Opernappetizer

DON PASQUALE

GAETANO DONIZETTI 1797–1848

Dramma buffo in drei Akten / Text von Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti / Uraufführung 1843, Théâtre-Italien, Paris

Ein schrulliger Alter im Frühling seiner Gefühle, ein Liebespaar, dem das nötige Geld für die Hochzeit fehlt, und ein intriganter Arzt: Mehr braucht es nicht für Donizettis letzte Opera buffa.

Vom 23. September – 15. Oktober 2023 an der Oper Frankfurt.

Bildunterschruft:
Mikołaj Trąbka (Doktor Malatesta), Bianca Tognocchi (Norina)

Zum Zeitpunkt der Komposition bereits schwer erkrankt, griff Gaetano Donizetti für das Personal des Don Pasquale auf die bewährten Figuren der Commedia dell'Arte zurück. Mit großem Ideenreichtum und trotz aller typisierenden Überzeichnungen verwandelt er den alten Hagestolz, die kaprizöse junge Frau, den mit allen Tricks bewanderten Intriganten Malatesta und den jungen Liebenden durch seine Musik in Menschen von Fleisch und Blut.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

In unseren Audioeinführungen fassen wir für Sie in weniger als 5 Minuten die wichtigsten Informationen zur jeweiligen Produktion zusammen. Dabei beleuchten wir Handlung, Inszenierung und Musik.

Sie finden alle Auftakt-Folgen auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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HANDLUNG

Don Pasquale will heiraten, weil er seinem Neffen Ernesto die Ehe mit Norina verderben will. Der ältere Herr beauftragt seinen Bekannten Malatesta mit der Suche nach einer geeigneten Frau. Dieser stellt ihm die verkleidete Norina als seine Schwester vor. Pasquale fühlt sich prompt verjüngt und heiratet das entzückende Wesen auf der Stelle. Doch die vermeintlich unschuldige junge Frau entpuppt sich alsbald als emanzipiertes Wesen, das Ansprüche stellt: Sie möchte ein luxuriöseres Leben und Theaterbesuche. Als Norina plant, allein auszugehen, versucht Pasquale, dies zu verhindern, und ihr rutscht die Hand aus. Nach der Ohrfeige fordert der düpierte Ehemann augenblicklich die Scheidung. Als letzten Ausweg aus der vertrackten Ehe schlägt Malatesta vor, dass Don Pasquale Ernestos Ehe mit Norina zustimmen solle. Dieser willigt ein und es kommt anders ...

CATERINA PANTI LIBEROVICI UND SIMONE DI FELICE IM GESPRÄCH MIT DEBORAH EINSPIELER

WUNDERBARE MELANCHOLIE

DEBORAH EINSPIELER Don Pasquale ist als Spätwerk bzw. als letzte Opera buffa in die Musikgeschichte eingegangen. Ist das Ende der Buffa-Gattung schon an der einen oder anderen Stelle ablesbar?

SIMONE DI FELICE Don Pasquale ist ein Meisterwerk von außerordentlicher musikalischer Kraft. Wir erleben einen melancholischen und zutiefst menschlichen Don Pasquale, der neben all den komischen Momenten in der Lage ist, auch Zwischentöne zu formulieren. In diesem Sinne findet mit Don Pasquale der Abschied von der Opera buffa statt, und gleichzeitig erleben wir den Prototypen eines außergewöhnlichen Unikums – Verdis Falstaff.

DE Was interessiert euch an Donizettis Don Pasquale besonders?

CATERINA PANTI LIBEROVICI Mir sind drei wesentliche Aspekte wichtig: Don Pasquale ist die letzte eigentliche Opera buffa, auch wenn das nicht Donizettis Plan war; zweitens haben wir es mit einem wirklich alten Pasquale zu tun – heute wäre er über 90 Jahre alt. Und schließlich interessiert mich die Brücke zur Biografie von Gaetano Donizetti. Er war schon in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium seiner Syphilis, als er die Oper komponierte, hatte Halluzinationen. Und auch er hatte wie Pasquale einen Neffen – Andrea. Die drei Ebenen überlappen sich. Diese Gemengelage war der Ausgangspunkt für unsere Idee zu Don Pasquale.

DE Was hat dich zu deiner Personenführung inspiriert?

CPL Eigentlich war es das Gefühl, dass die Figuren – außer Pasquale – keine realistischen Charaktere mit einer psychologischen Entwicklung und entsprechenden Emotionen sind. Pasquale berührt mich mit all seinen Farben und seiner Menschlichkeit zutiefst. Dagegen bleiben alle anderen flach. Auffällig sind die von der Commedia dell’arte und der europäischen Theatertradition inspirierten Charaktere: Malatesta ist der typische Strippenzieher, er hat ein doppeltes Gesicht wie schon Arlecchino. Dieser war eigentlich ein Teufel, wiederum aus der nordischen Mythologie kommend. Verdis Falstaff als eine typisch englische Theaterfigur ist ein weiteres Beispiel dieser gemeinsamen europäischen Traditionen…

DE Wo stecken die musikalischen Höhepunkte dieser Belcanto-Oper?

