Drama in einem Aufzug / Text vom Komponisten nach Oscar Wilde / Uraufführung 1905 / Premiere vom 1. März 2020 / In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Mit der Vertonung von Oscar Wildes Skandal-Stück »Salomé« wollte Richard Strauss überraschen, provozieren und aufrütteln. Und das Ergebnis? Ein Geniestreich!
Mit der Vertonung von Oscar Wildes Skandal-Stück »Salomé« wollte Richard Strauss überraschen, provozieren und aufrütteln. Und das Ergebnis? Ein Geniestreich!
Die Handlung des faszinierenden Psychogramms führt in eine Welt von Irrationalem, seelischen Abgründen und unterdrückten Leidenschaften: Salome, die Prinzessin von Judäa, Tochter von Herodias und Stieftochter des Königs Herodes, begehrt den Propheten Jochanaan. Dieser wird von Herodes gefangen gehalten. Doch der asketische Prophet verachtet und demütigt Salome. Als ihr Stiefvater die Erfüllung seiner Lust sucht und sie zum Tanz auffordert, verspricht Herodes, Salome als Belohnung jeden Wunsch zu erfüllen. Sie will nicht weniger als den Kopf Jochanaans.
Trailer zu »Salome« von Richard Strauss | Oper Frankfurt
»Das ist der Wahnsinn!«
Aus unserem Magazin: Maikäfer in der Hose
Wie im Rausch komponiert, ahnte Strauss, dass Salome die konservativen Zeitgenossen überfordern würde. Es war zu erwarten, dass die Uraufführung, um die sich Gustav Mahler für Wien bemüht hatte und die wegen der dortigen Zensur am Königlichen Opernhaus in Dresden stattfand, ein Skandal werden würde. Bezeichnend war auch die Reaktion seines Vaters: Als ihm der Sohn den Einakter auf dem Klavier vorspielte, rief er aus: »Gott, diese nervöse Musik! Das ist ja gerade, als wenn einem lauter Maikäfer in der Hose herumkrabbelten!« Noch treffender die Meinung Cosima Wagners: »Das ist der Wahnsinn!« Ja, sie hatte recht. Salome fordert heraus. Immer, überall. Ein genial durchkomponiertes Horrorszenario, das jeden aus der Reserve lockt.
In dieser Audioeinführung nimmt Dramaturg Zsolt Horpácsy Sie mit in eine Welt von seelischen Abgründen und unterdrückten Leidenschaften. Alle Auftakt-Folgen finden Sie bei SoundCloud,Spotifyund ApplePodcasts.
»Salome ist meiner Ansicht nach eine Art Femme fatale – und gilt damit im Christentum als Archetyp des Bösen: weiblich, lustvoll, mit obsessiver Begierde. Sie wird von denjenigen definiert, die auf sie schauen. Und von dem Moment an, wenn sie die Bühne betritt, schwebt der Schatten des Todes an ihrer Seite. Sie ist das Produkt männlicher Sichtweise: Opfer und Täterin, unschuldig und grausam, immer beides zugleich. Sie beobachtet und wird beobachtet. Sie bestraft denjenigen, der sie zurückweist, und besiegelt ihr eigenes Schicksal mit einem leidenschaftlichen Kuss größten körperlichen Verlangens. Es macht mir immer Spaß, Charaktere darzustellen, die – wie auch Salome – den dunkelsten Teil unserer Psyche zeigen.«
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