Opernappetizer

AIDA

GIUSEPPE VERDI 1867–1948

Opera lirica in vier Akten / Text von Antonio Ghislanzoni nach Auguste Mariette, ausgearbeitet von Camille Du Locle und Giuseppe Verdi / Uraufführung 1871, Opernhaus, Kairo

Radamès soll als Feldherr der Ägypter gegen die Äthiopier in den Krieg ziehen. In ihn ist allerdings nicht nur die ägyptische Prinzessin Amneris, sondern auch ihre äthiopische Sklavin Aida verliebt …

Vom 3. Dezember 2023 – 20. Januar 2024 an der Oper Frankfurt.

Bildunterschruft:
Nicholas Brownlee (Amonasro), Guanqun Yu (Aida), Chor und Statisterie der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Verdis Oper Aida entstand für Ägypten als verspätete Erfüllung eines Wunsches des Vizekönigs Ismail Pascha. Dieser modernisierte die Region in einer Zeit stetig wachsender Autonomiebestrebungen, ließ ein Opernhaus nach französischem Vorbild bauen und realisierte das Jahrhundertprojekt des Sueskanals. Zu dessen Einweihung schwebte Ismail Pascha ein eigens komponiertes Werk von Giuseppe Verdi vor – am liebsten eine Oper. Der Komponist lehnte zunächst ab. Doch der Vizekönig ließ auch nach der Eröffnung von Sueskanal und Opernhaus 1869 nicht locker. Das Szenario des französischen Autors und Archäologen Auguste Mariette konnte den Komponisten schließlich umstimmen.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

Stimmen Sie sich mit dieser Audioeinführung von Dramaturgin Mareike Wink und den darin enthaltenen Musikbeispielen auf die Neuinszenierung von Aida ein. Sie finden alle Auftakt-Folgen auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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HANDLUNG

Der Ägypter Radamès liebt die äthiopische Gefangene Aida, die seine Gefühle erwidert. Auch die ägyptische Prinzessin Amneris hat ein Auge auf Radamès geworfen, der nun als Feldherr gegen Äthiopien in den Krieg ziehen soll.

Siegreich kehrt das ägyptische Heer aus dem Kampf zurück, als Kriegsbeute führt es Gefangene mit sich. Unter ihnen befindet sich unerkannt auch der äthiopische König Amonasro. Während Radamès als Lohn für seine Erfolge Amneris’ Hand versprochen wird, instrumentalisiert Amonasro seine Tochter Aida, das weitere militärische Vorgehen der Ägypter in Erfahrung zu bringen. Sein Plan geht auf: Von Amonasro belauscht, entlockt Aida Radamès die gewünschten Informationen. Amneris entdeckt die drei. Radamès wird festgenommen, weil er sich des Landesverrats schuldig gemacht hat; Aida und Amonasro können fliehen.

Vergeblich versucht Amneris, Radamès zu retten. Er ergibt sich widerstandslos in seine Strafe und wird bei lebendigem Leibe eingemauert. Aida folgt ihm in den Tod.

LYDIA STEIER, REGISSEURIN

»Aida – das ist eine Untersuchung der Widerstandsfähigkeit der Liebe inmitten unvorstellbarer politischer Unruhen. Obwohl Radamès und Aida möglicherweise auch ohne den anderen Freiheit und Glück finden könnten, entscheiden sie sich für die gemeinsame Liebe, die im Fall der Oper nur mit ihrem gemeinsamen Tod einhergehen kann.

Mich interessieren vor allem die gesellschaftlichen Strukturen, die derart unmögliche Umstände für die Liebe schaffen. Radamès ist ein Militäroffizier mittleren Grades, dem plötzlich das Kommando über die gesamte ägyptische Offensive übertragen wird. Was wäre, wenn diese Ehre nicht auf Vorsehung oder Verdienst beruht, sondern auf purer Männerknappheit? Und ist nicht die Wandlung von Amneris’ Besessenheit in Psychopathie eine Folge des Aufwachsens in diesem System? Was wäre, wenn die alternden politischen Eliten einer zusammenbrechenden Autokratie in ihren Bunkern Champagner trinken, während in den Straßen über ihnen die Leichen ihrer eigenen Leute liegen?

Aida ist gerade heute von höchster Relevanz. Das brutale Festhalten an der Macht auf Kosten der Bevölkerung scheint nie aus der Mode zu kommen. Es bedarf keiner großen erzählerischen Verbiegung, um die Oper mit den Endstadien militärischer Autokratien in Verbindung zu bringen. Die letzten Tage im Führerbunker, der Terror des liberianischen Präsidenten Charles Taylor, die letzten Tage von Saddam Hussein und seinen sadistischen Söhnen mit ihren aufwändigen Bunker-Palästen, die schrullige Opulenz von Muammar al-Gaddafi bei einer gleichzeitigen Herrschaft von größter Brutalität und Unterdrückung, die Entdeckung der Meschyhirja-Residenz des ukrainischen Ex-Präsidenten Janukowitsch nach dessen Sturz 2014. Und natürlich denkt man auch an die immer schlimmeren Repressionen des Kremls gegen die eigene sowie die ukrainische Bevölkerung in den darauffolgenden Jahren – bis hin zum Krieg, der 2022 in der Ukraine begann.«

Auszug aus dem Magazin November / Dezember 2023.

