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Hinter den Kulissen

NACHHALTIGKEIT IN DER OPER

DIE TRANSFORMATION DER »NEUE KAISER«

Wie wird aus einer ehemaligen Bankhalle ein einzigartiger Spielort, in dem Geschichte auf Innovation trifft? Von der kreativen Wiederverwendung alter Parkettböden bis zur vielseitigen Nutzung von Instrumenten – begleiten Sie Dramaturgin Deborah Einspieler bei der Beleuchtung dieses einzigartigen Projekts, das kleinen und großen Opernliebhaber*innen gleichermaßen Raum bietet.

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So sah es in der alten Schalterhalle im Mai 2023 aus. In den darauffolgenden Monaten entstand hier die Pop-up Bühne für unser JETZT!-Programm. © Anne-Marie Antwerpen

DIE »NEUE KAISER«: EIN BESONDERER SPIELORT MIT GESCHICHTE

Die NEUE KAISER ist unser neuer Spielort – und zwar ein ganz besonderer: Vor rund 120 Jahren gingen hier vor allem Männer mit Schlips und Kragen ein und aus. Seit wir vor ca. einem Jahr beschlossen haben, gemeinsam mit unseren Partnern der FRANKFURTER BRAUUNION und der FRANKFURTER NEUE KÜCHE die Fläche als Pop-up-Bühne zu nutzen, hat sich viel bewegt. Hier ist eine Fläche entstanden, auf der Kunst und Kulinarik zusammentreffen. Ein Ort, an dem der Hashtag #gemeinsam funktioniert.

DIE HERAUSFORDERUNG DER UMGESTALTUNG

Im vergangenen November lag in der ehemaligen Schalterhalle einer großen Bank noch ein grauer Teppichboden und schon bei der ersten Begehung war klar: Hier kann etwas Besonderes entstehen, auch wenn die Umgestaltung sicherlich herausfordernd wird. Denn die hohe Decke über dem fantastisch riesigen Lüster schluckt viel Klang. Auch die alte Auslegeware war nicht optimal.

Der neue Boden und andere Fundstücke

Schnell stand fest, dass ein neuer Boden – am besten aus Holz  – her musste. Im Frühjahr wurde schließlich der alte Teppichboden überbaut. Anstatt neues Material zu kaufen, sind wir dafür in einem unserer Außenlager fündig geworden. Das neue bzw. besser gesagt: das alte Parkett stammt aus unsere letzten Rusalka-Produktion, die nicht mehr im Spielplan ist. Rund 200m² dieses Bühnenbodens, der in der Dvořák-Oper vor Jahren auf unserer großen Bühne und dann auch in der Opéra national de Lorraine in Nancy bespielt wurde, ist als Boden in der Zuschauerraum-Fläche der neuen Pop-Up Bühne von unseren Schreiner*innen und Bühnenhandwerker*innen verbaut worden.

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Zunächst musste der Unterboden vorbereitet werden, bevor das neue (alte) Parkett verlegt werden konnte. © Anne-Marie Antwerpen

Doch was so einfach klingt, begann mit der Suche nach einzelnen Feldern, damit das Fischgrät des Parketts wie zuvor richtig und sauber liegt. Wie auf einem Schachbrett waren die Teile für die linke und rechte Bühnenseite markiert: J und eine Ziffer für »du jardin« sowie C und eine Ziffer für »du court«.

Kreative Nutzung von Instrumenten

Gegen Ende der letzten Spielzeit sind zahlreiche Instrumente aus dem Bühnenbild von Der Ferne Klang übrig geblieben. Sie hingen einst als geniale Dekoration in Franz Schrekers Oper (Regie: Damiano Michieletto, Bühnenbild: Paolo Fantin) im Schnürboden des Opernhauses und dienen heute Kindern in Konzerten als Anschauungsmaterial. Die Streichinstrumente helfen sehbehinderten und blinden Kindern in unserem Konzertformat »Orchester hautnah«  dabei, sich eine Vorstellung vom Instrument zu machen.

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Das Schlussbild von »Der ferne Klang« mit allerlei Instrumenten, die aus dem Himmel ragen. © Barbara Aumüller

Recycling und Nachhaltigkeit

Die Oper Frankfurt verfügt über einen gigantischen Fundus, in dem echte Kulissen-Schätze auf ihren Auftritt im Spielplan warten. Bevor eine Produktion verschwindet, wird überlegt, was noch wiederverwendet werden könnte. Stühle, Perücken und Kostüme kommen zuweilen in verschiedenen Opern zum Einsatz. Sie werden aus unserem Fundus geholt und gelangen dann wieder auf die Bühne.

