoi-Theater, Moskau

Eine Liebe, die alle Konventionen sprengt. Ein Verrat, der zu einer blutigen Familienfehde führt. Eine Clique von Aristokraten, die ihre Konflikte auf dem Rücken der eigenen Bevölkerung austrägt.

Erleben Sie die Premierenserie von Mazeppa vom 13. September bis 15. Oktober 2026.

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Bildunterschruft:
Petr Sokolov (Mazeppa) © Xiomara Bender

Inhalt

Handlung

»Mazeppa«

Der Bandenchef Iwan Mazeppa wird bei einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt. Zuflucht findet er im Haus seines Freundes und Geschäftspartners Wassili Kotschubej. Dort wird Mazeppa nicht nur gesundgepflegt, sondern baut auch eine innige Beziehung zu Kotschubejs Tochter Maria auf.

ERSTER AKT

Zehn Jahre später ist Mazeppa zu einem erfolgreichen Politiker aufgestiegen, wodurch auch Kotschubejs Familie ihren Wohlstand vermehren konnte. Mazeppa und Maria sind inzwischen eine heimliche Liebesbeziehung eingegangen – sehr zum Leidwesen von Andrej: Dieser hegt seit Kindheitstagen tiefe Gefühle für Maria, weiß aber um ihre fatale Leidenschaft für Mazeppa.

Als Kotschubej Mazeppa einen feierlichen Empfang bereitet, demonstrieren dessen Bandenmitglieder ihre Macht. Die Situation eskaliert, als Mazeppa offenbart, dass er Maria heiraten will. Kotschubej weigert sich, seine Tochter in die Hände ihres Taufpaten zu geben, woraufhin Mazeppa Maria vor die Wahl stellt: Entweder sie folgt ihm oder ihre Beziehung ist für immer beendet. Trotz heftiger Gewissensbisse entscheidet sich Maria für ein Leben an Mazeppas Seite und zieht mit ihm davon.

Nach der Flucht ihrer Tochter versinkt Ljubow in Trauer. Schließlich rafft sie sich auf und stachelt ihren Ehemann zum Aufstand gegen Mazeppa an. Kotschubej fasst einen Plan: Ihm kam zu Ohren, dass Mazeppa einen Putsch plant, weshalb Kotschubej ihn nun beim Zaren des Hochverrats anklagen will. Andrej erklärt sich bereit, die Botschaft zu überbringen, wofür ihn Kotschubejs Männer feiern.

ZWEITER AKT

Kotschubejs Plan ging nach hinten los: Der Zar schenkte den Anschuldigungen gegen seinen Vertrauten keinen Glauben und übergab Kotschubej an Mazeppas Schergen. Diese foltern Kotschubej nun, um herauszufinden, wo er seine Schätze versteckt hat. Kotschubej bleibt jedoch standhaft und verweigert eine Antwort. Mazeppa findet unterdessen im gemeinsamen Schlafzimmer mit Maria keine Ruhe. In den Nachthimmel blickend, quälen ihn Visionen eines nahenden Strafgerichtes. Als Mazeppa erfährt, dass Kotschubej nichts preisgegeben hat, befiehlt er dessen Hinrichtung. Doch schon kurz darauf plagen ihn Zweifel: Was passiert, wenn Maria von seinem Mord an ihrem Vater erfährt?

Maria tritt hinzu und macht ihrem Geliebten Vorhaltungen: Anstatt Zeit mit ihr zu verbringen, sei Mazeppa Tag und Nacht mit seiner Arbeit beschäftigt. Und zu allem Überfluss habe er kürzlich auch noch auf das Wohl einer anderen Frau angestoßen. Um Maria zu beruhigen, weiht Mazeppa sie in seine Pläne ein: Er möchte sich mit den Feinden des Zaren verbinden und sein Heimatland in die Unabhängigkeit führen.

Ljubow wendet sich an Maria und hofft, dass diese Kotschubejs Hinrichtung noch aufhalten kann. Allerdings muss sie feststellen, dass ihre Tochter gar nichts davon mitbekommen hat. Umso eindringlicher fordert Ljubow Maria auf, bei Mazeppa ein gutes Wort für ihren Vater einzulegen. Zu spät: Vor den Augen des Volkes bereiten Mazeppas Männer die Exekution von Kotschubej und seinem Gefolgsmann Iskra vor. Maria muss schließlich mitansehen, wie ihr Vater auf bestialische Weise getötet wird.

