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Opernappetizer

DON CARLO

GIUSEPPE VERDI 1813–1901

Oper in fünf Akten / Text von Joseph Méry und Camille Du Locle / Fünfaktige italienische Fassung von 1886 / Premiere vom 30. September 2007 / In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

In stimmungsvollen Bildern setzte David McVicar Verdis Don Carlo in der fünfaktigen Fassung an der Oper Frankfurt in Szene. Die historischen Kostüme spiegeln den eingeschränkten Bewegungsradius der Figuren, ihr Korsett aus Etikette und Pflichtbewusstsein, den Kern ihrer Konflikte.

Vom 7. Oktober – 4. November 2023 an der Oper Frankfurt.

Bildunterschruft:

Spanien im 16. Jahrhundert: Unter der Herrschaft von König Philipp II sind grausame Schauprozesse des Inquisitionsgerichts an der Tagesordnung. In diesen bewegten Zeiten verortete Friedrich Schiller sein Drama Don Carlos, Infant von Spanien: Die beiden Königskinder Don Carlos von Spanien und Elisabeth de Valois von Frankreich können nicht zusammen kommen, weil der König selbst die Verlobte seines Sohnes zur Frau nimmt, um Frieden zwischen Frankreich und Spanien zu ermöglichen.

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

Dramaturgin Mareike Wink stimmt Sie mit dieser Einführung auf die Produktion von Regisseur David McVicar ein. Erfahren Sie mehr über die Handlung, Musik und Inszenierung von Verdis »Don Carlo«.

Sie finden alle Auftakt-Folgen auf SoundCloud sowie auf Spotify und ApplePodcasts.

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HANDLUNG

Carlo, der spanische Thronfolger, ist unglücklich, weil sein Vater die ursprünglich ihm versprochene französische Prinzessin Elisabeth geheiratet hat und ihm politischen Einfluss verweigert. Elisabeth hat in die Hochzeit mit dem spanischen König eingewilligt, um Frieden zu stiften. Rodrigo, Marquis von Posa, will die Verzweiflung seines Freundes Carlo auf das unterdrückte Flandern lenken; sein Freimut macht ihn zum Vertrauten des Königs. Philipp II. versucht, seine Länder im Glauben zusammenzuhalten – und er erkennt, dass die Macht ihn einsam gemacht hat. Prinzessin Eboli liebt Carlo; als sie entdeckt, dass er noch immer seine einstige Verlobte liebt, verleumdet sie beide gegenüber dem König. Der Großinquisitor ist die mächtigste kirchliche Instanz im spanischen Reich. Er zwingt Philipp, den liberalen Posa zu opfern, und fordert auch den Thronfolger. Doch die Hoffnung auf eine höhere Gerechtigkeit bleibt bestehen.

DIE DOPPELDEUTIGKEIT DER FARBE

Carlo Franci – Aus der langen Erfahrung eines Dirigenten

Don Carlo ist ein einsames Meisterwerk, als Unikums steht es für sich im ganzen künstlerischen Schaffen Verdis. Aus einem mühseligen Kompositionsprozess erwuchsen die drei Fassungen (1867 – 1884 – 1886), die es zu der längsten und schwierigsten Oper von Verdi machen.

Die Farbe der Partitur ist oft düster, der Weg zu einem beklemmenden bleiernen Höhepunkt, nur unterbrochen von blendenden Blitzlichtern wie zum Beispiel der »Canzone del velo« (dem »Schleierliede«), gesungen von der Prinzessin Eboli: ein echtes Eintauchen in das Licht Spaniens. Wie es schon René Leibowitz höchst scharfsinnig in »Don Carlos ou Les Fantômes du clair obscurs« (in Les Fantômes de l'opéra. Essais sur le théâtre lyrique) beschrieben hat: »L'un des impressions les plus frappantes que je ressentis en voyant pour le première fois le Don Carlos de Verdi, était du a ce que plus que tout autre opéra, celui-ci semblait se jouer constamment aux confins du jour et de la nuit.« (»Einer der hervorstechendsten Eindrücke, die ich verspürte, als ich zum ersten Mal den Don Carlos von Verdi anschaute, schuldet sich der Tatsache, dass diese Oper mehr als jede andere ständig an den Grenzen von Tag und Nacht zu spielen schien.«)

Diese Doppeldeutigkeit der Farbe, der »tinta«, um einen Begriff zu benutzen, der Verdi sehr wichtig war, beherrscht die Partitur: Sie ist eingetaucht in eine Orchestrierung von großer Weisheit und vervollständigt durch eine neue vokale Gestaltung, unbekannt allen vorangegangenen Opern. Eine Farbe von »lieblicher Melancholie«, wie Massimo Mila so sinnlich ausgedrückt hat, der überreichen Fülle und der Leiden des späten 19. Jahrhunderts, einer Romantik, die wie süßes Gift in die Fasern des Menschen durchsickert, einer Wollust des Schmerzes, zarter und dekadenter Hingabe.

