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Opernappetizer

DER TRIUMPH VON ZEIT UND ERKENNTNIS

Georg Friedrich Händel

Oratorium in zwei Teilen / Text von Kardinal Benedetto Pamphilj / Uraufführung vermutlich 1707, Teatro del Collegio Clementino, Rom

Schönheit, Vergnügen, Zeit und Erkenntnis – Georg Friedrich Händels frühes Meisterwerk erzählt von der Sehnsucht nach ewiger Jugend und dem Preis der Selbstoptimierung. Ein barockes Oratorium von überraschender Aktualität.

Erleben Sie die Premierenserie von Der Triumph von Zeit und Erkenntnis vom 13. bis 24. Juni 2026.

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Bildunterschruft:
Monika Buczkowska-Ward (Bellezza) © Monika Rittershaus

Inhalt

Handlung

»Der Triumph von Zeit und Erkenntnis«

ERSTER TEIL

In ihrem Lebensabend blickt die gealterte Bellezza (Schönheit) auf ihr Leben zurück und erinnert sich an ihre inneren Reflexionen in jungen Jahren, an die verzweifelte, schmerzliche und zerstörerische Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Körper, an den Versuch und Prozess der Selbstakzeptanz:

Als junger Mensch erlebt sie den gesellschaftlichen und medial vermittelten Druck, äußerlich einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. Gleichzeitig gerät das Bewusstsein über ihre eigene Endlichkeit immer mehr in den Fokus.

Piacere (Vergnügen), die die unaufhörliche Selbstoptimierung bis zur Perfektion verkörpert, zieht Bellezza mit ihrer äußeren Makellosigkeit, ihrem Strahlen, ihrer Selbstsicherheit und ihrem Erfolg in ihren Bann. Piacere verspricht Bellezza, mithilfe von kosmetischen Eingriffen zur Erfüllung ihrer Sehnsüchte und Lebensziele zu gelangen.

Tempo (Zeit) und Disinganno (Erkenntnis) stehen Piacere gegenüber. Tempo erinnert Bellezza an die Vergänglichkeit des Lebens und der Schönheit, während Disinganno sie vor dem trügerischen Schein oberflächlicher Schönheit warnt.

In diesem Spannungsfeld ringt Bellezza um ihr Selbstwertgefühl, ihre Selbstakzeptanz und die Fragen nach der Sinnhaftigkeit ihres Lebens sowie die damit zusammenhängenden Entscheidungen. Dabei begegnet sie auch ihrem älteren Ich. Nach langer Überlegung lässt Bellezza sich von Piaceres Versprechungen verführen und willigt in einen ersten körperlichen Eingriff ein.

ZWEITER TEIL

In Piaceres Bannkreis gefangen, schlägt Bellezzas Hoffnung, dem Lebensglück durch Selbstoptimierung näher zu kommen, in Sucht um.

Beim Anblick ihres veränderten Spiegelbilds keimen allerdings Zweifel über das Eingreifen in die Natur ihres Körpers und dessen zeitgemäße Veränderungen auf, verkörpert durch Tempo und Disinganno.

Auch die erneute Ahnung ihres älteren Ichs führt der jungen Bellezza das Gewicht und die Konsequenz ihrer Entscheidungen vor Augen. Zunehmend begreifend, dass der eingeschlagene Weg in Kontrollverlust und Leere geführt hat, lässt sie die Lebensperspektiven von Tempo und Disinganno immer mehr zu. Schließlich muss sie der Wahrheit und damit der Unumkehrbarkeit ihres eingeschlagenen Weges ins Auge sehen.

Zum Werk – Katharina Kastening, Inszenierung

Die Sehnsucht nach ewiger Jugend

»Händels Werk ist eine zeitlose Reflexion über Schönheit, Eitelkeit und die Unabwendbarkeit der Endlichkeit.
Bellezza erfreut sich an ihrem Spiegelbild: strahlend, sorglos, jung, berauscht von Bewunderung und Verwandlung. Sie lebt für den Reiz des Spiels, für das Justieren und Verfeinern ihres Körpers, für die Freude an neuen Gesichtern, neuen Zügen, neuen Möglichkeiten. Doch was als spielerische Selbstgestaltung beginnt, schlägt in bittere Besessenheit um.

Katharina Kastening © Victoria Ushkanova

Die Verwandlung wird invasiv, sogar gewaltsam – ein Prozess, dem sie sich nicht mehr entziehen kann. Drei Stimmen begleiten sie: das verführerische Versprechen des Vergnügens, die unerbittliche Präsenz der Zeit und die ernüchternde Macht der Desillusionierung. Zwischen ihnen entfaltet sich Bellezzas Weg in einer Welt, die unserer beunruhigend ähnelt. Ein vielschichtiger Resonanzraum entsteht, der an eine permanente Beschallung erinnert – an jene Botschaften, die uns täglich umgeben und sich oft unbemerkt in unser Denken einschreiben. Was wie Unterhaltung wirkt, entpuppt sich als subkutan wirkender Nährboden für unsere Selbstzweifel. In einer Zeit vermeintlich größerer Bewusstheit hat der Druck zur Selbstoptimierung seine Form verändert – er ist heute alltäglicher, noch individueller und vielfältiger.
Der Triumph von Zeit und Erkenntnis berührt etwas zutiefst Menschliches: die Sehnsucht nach ewiger Jugend und den Moment, in dem Selbstfürsorge in einen unausweichlichen Zwang umschlägt. Optimierung und ihre stille Perversion – in diesem inneren Konfliktfeld entfaltet sich Händels Meisterwerk, gestern wie heute.«