»Der Unterschied zwischen der Wiederholung einer Rolle und einem Rollendebüt ist kaum zu fassen.«
Nicholas Brownlee, Bassbariton

3 FRAGEN AN NICHOLAS BROWNLEE

Mit der Partie des Amonasro gibt Nicholas Brownlee bei dieser Inszenierung von »Aida« sein Rollendebüt. In unserer Reel-Reihe »3 Fragen an ...« berichtet er, was ein Rollendebüt für seinen Probenprozess bedeutet und welcher Moment in »Aida« ihn ganz besonders berührt.

Klick Sie hier um sich das gesamte Interview auf unserem Instagram Kanal anzusehen.

Einen kurzer Ausschnitt des Interviews finden Sie außerdem bei Youtube Shorts:

Mehr Video-Content gefällig?

RUND UM IHREN BESUCH

OPER IM DIALOG

NACHGESPRÄCHE – KRITISCH, NEUGIERIG, OFFEN

Worte finden, mitreden, Fragen stellen, Begeisterung oder Verwunderung teilen ... Uns interessiert, wie Sie den Opernabend erlebt haben! Nach ausgewählten Vorstellungen möchten wir gemeinsam mit Ihnen ins Gespräch kommen, um die Aufführungen kritisch zu diskutieren. Zu ausgewählten Terminen laden wir externe Gäste ein, die Musiktheater aus ihrem jeweiligen Fachgebiet heraus betrachten und so den Dialog bereichern.

TERMIN

19. November 2023, 11 Uhr, Holzfoyer

Für weitere Informationen hier klicken.

FRIEDMAN IN DER OPER

zu Le Grand Macabre

Wie verhalten sich Menschen in Kriegssituationen? Wo beginnt Freiheit? Und was ist Heimat? Diese Fragen stehen im Zentrum der zweiten Veranstaltung KRIEG am 29. Dezember, wofür der Militärexperte Carlo Masala als Gesprächspartner gewonnen werden konnte. Den Ausgangspunkt bildet dabei Giuseppe Verdis 1871 uraufgeführte Oper Aida   ̶ ein Werk, das auf erschreckend aktuelle Weise militärische Konflikte und nationalistische Bewegungen reflektiert.

TERMIN
29. Dezember 2023, 19 Uhr

Für weitere Informationen hier klicken.

KAMMERMUSIK IM FOYER

4. Kammermusik zur Premiere Aida

PROGRAMM

Giuseppe Verdi 1813–1901
Streichquartett e-Moll

Johannes Brahms 1833–1897
Streichquintett G-Dur op. 111

TERMIN
29. Dezember 2023, 19 Uhr

Für weitere Informationen hier klicken.

OPERNSPIELPLATZ  / KINDERBETREUUNG

Für Kinder von 3-9 Jahren

Bei ausgewählten Nachmittagsvorstellungen bietet die Oper Frankfurt eine kostenlose Kinderbetreuung an. Während Eltern still in der Aufführung sitzen, können sich deren Kinder bewegen und spielen. Angeleitet von zwei Musikpädagog*innen wird der Ballettsaal zum Spielplatz. Das abwechslungsreiche Programm bezieht sich thematisch auf die jeweilige Oper.

Die Betreuung ist kostenlos, eine Anmeldung unter gaesteservice@buehnen-frankfurt.de jedoch erforderlich.

Tel. 069 212 37 348  (Bitte Rückrufnummer angeben)

TERMIN
17. Dezember 2023

Für weitere Informationen hier klicken.

ERIK NIELSEN, MUSIKALISCHE LEITUNG

»In Aida lassen sich viele kammermusikalische Passagen genießen. Und trotzdem bietet sie als eine echte Grand opéra natürlich auch eine musikalische Opulenz vor, auf und hinter der Bühne sowie einen geteilten Chor. All das realisiert Verdi im Finale des zweiten Akts. In dessen Reprise, in der er sämtliche Themen der Oper zusammenführt, addiert der Komponist zwei Melodien und bringt als Coda noch einmal (und nur einmal) überraschend die Melodie der Aida-Trompeten aus dem Triumphmarsch. Das kann nur Verdi!

Bildunterschruft:
Guanqun Yu (Aida) © Barbara Aumüller

Ich freue mich darauf, endlich mit Lydia Steier zu arbeiten! Ich kenne Lydia seit einigen Jahren und habe ihre Produktionen als Zuschauer immer genossen. Dass unsere erste Zusammenarbeit ein Meisterwerk von Verdi ist und sich mit meiner Rückkehr an die Oper Frankfurt verbindet, wo ich 2002 als Korrepetitor begonnen habe, freut mich umso mehr.«

TERMINE 3., 6., 8., 10., 17., 21., 26., 29. DEZEMBER 2023 / 1., 13., 20. JANUAR 2024

Trailer zu »Aida« von Giuseppe Verdi | Oper Frankfurt

SZENENFOTOS Barbara Aumüller

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Veröffentlicht am

24.11.2023

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60311 Frankfurt am Main

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