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Interviews

SPOTLIGHT OPERNSTUDIO: YOUNJI YI

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Bildunterschruft:
Younji Yi als Piacere in Händels Der Triumph von Zeit und Erkenntnis © Monika Rittershaus

Inhalt

Steckbrief

Younji Yi

Herkunft

  • Korea

Aktuelle Position

  • Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt (seit der Spielzeit 2025/26)

Partien an der Oper Frankfurt

  • Yvette (Die Passagierin)

  • Ismene (Mitridate, re di Ponto)

  • Piacere (Der Triumph von Zeit und Erkenntnis)

  • Taumännchen (Hänsel und Gretel)

  • Frau aus Avalon (Le roi Arthus)

  • Oscar (Un ballo in maschera)

  • Morgana (Alcina)

Internationale Engagements

  • Mitglied des Opernstudios des Daegu Opera House

Ausbildung

  • Korea National University of Arts

  • Sydney Conservatory of Music

Auszeichnungen

  • Preisträgerin der IFAC Handa Australia Singing Competition

  • Gewinnerin Bel Canto Award der Joan Sutherland and Richard Bonynge Foundation

  • Halbfinalistin »Neue Stimmen« in Gütersloh

Video: Soiree des Opernstudios

Video
Younji Yi präsentierte am 11. November 2025 im Rahmen der Soiree des Opernstudios Luigi Arditis Il bacio.

XXX – XXX Fragen an Younji Yi

Franziska Schmidt: Du bist inzwischen seit einer Spielzeit Mitglied im Opernstudio der Oper Frankfurt (2025/26). Wenn du auf dein erstes Jahr hier zurückblickst: Was hat dich am meisten überrascht, und was hast du über dich als Sängerin gelernt?

Younji Yi:

Am meisten hat mich überrascht, wie dynamisch der Alltag an einem Opernhaus ist. Ich hatte gedacht, dass alles im Voraus geplant ist und entsprechend abläuft. Tatsächlich gibt es immer wieder unerwartete Veränderungen, und manchmal ergeben sich ganz plötzlich neue Möglichkeiten. Anfangs hat mich das etwas verunsichert. Dabei habe ich aber gemerkt, dass ich mich schneller auf neue Situationen einstellen kann, als ich dachte. Gerade wenn wenig Zeit bleibt, gelingt es mir oft, besonders konzentriert zu arbeiten. Außerdem habe ich festgestellt, wie gerne ich neue Musik und Rollen erarbeite. Selbst wenn ich glaube, eine Partitur gut zu kennen, entdecke ich in den Proben mit meinen Kolleginnen und Kollegen neue Interpretationen und Ausdrucksmöglichkeiten. Die erste Spielzeit hat mir gezeigt, wie viel ich noch zu lernen habe – und wie viel Freude mir dieses Lernen macht.

FS: Dein Einstand in Frankfurt war mit Ismene in Mitridate, re di Ponto, gefolgt von Yvette in Die Passagierin. Wie erinnerst du dich heute an diese ersten Produktionen zurück?

Younji Yi:

Ismene in Mitridate, re di Ponto war für mich ein unerwartetes Geschenk. Ich war ursprünglich nicht für die Partie vorgesehen und habe sie erst etwa vier Wochen vor der ersten Vorstellung übernommen. Die Zeit war knapp, und da es meine erste Produktion an der Oper Frankfurt war, war ich ziemlich nervös. Sobald ich mich aber mit der Musik und der Rolle beschäftigte, war ich begeistert. Obwohl die Proben schon liefen, als ich dazukam, haben mich meine Kolleginnen und Kollegen herzlich aufgenommen und unterstützt. Das gab mir Sicherheit und machte mein Debüt zu einer besonderen Erfahrung. Für ihre Unterstützung bin ich bis heute dankbar.

Yvette in Die Passagierin war dann eine ganz andere Erfahrung. Weinbergs Musik und der historische Hintergrund des Werkes haben mich tief bewegt. Hier beschäftigte mich neben dem Gesang vor allem die Frage, welche Geschichte wir auf der Bühne erzählen. Mit jeder Vorstellung wurde mir deutlicher, wie eindringlich Musik das Leben, die Erinnerungen und Erfahrungen von Menschen vermitteln kann. Dadurch habe ich die Ausdruckskraft der Oper noch einmal anders erlebt.

Mit zwei so unterschiedlichen Werken in meine erste Frankfurter Spielzeit zu starten, war für mich etwas ganz Besonderes.

Bildunterschruft:
Younji Yi als Ismene in Mozarts Mitridate © Matthias Baus
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Younji Yi, Sopranistin im Opernstudio der Oper Frankfurt

Video: »Lascia la spina« aus »Der Triumph von Zeit und Erkenntnis«

FS: In Der Triumph von Zeit und Erkenntnis im Bockenheimer Depot hast du die Partie der Piacere übernommen. Was hat dich an dieser Rolle musikalisch und szenisch besonders herausgefordert?