DRITTER AKT

Während der Konflikt zwischen Mazeppa und Kotschubej eskalierte, ist ein größerer Krieg ausgebrochen. Maria findet sich inmitten eines Flüchtlingstrecks wieder und beginnt zu ahnen, welch fatale Konsequenzen ihre Liaison mit Mazeppa hatte ... Andrej, der sich mit aller Macht an Mazeppa rächen möchte, gelangt zu Kotschubejs zerstörtem Anwesen. Dort lässt er für einen Moment seine glückliche Kindheit an Marias Seite Revue passieren. Auch Mazeppa gelangt zu Kotschubejs Haus und reflektiert seinen Fall vom Herrscher zum Heimatlosen. Als Andrej ihn erkennt, versucht er Mazeppa zu töten. Im Eifer des Gefechts wird Andrej aber selbst tödlich verletzt.

Maria verliert zunehmend den Verstand: Sie erkennt ihren Geliebten Mazeppa nicht mehr und vergleicht ihn mit einem bösen Wolf. Von seinem Kameraden Orlik angestachelt, lässt Mazeppa sie alleine zurück. Maria erscheint daraufhin eine Vision des verstorbenen Andrej, den sie mit einem sanften Lied in den Schlaf wiegen möchte. Gelingt es ihr, die Bilder der allseits grassierenden Gewalt aus dem Kopf zu bekommen?

»Wer auf Rache aus ist,
der grabe zwei Gräber.«
Chinesisches Sprichwort

Video: Interview

Was macht einen Tyrannen so faszinierend, dass man sich in ihn verliebt?

Im Juli 2024 feierte Matthew Wilds Inszenierung von Tschaikowskis »Mazeppa« ihre Premiere bei den Tiroler Festspielen Erl. Matthew Wild erzählt Mazeppa als schonungsloses Gesellschaftspanorama und als albtraumhafte Kette von Gewalt, Macht und Zerstörung. Im Interview spricht Matthew Wild über seinen Zugang zu Tschaikowskis Oper, die historische und vielfach künstlerisch umgedeutete Figur des Mazeppa und darüber, wie sich hinter der politischen Dimension des Werks vor allem menschliche Abgründe und persönliche Obsessionen zeigen.

Video

Zum Werk – Matthew Wild, Inszenierung

Die düsterste Oper Tschaikowskis

»Mazeppa ist in meinen Augen die mit Abstand düsterste und pessimistischste Oper, die Tschaikowski geschrieben hat. Das Geschehen verwandelt sich zusehends in einen Albtraum aus Rache, Korruption und Gewalt, ohne dass am Ende eine erlösende moralische Botschaft steht.

© Nathan Kruger

Auch musikalisch finde ich das Werk ungemein packend: Tschaikowskis Partitur offenbart immer wieder bombastische und martialische Züge, was eine starke theatrale Wirkung entfaltet. Mitunter finden sich dabei grelle Klangfarben, die bereits auf russische Komponisten wie Schostakowitsch oder Prokofjew vorausweisen. Kontrastiert wird all dies von einer betörenden lyrischen Schönheit, die sich vor allem aus den volkstümlich inspirierten Melodien speist.

Unsere szenische Lesart haben wir völlig unabhängig von der historischen Persönlichkeit des Iwan Mazeppa entwickelt. Und das, wie ich finde, aus gutem Grund: Bei der Beschäftigung mit Tschaikowskis Oper muss man schon bald akzeptieren, dass es sich um ein fiktionales Werk und dementsprechend um fiktive Charaktere handelt. Ähnlich wie im Fall von Shakespeares Macbeth, der ebenfalls auf einer historischen Figur basiert, hat die Figur des Mazeppa im Laufe der Rezeptionsgeschichte ein Eigenleben als Archetyp eines Tyrannen entwickelt. Und auf diese Weise behandeln wir ihn auch in der Inszenierung.

Unsere konzeptionelle Arbeit daran begann bereits 2021, also noch vor Beginn der russischen Totalinvasion in die Ukraine. Aber schon damals hatte ich den Eindruck, dass sich mit Tschaikowskis Oper kein differenzierter Kommentar auf die schwelenden Spannungen zwischen Russland und die Ukraine erzählen lässt. Anstatt die Handlung eindimensional auf die Gegenwart zu beziehen, begreife ich sie daher als eine Parabel über politische Vorgänge, die in vielen Ländern so stattfinden können: Was geschieht mit einer Gesellschaft, die einem autoritären Herrscher die Macht überlässt? Wieso wird die Gewalt von Populisten immer wieder verkannt? Und warum schauen weltweit so viele Menschen dabei zu, wie eine korrupte Elite ihre Nation ins Verderben stürzt? [...]«

Auszug aus dem Magazin August / September / Oktober 2026.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

In Kürze reinhören in die Audioeinführung zu Mazeppa mit Dramaturg Maximilian Enderle! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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Aus unserem Magazin: Verräter oder Held?

