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HISTORISCHE AUFFÜHRUNGSPRAXIS

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Inhalt

Bildunterschruft:
Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit Václav Luks bei Agostino Steffanis Amor vien dal destino im hochgefahrenen Orchestergraben. © Matthias Baus

Was versteht man unter historischer Aufführungspraxis? (ARBEITSTITEL)

TEXT VON RAPHAEL RÖSLER

  • Was bedeutet es "hinter den Kulissen" historisch informiert zu spielen?

  • Abläufe, Höhe Orchestergraben, Instrumente o. Musiker*innen bestellen etc.

  • ob bei Produktionen oder ausgewählten Kammermusikprogrammen – hier wird regelmäßig historisch informiert gespielt...

»Auf Barockinstrumenten zu spielen, bedeutet für uns jedes Mal, das eigene Instrument noch einmal ganz neu zu entdecken.«
Donata Wilken (Violine / Viola d’amore)

Videos: Playlist Produktionen mit historischer Aufführungspraxis

Alles eine frage der stimmung

Das Orchester spielt auf historischen Instrumenten in historischer Stimmung (a′ = 415 Hz).

Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit Václav Luks bei Händels Ottone im hochgefahrenen Orchestergraben. © Xiomara Bender

Donata Wilken, Violine / Viola d’amore

Zwischen Barock und Moderne – zwei Klangwelten, eine Leidenschaft

»Die Mitglieder des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters haben schon seit vielen Jahren eine ganz besondere Freude daran, Barockopern historisch aufzuführen. Das bedeutet: Wir spielen auf historischen Instrumenten und versuchen damit, dem Klang und der Spielweise vergangener Zeiten möglichst nahe zu kommen.

Donata Wilken mit einer Viola d’amore © Diana Hillesheim

Bei den Streichern gehören dazu Darmsaiten und der deutlich kürzere Barockbogen. Auch die Stimmung ist eine andere – wir spielen in 415Hz, das ist ungefähr einen Halbton tiefer als gewohnt. Bei den Bläsern wird es teilweise noch spezieller: Einige Instrumente unterscheiden sich nicht nur im Klang, sondern auch in ihrer Bauweise und sogar in der Art, wie sie gegriffen werden. Deshalb braucht es manchmal Musikerinnen und Musiker, die sich ganz auf diese historischen Instrumente spezialisiert haben.

In diesem Jahr gibt es eine besondere Ergänzung: Gemeinsam mit Václav Luks, der auch die Produktion von Ottone leitet, spielen wir zusätzlich ein Kammerkonzert im Holzfoyer. Und daran sieht man schon, wie groß die Begeisterung für diese Musik ist: Der einzige mögliche Termin für unser Konzert war ausgerechnet der Vormittag der Premiere! Damit steht uns ein ziemlich intensiver Tag bevor. Aber ehrlich gesagt: Die Vorfreude darauf wird dadurch kein bisschen kleiner – ganz im Gegenteil! Denn auf Barockinstrumenten zu spielen, bedeutet für uns jedes Mal, das eigene Instrument noch einmal ganz neu zu entdecken.

Der kürzere Bogen verlangt eine andere Bogenführung, auch das Vibrato funktioniert anders. Gleichzeitig müssen wir schnell zwischen ganz unterschiedlichen musikalischen Welten umschalten können. Und genau das ist in diesen Tagen besonders spannend: Am Vormittag proben wir Kammermusik für unser Barockkonzert und am Abend spielen wir eine Schönberg-Oper. Zwei musikalische Extreme, zwei völlig unterschiedliche Klangwelten – und damit verbunden auch zwei sehr unterschiedliche Arten, unser Instrument zu spielen.

Heute war bereits die erste Probe für das Kammerkonzert, und wir hatten große Freude daran, gemeinsam das Programm zu erkunden. Besonders spannend ist dieses Mal die Viola d’amore. Dieses außergewöhnliche Streichinstrument ist ungefähr so groß wie eine Bratsche, hat aber sechs Spielsaiten. Anders als unsere heutigen Streichinstrumente ist sie nicht einfach in Quinten gestimmt, sondern in einer Kombination aus Terzen, Quarten und einer Quinte. Ihren ganz besonderen, fast silbrig schimmernden Klang erhält die Viola d’amore durch zusätzliche Resonanzsaiten aus Stahl, die unter den Spielsaiten liegen. Es ist genau diese Mischung aus historischem Klang, besonderen Instrumenten und der gemeinsamen Entdeckung dieser Musik, die unsere Arbeit so spannend macht. Wir freuen uns jedenfalls sehr auf diesen besonderen Tag – auf die Musik, auf das gemeinsame Musizieren und natürlich darauf, unser Programm mit unserem Publikum zu teilen. Es wird intensiv, außergewöhnlich und hoffentlich genauso fröhlich, wie uns die Proben bisher schon gemacht haben!«

September 2026

ottone

1., 7., 12., 15., 21. November 2026

Intrigen, große Gefühle und Händels hinreißende Arien: Erleben Sie Ottone an der Oper Frankfurt!