Younji YI:

Piacere war für mich in vielerlei Hinsicht eine neue Herausforderung. In dieser Inszenierung wirkte sie makellos, elegant und stets beherrscht. Ich selbst bin im Alltag eher ungezwungen. Ihre Haltung und ihre Bewegungen zu verinnerlichen, war deshalb zunächst ungewohnt. Dazu kamen die hohen Schuhe und die Bühnenschräge. Auf der Bühne fühlten sich die Bewegungen ganz anders an als im Probenraum. Da ich kaum von der Bühne abging, brauchte ich gerade im heißen Sommer viel Ausdauer und Konzentration, um im Kostüm und in diesen Schuhen zu singen und zu spielen. Gleichzeitig hat es mir Energie gegeben, mit wie viel Leidenschaft alle auf und hinter der Bühne gearbeitet haben. Heute denke ich vor allem an die Freude zurück, diese Aufführungen gemeinsam gestaltet zu haben. Darstellerisch wollte ich neben Piaceres perfekter und etwas unnahbarer Seite auch ihren Witz und ihren spielerischen Charme zeigen. Katharina Kastening hat mir sehr dabei geholfen, diese Facetten zu entdecken und eine Balance zwischen ihnen zu finden. Es war außerdem meine erste Barockoper. Ich habe viel über Verzierungen und Variationen gelernt und darüber, welche stilistischen Regeln dabei zu beachten sind. Besonders spannend fand ich, dass auch scheinbar freie Verzierungen einer musikalischen Logik folgen und bewusste Entscheidungen verlangen. Diese Arbeit hat in mir die Begeisterung für die Barockoper geweckt.

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Younji Yi, Jihun Hong, Sopranistin im Opernstudio der Oper Frankfurt

FS: Du hast in Korea studiert, anschließend am Sydney Conservatory of Music und warst vor Frankfurt bereits Mitglied des Opernstudios am Daegu Opera House. Wenn du diese Stationen vergleichst: Was hast du aus den unterschiedlichen Ausbildungssystemen und Arbeitsweisen mitgenommen?

Younji Yi:

Jede dieser Stationen hat mir etwas anderes mitgegeben. In Korea habe ich die gesanglichen Grundlagen gelegt und mich intensiv mit meiner Stimme und der Musik beschäftigt. Darauf baue ich bis heute auf.

Als ich nach Australien ging, war ich unsicher, ob ich meinen Weg als Sängerin fortsetzen sollte. Ich liebte die Musik, aber mir fehlte das Vertrauen in mich selbst. Neue Menschen kennenzulernen, offen Ideen auszutauschen und gemeinsam Musik zu machen, hat mir dort große Freude bereitet. So habe ich nach und nach mein Selbstvertrauen und die Freude am Singen wiedergefunden. Diese Zeit hat mich darin bestärkt, weiterzumachen.

Am Daegu Opera House konnte ich dann Erfahrungen in Opernproduktionen sammeln. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Arbeit an der Partie der Mimì sowie die Vorbereitung und die Aufführungen als Pamina. Samuel Yoon, der damals als Berater am Haus tätig war, hat mir musikalisch viel mitgegeben. Von ihm habe ich auch gelernt, was es heißt, als professionelle Sängerin zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen.

Die Grundlagen aus Korea, das neue Selbstvertrauen aus Australien und die Bühnenerfahrung in Daegu begleiten mich bis heute. Ich bin dankbar für die Menschen, von denen ich an diesen Orten lernen durfte.

FS: Ein Opernstudio bedeutet nicht nur Rollen zu singen, sondern auch, den Arbeitsalltag eines Opernhauses kennenzulernen. Was hast du im vergangenen Jahr über die Abläufe und die Zusammenarbeit an einem großen Haus wie der Oper Frankfurt gelernt, was dir vielleicht vorher noch nicht bewusst war?

Younji Yi:

In Frankfurt habe ich zum ersten Mal den Alltag eines großen Repertoirehauses kennengelernt. Besonders spannend finde ich, wie eine Inszenierung auch nach vielen Vorstellungen lebendig bleibt. Hier laufen mehrere Produktionen parallel, und ältere Inszenierungen werden wieder aufgenommen. Für solche Wiederaufnahmen steht oft nur wenig Probenzeit zur Verfügung. Trotzdem entsteht bei jeder Vorstellung etwas Neues: Auch wenn die Partie und die szenischen Abläufe gleich bleiben, bringt jeder Mensch auf der Bühne seine eigene Persönlichkeit mit. Mit anderen Kolleginnen und Kollegen verändert sich das Zusammenspiel, und auch die Reaktionen im Moment sind von Abend zu Abend unterschiedlich. So werden Musik und Figuren innerhalb einer vertrauten Inszenierung immer wieder neu lebendig. Außerdem habe ich erst hier verstanden, wie viele Menschen hinter jeder Vorstellung stehen. Die verschiedenen Abteilungen müssen eng zusammenarbeiten, damit bei mehreren gleichzeitig laufenden Produktionen alles funktioniert. Wie viel Erfahrung, Fachwissen und Einsatz dafür nötig sind, war mir vorher nicht bewusst. Diesen gemeinsamen Arbeitsprozess aus nächster Nähe mitzuerleben, finde ich faszinierend.