Auszug aus dem Magazin Mai / Juni 2026.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

In Kürze reinhören in die Audioeinführung zu Der Triumph von Zeit und Erkenntnis mit Dramaturgin Mareike Wink! Alle weiteren Auftakt-Folgen finden Sie auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

rein
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Aus unserem Magazin: Ein »Oratorium«

TEXT VON MAREIKE WINK

In Rom hatte Papst Clemens XI. in der Zwischenzeit Opernaufführungen verboten. Der Vatikan ging entschieden gegen weltliche Bühnenwerke vor und ließ mehrere Theater in der Stadt schließen. Man musste sich etwas einfallen lassen, um neben zahlreichen weltlichen Kantaten und der Kirchenmusik, die Händel schrieb, auch dem dramatischen Drang des jungen Komponisten Rechnung zu tragen. Mit der Bezeichnung »Oratorium« wurde die Hürde der »opera proibita« umgangen, und man blieb formal korrekt; Händels szenisches Gespür offenbart sich dennoch in jeder Note seines ersten römischen Oratoriums. Die zweiteilige, chorlose Partitur spiegelt die italienische, kantatenhafte Tradition dieser Gattung und steht darin der Oper näher als dem späteren oratorischen Schaffen Händels. Auch die Abfolge von Da-capo-Arien, Duetten und Ensembles rücken das Werk in Opernnähe. Es liegt also beinahe auf der Hand, dieses dialektische Streitgespräch zwischen den vier Allegorien Schönheit, Vergnügen, Erkenntnis und Zeit auch szenisch auf die Bühne zu bringen.

Im Text wird immer wieder der Blick nach oben gerichtet, über die irdische Welt hinaus … Wie ein klanglicher Verweis in die geistliche Welt kommt dann auch das kleine Orgelkonzert daher, das der begnadete Organist Händel in seine farbenreiche Partitur einbaute. Zur Besetzung seines opernhaften Oratoriums schwebten ihm wahrscheinlich Mitglieder der päpstlichen Kapelle vor, die er Anfang des Jahres kennengelernt hatte. Ob das allerdings bei genauerem Hinsehen im Sinne.

Auszug aus dem Magazin Mai / Juni 2026.

»The body is an agent of perception and meaning: meaning arises from the body and is not merely inscribed onto it.«
Patricia Anne Baker, 1967

Zum Werk – Ashley Martin-Davis, Bühnenbild & Kostüme

Eitelkeiten, Raum und Zeit

»Das Bockenheimer Depot wird zum Ausgangspunkt und Ziel jener Reise, die die Figur der Schönheit in Händels Oratorium zu durchleben gezwungen ist. Im Wissen, dass ihre Schönheit nicht ewig währt, sucht sie im Spiegel nach permanenter Bestätigung. Auf der Suche nach Erlösung kann sie dem Unvermeidlichen jedoch nicht entkommen: dem Altern und schließlich dem Tod. Im Verbund mit Händels fantastischer Musik untersuchen wir die Mühen und Risiken ihres Versuchs, dem Alterungsprozess zu trotzen.

Ashley Martin-Davis © Agentur

Seit jeher sind die Menschen von ihrem Äußeren besessen; ihre Eitelkeit hat sie zu Körpermanipulation und -optimierung geführt. Der Überflutung von Bildern, die unsere Kultur des Body- Shamings reflektieren, können wir uns gerade heute kaum entziehen. Die Spiegel unserer Zeit zeigen zu oft eine präparierte Wahrheit: Operationen, Hautschnitte, Botox und Blut.
In Händels Musik spürt man eine starke Urkraft. Sie evoziert in mir Bilder von Wasser zur Reinigung, einem Tod wie fallende Asche und Wildblumen als einem Symbol für das Leben. Am Ende des Weges, den die Schönheit zurücklegt, liegt in meiner Vorstellung ein Raum der Stille ... Welche Relevanz haben ab diesem Moment unsere irdischen Eitelkeiten, Raum und Zeit?«

Auszug aus dem Magazin Mai / Juni 2026.


Rund um Ihren Besuch

AUSSTELLUNG

»Händel in Rom«

Die aktuelle Jahresausstellung der Stiftung Händel-Haus in Halle (Saale) widmet sich der Zeit von Händels Rom-Aufenthalten. Sie zeigt Objekte aus den Beständen des Händel-Hauses sowie einige Leihgaben. Kinderstationen machen die Ausstellung auch für jüngere Besucher*innen interessant.

TICKETS BUCHEN

13., 15., 17., 18., 20., 22., 24. Juni 2026

Erleben Sie Händels frühes Meisterwerk Il trionfo del Tempo e del Disinganno und tauchen Sie in eine musikalische Auseinandersetzung zwischen Schönheit, Zeit und Erkenntnis ein.

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SZENENFOTOS Monika Rittershaus

FOTOS Katharina Kastening (Victoria Ushkanova), Ashley Martin-Davis (Agentur)

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Veröffentlicht am

10.06.2026

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