Bildunterschruft:

Don Carlo ist ein äußerst unwegsames Gelände (percorso) für einen Dirigenten; er besitzt nicht die erdhafte Energie des trovatore oder den drängenden Rhythmus von Un ballo in maschera. Man darf die Probleme der Länge nicht lösen, indem man die Tempi beschleunigt oder die musikalischen Pausen abwürgt, die Verdi doch so viel bedeuten.

Ich habe das Glück, einen Klavierauszug meines Vaters zu besitzen, der viele Eintragungen von Toscanini enthält, mit denen er ihm persönlich die Partie des Marquis von Posa für eine Produktion der Mailänder Scala erläutert hat. Von diesen eigensinnigen Ratschlägen und erhellenden Beobachtungen habe ich eine große Lektion in Bescheidenheit und vollständiger Hingabe gelernt, die wir alle besitzen müssen, um eine emotional authentische und poetische Interpretation zu verwirklichen. Toscanini schreibt: »Attento al pianissimo! Forte con nobiltà, crescendo insieme all' orchestra! Diminuendo, falsetto, mezzo falsetto, sussurrato, legato senza forzare, etcetera.« (»Vorsicht beim Pianissimo! Forte mit Vornehmheit, Crescendo zusammen mit dem Orchester! Diminuendo, Falsett, mezzo falsetto, Flüstern, Legato ohne Forcieren, etc.«) So ist der Sänger nicht aufgerufen, allein seine Stimme vorzuführen, sondern wird ein wesentlicher Bestandteil des Dramas. So entsteht die Musik aus dem Orchester, geht durch die menschliche Stimme und verwandelt sich in Poesie. Eine magische und geheimnisvolle Metamorphose, ein giuioco di equilibrie (Balanceakt) der auree proporzioni (goldenen Proportionen) wie in einem Ritual, bei dem nichts, oder fast nichts, dem Zufall überlassen bleibt und bei dem alle zusammenwirken, um diese wunderbare »Alchemie« zu verwirklichen.

RUND UM IHREN BESUCH

Noch mehr Oper! Bei einigen unserer Produktionen bieten wir zusätzliche oder passende Veranstaltungen an, unter anderem Kinderbetreuung, Kammerkonzerte oder Liederabende.

Bei der Wiederaufnahme von Don Carlo haben wir folgendes im Programm:

OPER FÜR FAMILIEN

für Erwachsene und Kinder von 10–18 Jahren

Bis zu drei junge Menschen können kostenlos mit in die Opernvorstellung kommen, wenn ein Erwachsener sein Ticket zum regulären Preis zahlt.

TERMIN

29. Oktober 2023, 15.30 Uhr

Don Carlos ist, meiner Meinung nach, von der Anlage her viel breiter und poetischer. Es ist große Leidenschaft darin, wie Ihr sie braucht.
Alphones Royer und Gustave Vaëz an Giuseppe Verdi, 1850

Jorge Luis Borges, Der Inquisitor

Märtyrer konnte ich sein. Ich war Henker.
Ich läuterte die Seele mit dem Feuer.
Meine zu retten, wählte ich Gebet
und Büßerhemd, die Tränen und das Joch.

In den Autodafés sah ich, was meine
Zunge erwirkt hatte. Die gnädigen
Scheiterhaufen und das schmerzvolle Fleisch,
den Gestank, das Geschrei, die Agonie.

Ich bin tot. Ich vergaß die Seufzenden,
aber ich weiß, dass diese schlimme Reue
Verbrechen ist, das zu den andren kommt,

und dass beide verwehen wird der Wind
der Zeit, die weiter ist als Sünde und
Zerknirschung. Ich habe beide vergeudet.

TERMINE 7., 13., 22., 27., 29. Oktober / 4. November 2023

SZENENFOTOS Barbara Aumüller

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Veröffentlicht am

04.10.2023

Willy-Brandt-Platz

Spielort

Willy-Brandt-Platz

60311 Frankfurt am Main

Anfahrt

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