Platz
sichern

Video: Proben zur 2. Kammermusik 26/27

Zur Premiere von Händels Ottone stand auch unsere Kammermusik unter dem Motto Les nations ganz im Zeichen des Barock: Das Horus Ensemble spielte Werke von Händel und seinen Zeitgenossen – auf historischen Instrumenten und in historischer Aufführungspraxis.


Instrumentensteckbriefe

Viola d’amore

Die Resonanzkünstlerin

🎻 Familie: Streichinstrument
🎻 Bogen: Leichter Barockbogen
🎻 Saiten: meist 6 oder 7 Spielsaiten (darunter liegen ebenso viele oder teilweise noch mehr Resonanzsaiten)
🎻 Größe: etwas größer als eine heutige Bratsche; 70–83 cm Gesamtlänge
🎻 Klang: Silbrig, weich und schwebend, resonanzreich
🎻 Besonderheit: Resonanzsaiten schwingen ungespielt mit und verleihen dem Instrument seinen besonders obertonreichen Klang. Häufig ziert ein blinder Amorkopf den Wirbelkasten.

© Diana Hillesheim

Traversflöte

Die sanfte Klangpoetin

🪈 Familie: Holzblasinstrument
🪈 Material: häufig Buchsbaum oder Ebenholz
🪈 Spielweise: Quer gehalten und über eine seitliche Öffnung angeblasen
🪈 Klang: Warm, weich und luftig
🪈 Besonderheit: Im Gegensatz zur modernen Querflöte besitzt sie meist nur eine Klappe. Ihr leiserer, nuancenreicher Klang passt besonders gut zur Musik des Barock.

Daja Leevke Hinrichs © Diana Hillesheim

Laute

Die Meisterin der feinen Klänge

🎶 Familie: Zupfinstrument
🎶 Bespielung: Mit den Fingern gezupft
🎶 Saiten: Viele Saiten sind paarweise angeordnet und werden gemeinsam gezupft.
🎶 Klang: Warm, sanft und perlend
🎶 Besonderheit: Ihr birnenförmiger Korpus und die charakteristisch nach hinten geknickte Wirbelbox machen sie unverwechselbar.

Theorbe

Die Basspoetin unter den Zupfinstrumenten

🎸 Familie: Zupfinstrument
🎸 Bespielung: Mit den Fingern gezupft
🎸 Größe: Besonders langhalsig, mit bis zu zwei Metern Gesamtlänge
🎸 Klang: Warm, tief und voll
🎸 Besonderheit: Ihr langer zweiter Hals trägt zusätzliche Basssaiten, die tiefe, resonante Töne ermöglichen – ideal zur Begleitung und als Fundament des Ensembles.

Name des Musikers? © Xiomara Bender

Produktionen mit historischer Aufführungspraxis

OTTONE

Heiratspolitik, Intrigen und große Gefühle: In Händels Ottone versucht die ehrgeizige Gismonda, die geplante Verbindung zwischen Ottone und Teofane für ihren Sohn Adelberto zu durchkreuzen. Raffinierte, eingängige Arien und ein dichtes Netz aus Verwicklungen machen Händels Erfolgsoper zu einem besonderen Barockerlebnis.

TERMINE 1., 7., 12., 15., 21. November 2026 / Opernhaus

FLAVIO

Liebe, Eifersucht, ein tödliches Duell – und ein König, der lieber genießt, als zu regieren: In Georg Friedrich Händels Oper Flavio treffen höfische Intrigen auf absurde Verwicklungen und feinen Spott. Mit virtuosen Arien und tänzerischer Leichtigkeit entlarvt Händel die Eitelkeiten der Mächtigen und macht aus den Abgründen höfischer Politik ein ebenso humorvolles wie unterhaltsames Musiktheater.

TERMINE 19., 21., 26., 28., 30. Dezember 2026 / 2., 6., 8., 10. Januar 2027 / Bockenheimer Depot

ALCINA

Magie. Macht. Menschlichkeit. In Georg Friedrich Händels Alcina trifft barocke Zauberoper auf tiefenpsychologisches Musiktheater. Ein faszinierendes Spiel um Illusion und Identität – opulent inszeniert.

TERMINE 20., 27. Februar / 5., 7., 21., 27. März 2027 / Opernhaus

Bildunterschruft:

SZENENFOTOS Matthias Baus, Xiomara Bender

FOTOS Diana Hillesheim

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Veröffentlicht am

02.11.2026

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