Bildunterschruft:
Younji Yi mit ihren Kolleg*innen des Opernstudios
© Barbara Aumüller

FS: Du hast in Meisterkursen mit so Künstlerpersönlichkeiten wie Graham Johnson, Benjamin Appl und Samuel Yoon gearbeitet. Was nimmst du aus solchen Begegnungen für deine tägliche Arbeit als Sängerin mit?

Younji Yi:

Mich fasziniert, wie unterschiedlich diese Musiker an dieselbe Musik herangehen. Manche beginnen bei der Struktur und der Sprache, andere bei den Klangfarben oder beim Ausdruck. Auch zu derselben Phrase bekomme ich manchmal ganz verschiedene Anregungen. Das inspiriert mich und ermutigt mich, selbst Verschiedenes auszuprobieren. Früher dachte ich, ich müsste jeden Rat möglichst genau umsetzen. Heute versuche ich bewusster zu entscheiden, was mir hilft und zu meiner Stimme passt. Für das tägliche Üben nehme ich vor allem konkrete Übungen und Lösungsansätze mit. Je nachdem, wie sich meine Stimme an dem Tag anfühlt oder woran ich gerade arbeite, greife ich auf unterschiedliche Übungen zurück. Manchmal löst eine einfache Übung ein Problem, das mir vorher kompliziert erschien. Guter Unterricht hilft mir deshalb auch, selbst genauer hinzuhören und herauszufinden, was für meine Stimme und meinen Körper funktioniert.

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Younji Yi © Barbara Aumüller

FS: Nach deinem ersten Jahr im Opernstudio: Was möchtest du in deiner zweiten Spielzeit hier unbedingt ausprobieren oder weiterentwickeln – musikalisch, darstellerisch oder vielleicht auch persönlich?

Younji Yi:

Mein Ziel bleibt, meine Partien gewissenhaft vorzubereiten und eine verlässliche Kollegin zu sein. In der zweiten Spielzeit möchte ich darauf aufbauen und auf der Bühne freier werden – im Gesang und im Spiel. Ich möchte die Partitur und die Absichten des Komponisten genau verstehen und dabei meine eigene Interpretation finden. Dazu gehört für mich, mich mit den Gedanken und Gefühlen einer Figur zu beschäftigen, auch mit dem, was sie nicht ausspricht. Das möchte ich mit meiner Stimme vermitteln. Je gründlicher ich vorbereitet bin, desto eher kann ich auf der Bühne loslassen und auf den Moment reagieren. Daran möchte ich weiterarbeiten. Die Coaches und Musiker an der Oper Frankfurt geben mir dafür viele Anregungen. Ich schätze es sehr, Ideen auszutauschen und gemeinsam auszuprobieren. So möchte ich als Sängerin wachsen und dem Publikum neben einem schönen Klang auch die Gefühle und die Geschichte einer Figur nahebringen.

FS: Wenn du in die Zukunft blickst: Welche Rollen oder welches Repertoire möchtest du in den kommenden Jahren unbedingt kennenlernen und warum?

Younji Yi:

Da fällt mir sehr viel ein! Zunächst möchte ich Rollen erarbeiten, die zu meiner jetzigen Stimme passen, zum Beispiel Servilia, Susanna, Zerlina, Adina und Gilda. Besonders interessieren mich Mozart und Händel. Zugleich reizen mich Figuren, die musikalisch und emotional ganz unterschiedliche Anforderungen stellen. Ich finde es spannend, ihren Entscheidungen zu folgen und zu verstehen, wie sie sich im Laufe eines Werkes verändern. Wenn es um Traumrollen geht, denke ich auch weiter in die Zukunft. Lucia oder Violetta wären Partien, denen ich eines Tages gerne begegnen würde. Natürlich weiß ich noch nicht, wie sich meine Stimme entwickeln wird. Aber es macht mir Freude, mir solche Möglichkeiten vorzustellen. Jetzt möchte ich meine Stimme gut kennenlernen, ihre Stärken entwickeln und mir passende Rollen Schritt für Schritt erarbeiten. Vielleicht führt mich das später auch zu Partien, an die ich heute noch gar nicht denke. Darauf bin ich neugierig.


Younji Yi live erleben

»Hänsel und Gretel« von Engelbert Humperdinck

Erleben Sie Younji Yi von 13. November bis 26. Dezember 2026 als Taumännchen in Humperdincks Hänsel und Gretel.

»Le roi Arthus« von Ernest Chausson

Erleben Sie Younji Yi von 8. November bis 16. Dezember 2026 als Frau aus Avalon in Chaussons Le roi Arthus.

»Un ballo in maschera« von Giuseppe Verdi

Erleben Sie Younji Yi von 7. bis 30. Januar 2027 als Oscar in Verdis Un ballo in maschera.

»Alcina« von Georg Friedrich Händel

Erleben Sie Younji Yi von 20. Februar bis 27. März 2027 als Morgana in Händels Alcina.

Video: Neue Stimmen 2024 »Da tempeste« aus Händels »Giulio Cesare«

SZENENFOTOS Matthias Baus, Monika Rittershaus

FOTOS Barbara Aumüller

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Veröffentlicht am

02.11.2026

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