Den Kolleg*innen aus der FRANKFURTER NEUE KÜCHE nebenan konnten wir mit zwei großen Brettern aus dem Malsaal helfen, die auf Module von USM Haller befestigt wurden und als große Tische im Gastro-Pub zum Feierabendgetränk einladen. Wir verschrauben uns also auch sprichwörtlich mit unseren Kooperationspartnern. Erfrischend, dass nun bei uns wie auch »bei den Jungs von nebenan« Veranstaltungen ohne Dresscode stattfinden. Ganz gleich ob OPER TO GO, INTERMEZZO, zum Feierabend-Bier nebenan oder mittwochs zum Afterwork-Tänzchen in der FRANKFURTER NEUE KÜCHE geht es ungezwungen zu.

Neugierig geworden?

JETZT! bietet erste Begegnungen mit der Oper Frankfurt und ein vielfältiges Programm für kleine und große Operneinsteiger*innen, das Türen und Herzen öffnet.

VIELFÄLTIGE NUTZUNG DER POP-UP-BÜHNE

Seit September finden in dem denkmalgeschützten Raum Veranstaltungen für kleine und große Operneinsteiger*innen statt. Und das alles möglichst nachhaltig! An jedem ersten Montag im Monat rocken wir mit INTERMEZZO kostenlose Lunchkonzerte.

Auch dabei verwenden wir wieder, was uns lieb und hochwertig ist, um den vielen Spielarten der Oper einen neuen Raum zu geben. Viele fantastische Teile kommen immer wieder aus der Werkstatt unserer Plastiker*innen, die als Bildhauer*innen ihr Handwerk fantastisch beherrschen, und uns für die Bühnen immer wieder Dekorationen herstellen, die viel zu wertvoll und prächtig sind, um sie in nur EINER Oper zu zeigen.

Die meisten Auftritte seit der Eröffnung unserer neuen Pop-up Bühne im September hatte mit Sicherheit das Lama, das in der Werkstatt unserer Theaterplastiker*innen geboren wurde. Es hatte seinen ersten Auftritt anlässlich der Eröffnung der alten Schalterhalle als neuer Interimsspielstätte. Weitere Einsätze folgten in der OPER TO GO Für immer und ewig und zuletzt bei der OPER FÜR KINDER Flügel hoch, ich bin bewaffnet!. Hier hat sich unser Lama gemeinsam mit zwei Hühnern und einem Hummer einer Walküre gleich unter großen »Hojotoho« einen legendären Auftritt gegönnt.

Wiederverwendung von Lieblingselementen in der »Oper für Kinder«

Wir haben uns vorgenommen, für unseren neuen Spielort NEUE KAISER, auch weiterhin möglichst nachhaltig zu arbeiten, weil Recycling Sinn macht, Ressourcen spart und wertschätzend ist. So haben wir in der OPER FÜR KINDER Flügel hoch, ich bin bewaffnet! viele Lieblingselemente aus früheren Produktionen wiedergesehen: Die Loge stammt aus La damnation de Faust (Regie: Harry Kupfer, Bühnenbild: Hans Schavernoch), die beiden Atlanten an den Logenseiten stammen aus dem I puritani-Bühnenbild (Inszenierung: Vincent Boussard, Bühnenbild: Johannes Leiacker). Diese Gruppe – Loge und Atlanten – kam bereits im Stream Der Karneval der Tiere zum Einsatz. Die Hühnerköpfe und die Fuchs-Maske hingegen sind ursprünglich für die Produktion Das schlaue Füchslein entstanden. Die Scheren des Hummers haben vor ein paar Jahren in der Martinů-Trilogie im Bockenheimer Depot mitgezwickt. Das Lama haben wir uns beim Schauspiel ausgeliehen, wo es im Dezember in Der Raub der Sabinerinnen mitwirken wird.

»Wir haben uns vorgenommen, für unseren neuen Spielort NEUE KAISER, auch weiterhin möglichst nachhaltig zu arbeiten, weil Recycling Sinn macht, Ressourcen spart und wertschätzend ist.«
Deborah Einspieler, Dramaturgin und Leiterin der JETZT!-Abteilung

WIE ES WEITERGEHT?

Im Dezember spielen wir für Kinder ab 2 Jahren das OPERNKARUSSELLL Knusper, knusper Knäuschen. Wenige Tage vor Weihnachten finden Weihnachtskonzerte für Familien mit über 70 Kindern aus unserem Kinderchor statt – diese sind leider schon ausverkauft. Und selbst wenn auf der Bühne ein fantastisches neues Lebkuchenhaus zu sehen sein wird, das wieder in der Werkstatt der Theaterplastiker*innen entsteht, stammen alle anderen Möbel und Kostüme wieder aus dem Fundus der Städtischen Bühnen. Die Gesangskünste der Kinder werden Sie im Laufe der Spielzeit in weiteren Produktionen, darunter Carmen, Die Zauberflöte und Otello (Giuseppe Verdi), weiter bestaunen können – Wiedersehen macht einfach Freude!

SZENENFOTOS Pauline Rackebrandt, Barbara Aumüller

FOTOS Deborah Einspieler, Anne-Marie Antwerpen

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Veröffentlicht am

12.12.2023

Kaiserstraße 28

Spielort

Kaiserstraße 28

60311 Frankfurt am Main

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