TEXT VON MAXIMILIAN ENDERLE

Unmittelbar nach Mazeppas Tod entbrannte ein heftiger Kampf um die Deutung seines Lebens und Wirkens. Die historischen Fakten waren dabei mitunter zweitrangig. Dichter wie Voltaire oder Lord Byron und Maler wie Eugène Delacroix rückten Mazeppa in die Nähe eines wagemutigen romantischen Genies. Mit dem Aufkommen der ukrainischen Autonomiebewegung Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Hetman aufgrund seines Aufbäumens gegen die russische Übermacht zum Nationalhelden stilisiert. In Russland selbst haftet Mazeppa hingegen bis heute der Ruf eines »Vaterlandsverräters« an, was sich bereits in Puschkins Poem Poltawa von 1828 spiegelt: Ganz im Sinne des damaligen Zaren Nikolaus I. wird die Titelfigur darin als manipulativer, gewissenloser Machtmensch gezeichnet.

Als Tschaikowski 1881 mit Puschkins Text in Berührung kam, fesselte ihn zunächst nur ein bestimmtes Detail der Geschichte, nämlich das große Streitgespräch zwischen Mazeppa und Maria: Darin beschwert sich Maria, dass Mazeppa zu wenig Zeit mit ihr verbringt und sich vorwiegend seinen Geschäften als Hetman widmet. Mazeppa eröffnet ihr daraufhin seine Umsturzpläne gegen den Zaren und ringt seiner Ehefrau einen Treueschwur ab. Diese Szene, die im zweiten Akt der Oper erklingt, bildete den Ausgangspunkt, von dem aus Tschaikowski den Rest des Werkes konzipierte.

Auszug aus dem Magazin August / September / Oktober 2026.

Zum Werk – Nombulelo Yende, Maria

Keine typische Opernheroine

»Maria ist nach Tatiana in Eugen Onegin und Nastassja in der Zauberin bereits meine dritte große Tschaikowski-Rolle. Und ich muss sagen, dass ich die Arbeit an seinen Werken unglaublich genieße! Seine Musik ist überraschend angenehm zu singen und fühlt sich für meine Stimme ganz organisch und natürlich an, weil sie kaum Druck erfordert. Zudem gefallen mir die Plots seiner Werke, denn ich liebe packende Dramatik!

© Barbara Aumüller

Die Figur der Maria ist erstmal keine typische Opernheroine. Sie stirbt am Ende nicht, sondern verfällt dem Wahnsinn, weil sie einfach zu viele schreckliche Dinge erlebt hat. Zu Beginn des Stücks ist Maria noch ganz anders: jung, quirlig, witzig, aber leider auch anfällig für dumme Entscheidungen, weil sie glaubt, verliebt zu sein. An Mazeppa, der ja einige Jahre älter ist, reizt sie meiner Meinung nach dessen Reichtum und Macht, und vielleicht auch dessen öffentliche Bekanntheit. Aus einem wohlbehüteten Elternhaus kommend, zieht es Maria ins Rampenlicht, wobei sie erst viel zu spät merkt, dass sie als Figur eines abgekarteten Spiels benutzt wird.

Ich freue mich sehr, bei dieser Inszenierung wieder mit Matthew Wild zusammenzuarbeiten, der wie ich aus Südafrika stammt. [...]«

Auszug aus dem Magazin August / September / Oktober 2026.


Rund um Ihren Besuch

KINDERBETREUUNG

Parallel zu ausgewählten Nachmittagsvorstellungen bieten wir den »Opernspielplatz« an: eine Kinderbetreuung mit abwechslungsreichem Programm rund um die jeweilige Oper. Während die Erwachsenen die Vorstellung besuchen, können sich deren Kinder bewegen und spielen. Angeleitet von zwei Pädagoginnen wird der Ballettsaal zur Spielwiese!

TERMIN
4. Oktober, 15.15 Uhr

OPER IM DIALOG

Worte finden, mitreden, Fragen stellen, Begeisterung oder Verwunderung teilen ... Uns interessiert, wie Sie den Opernabend erlebt haben! Nach ausgewählten Vorstellungen möchten wir gemeinsam mit Ihnen ins Gespräch kommen, um die Aufführungen kritisch zu diskutieren. Zu ausgewählten Terminen laden wir externe Gäste ein, die Musiktheater aus ihrem jeweiligen Fachgebiet heraus betrachten und so den Dialog bereichern.

TERMIN
10. Oktober, 21.45 Uhr, Holzfoyer

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13., 18., 20., 26. September / 1., 4., 10., 15. Oktober 2026

Erleben Sie Mazeppa – ein packendes Drama über Liebe, Macht und Verrat – vom 13. September bis 15. Oktober an der Oper Frankfurt.

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SZENENFOTOS Xiomara Bender

FOTOS Matthew Wild (Nathan Kruger), Nombulelo Yende (Barbara Aumüller)

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Veröffentlicht am

10.09.2026

Willy-Brandt-Platz

Spielort

Willy-Brandt-Platz

60311 Frankfurt am Main

Anfahrt

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