SDF Die Qualität von Donizettis Inspiration ist legendär, es wäre unmöglich, eine Art Klassifizierung zu erstellen. Ich hege eine persönliche Vorliebe für die Ensemblestücke, und ich höre immer mit Bewunderung und Rührung beispielsweise beim Trio im zweiten Akt »Stà a vedere«, das Quartett im Herzen des zweiten Finales »È rimasto senza fiato« und das Duett zwischen Norina und Don Pasquale im dritten Akt, in dem er sich im Selbstgespräch und immer wieder vor Augen hält: »Es ist vorbei«. Meint er hier seine Jugend, sein eigenes Leben, die Opera buffa oder den Untergang eines Stiles, der zunehmend unmodern wurde?

CPL Der außergewöhnlichste Teil dieser Oper ist vielleicht das Finale im zweiten Akt mit seiner großartigen Struktur und der Art, wie Donizetti das Dramma buffo für das Ende vorbereitet. Dieses Muster wird die Zeit überdauern. Es gibt diese schnelleren Momente und dieses fantastische Quartett, was Ruhe und Reflexion zulässt. Und rechtzeitig zum Ende des Aktes stürzen wir wieder in Bewegung. Am Beginn des dritten Aktes ist im Duett zwischen Pasquale und Norina eine deutliche Melancholie spürbar. Aber schon die Ouvertüre liefert wundervolle und verrückte Themen. Und ich liebe das Terzett aus der dritten Szene im zweiten Akt, das habe ich »Carillon«, also Glockenspiel getauft. Und dann gibt es noch viele weitere…

Lesen Sie das gesamte Gespräch im Programmheft zu »Don Pasquale«.

RUND UM IHREN BESUCH

Noch mehr Oper! Bei einigen unserer Produktionen bieten wir zusätzliche oder passende Veranstaltungen an, unter anderem Kinderbetreuung, Kammerkonzerte oder Liederabende.

Bei der Wiederaufnahme von Daphne haben wir folgendes im Programm:

KAMMERMUSIK IM FOYER

1. KAMMERMUSIK
Zur Premiere Don Pasquale

Musiker*innen des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters präsentieren abseits des Orchestergrabens im intimen Rahmen ein individuell zusammengestelltes Programm.

INFOS
TERMIN 24. September 2023, 11 Uhr, Holzfoyer
PREIS 13 Euro

LESE TIPP

ALLEIN

Ein erhellendes Buch von Daniel Schreiber über Einsamkeit, Nähe, Liebe und Glück.

Erschienen bei Hanser Berlin (2021).

ISBN 9783446267923

»Ich freue mich ungemein auf eine der schönsten Partien im Repertoire«
Božidar Smiljanić im Magazin der Oper Frankfurt, Ausgabe September / Oktober 2023

ROLLENDEBÜT FÜR BASSBARITON BOŽIDAR SMILJANIĆ

»Don Pasquale ist die größte Rolle, die ich bisher an der Oper Frankfurt interpretieren durfte, und ich bin begeistert, diese wunderbare Oper von Donizetti mit so talentierten Kolleg*innen aufführen zu können. Als Bassbariton verkörpere ich oft ältere Männer, gebe Könige, Väter, Autoritätspersonen oder Schurken. Die Rolle des Don Pasquale ist besonders, weil er als älterer Junggeselle immer nur so alt ist, wie er sich fühlt! Zu Beginn der Oper ist Pasquale so begeistert von der Idee, selbst zu heiraten, dass er sich in seine Zwanziger zurückversetzt glaubt und damit bereit ist, ein halbes Dutzend Kinder zu zeugen! In der Figur des Don Pasquale stecken viele universelle Wahrheiten, die die Altersbarrieren überwinden. Meine Aufgabe als Künstler besteht darin, jene Charakteristika zu finden, mit denen sich jeder identifizieren kann, und sie in meiner Interpretation zum Ausdruck zu bringen.

Don Pasquale stellt für viele bloß eine weitere Standardfigur des Buffo-Genres dar – ich halte das für falsch. Beim aufmerksamen Lesen des Librettos wurde mir sofort klar, wie komplex und facettenreich der Charakter in Wirklichkeit ist: ein Mensch mit eigenen Tugenden – aber auch Fehlern, und der Bereitschaft, Fehler einzugestehen. Pasquale verzeiht, obwohl er selbst zum Narren gehalten wurde. Gerade weil seine Menschlichkeit so deutlich zu Tage tritt, können wir uns mit ihm identifizieren. Im Verlauf eines einzigen Abends erleben wir mit ihm das gesamte Spektrum menschlicher Gefühle, von Leichtigkeit und Schadenfreude bis hin zu Verzweiflung und Reue.

Ich fürchte mich nicht vor dem Älterwerden. Niemand ist vor dem Altern gefeit. Selbst tollkühne Unternehmer, die irrtümlich denken, dass Altern ein neues Abenteuer sein könnte, werden von der unaufhaltsamen Kraft der Natur eingeholt. Aber es gibt nichts zu fürchten. Das Älterwerden (und hoffentlich auch das Weiserwerden) ist ein natürlicher und schöner Prozess, und anstatt wertvolle Gehirnzellen mit Sorgen zu verschwenden, konzentriere ich mich auf das Leben im Moment und schätze jeden Tag. Ich hoffe, noch bis in meine goldenen Jahre hinein als Opernsänger tätig zu sein!«

TERMINE 23., 27., 29. September / 1., 2., 4., 6., 8., 9., 12., 14., 15. Oktober 2023

SZENENFOTOS Barbara Aumüller

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Veröffentlicht am

04.09.2023

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60325 Frankfurt am Main

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