Bei den Streichern gehören dazu Darmsaiten und der deutlich kürzere Barockbogen. Auch die Stimmung ist eine andere – wir spielen in 415Hz, das ist ungefähr einen Halbton tiefer als gewohnt. Bei den Bläsern wird es teilweise noch spezieller: Einige Instrumente unterscheiden sich nicht nur im Klang, sondern auch in ihrer Bauweise und sogar in der Art, wie sie gegriffen werden. Deshalb braucht es manchmal Musikerinnen und Musiker, die sich ganz auf diese historischen Instrumente spezialisiert haben.
In diesem Jahr gibt es eine besondere Ergänzung: Gemeinsam mit Václav Luks, der auch die Produktion von Ottone leitet, spielen wir zusätzlich ein Kammerkonzert im Holzfoyer. Und daran sieht man schon, wie groß die Begeisterung für diese Musik ist: Der einzige mögliche Termin für unser Konzert war ausgerechnet der Vormittag der Premiere! Damit steht uns ein ziemlich intensiver Tag bevor. Aber ehrlich gesagt: Die Vorfreude darauf wird dadurch kein bisschen kleiner – ganz im Gegenteil! Denn auf Barockinstrumenten zu spielen, bedeutet für uns jedes Mal, das eigene Instrument noch einmal ganz neu zu entdecken.
Der kürzere Bogen verlangt eine andere Bogenführung, auch das Vibrato funktioniert anders. Gleichzeitig müssen wir schnell zwischen ganz unterschiedlichen musikalischen Welten umschalten können. Und genau das ist in diesen Tagen besonders spannend: Am Vormittag proben wir Kammermusik für unser Barockkonzert und am Abend spielen wir eine Schönberg-Oper. Zwei musikalische Extreme, zwei völlig unterschiedliche Klangwelten – und damit verbunden auch zwei sehr unterschiedliche Arten, unser Instrument zu spielen.
Heute war bereits die erste Probe für das Kammerkonzert, und wir hatten große Freude daran, gemeinsam das Programm zu erkunden. Besonders spannend ist dieses Mal die Viola d’amore. Dieses außergewöhnliche Streichinstrument ist ungefähr so groß wie eine Bratsche, hat aber sechs Spielsaiten. Anders als unsere heutigen Streichinstrumente ist sie nicht einfach in Quinten gestimmt, sondern in einer Kombination aus Terzen, Quarten und einer Quinte. Ihren ganz besonderen, fast silbrig schimmernden Klang erhält die Viola d’amore durch zusätzliche Resonanzsaiten aus Stahl, die unter den Spielsaiten liegen. Es ist genau diese Mischung aus historischem Klang, besonderen Instrumenten und der gemeinsamen Entdeckung dieser Musik, die unsere Arbeit so spannend macht. Wir freuen uns jedenfalls sehr auf diesen besonderen Tag – auf die Musik, auf das gemeinsame Musizieren und natürlich darauf, unser Programm mit unserem Publikum zu teilen. Es wird intensiv, außergewöhnlich und hoffentlich genauso fröhlich, wie uns die Proben bisher schon gemacht haben!«
September 2026