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Opernappetizer

DAPHNE

RICHARD STRAUSS 1864–1949

Bukolische Tragödie in einem Aufzug / Text von Joseph Gregor / Uraufführung 1938 / Premiere vom 28. März 2010 / In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln.

Eine junge Frau verwandelt sich in einen Baum, um den unerwünschten Annäherungsversuchen eines Gottes zu entkommen. Wie kann aus diesem Stoff eine Oper werden?

Die Wiederaufnahme läuft vom 17. September – 15. Oktober 2023.

Bildunterschruft:
Szenenfoto aus »Daphne« © Barbara Aumüller

PLAY, AUGEN ZU UND OPER!

Wie kommt es zur schicksalhaften Verwandlung Daphnes in Richard Strauss' gleichnamigem Einakter? Dramaturg Konrad Kuhn gibt eine kurze Einführung zu Claus Guths Inszenierung von »Daphne«, die 2010 mit dem FAUST Theaterpreis ausgezeichnet wurde.

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TRAUMABEWÄLTIGUNG

Eine alte Frau kehrt an den Ort zurück, wo ihr in ihrer Jugend Traumatisches widerfahren ist, und durchlebt ihre Vergangenheit noch einmal.

Mit dieser Rahmenhandlung erdet Regisseur Claus Guth die Geschichte um die Nymphe Daphne, die dem Werben des Gottes Apoll nur entkommen kann, indem sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Ein Mythos aus der Antike, den etwa Ovid in seinen Metamorphosen gestaltet hat – und den Richard Strauss als Stoff für seine drittletzte Oper wählte.

HANDLUNG

Letzte Sonne – Es ist der Tag, an dem unter den Menschen das Fest der blühenden Rebe begangen werden soll. Allein Daphne steht abseits von all diesem Treiben; mystisch empfindet sie die Klänge der Natur, das Rauschen der Quelle und den Blütentraum der schützenden Bäume, »meinen Brüdern«, Ihr Jugendfreund, Leukippos, unterbricht ihre Versenkung jäh. Daphne für sich zu gewinnen, sie zu lieben, ist seine Absicht. Sie verweigert sich.

Mägde tragen Kleid und Schmuck herbei – beides verschmäht sie; das dem Gott Dionysos alljährlich gewidmete Fest ist ihr unheimlich und fremd. Ihre Mutter Gaea zeigt sich voller Sorge über ihre Tochter.

Mit dem Auftreten Apollos in getarnter Gestalt, der von Daphne magisch angezogen wird, fühlt sie ihr unbestimmtes Sehnen erfüllt und lauscht tief berührt seinen Liebesworten. Als er sie, die er Schwester nennt, umarmt und küsst, befällt sie jedoch dunkle Angst.

Das Fest hebt an; die maskierten männlichen Gäste der Feier unter Führung von Daph-nes Vater Peneios; die Frauen von Gaea geleitet. Leukippos, der sich auf den Rat der Dienerinnen als Mädchen verkleidet hat, nutzt die Gelegenheit, um sich Daphne zu nähern.

Voller Wut tritt Apollo mit dem Rufe vor, das Fest sei entweiht und der Gott durch solche schmachvolle List entehrt. Donner grollen, alles stiebt auseinander. Apollo stellt den jungen Nebenbuhler zur Rede, der inzwischen die Frauenkleider abgetan hat. Bitter sieht sich Daphne doppelt betrogen und fordert Wahrheit. Der Sonnengott enthüllt sein Geheimnis und fordert Daphne auf, mit ihm zu gehen. Als sie sich weigert und Leukippos ihn einen Lügner heißt, erhebt der ergrimmte Gott die Waffe gegen ihn und bringt ihn um. Erschüttert wirft sich Daphne über die Leiche des Jugendgefährten; Apollo aber erfleht göttliche Verzeihung, bittet darum, Daphne zurückzugewinnen – nicht in Menschengestalt, sondern als ewig grünenden, unverwelklichen Lorbeerbaum. Ihre Verwandlung setzt ein.

Daphne – Erste Annäherung

Text von Regisseur Claus Guth

Die Erinnerung sei das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können, schrieb Jean Paul, Manchmal aber offenbart sie sich als der ausweglose Raum erfahrenen Unglücks.

Versuch zu einer Geschichte, in der die ewige Wiederholung zum Schicksal wird, das Nicht-Vergessen-Können zum endlosen Albtraum.

Eine alte Frau sucht den Ort ihrer Kindheit auf. Unkraut durchdringt die Steinfliesen. Die Natur okkupiert das Haus. Erinnerungen durchströmen sie: Der Tag, der sie veränderte, sie erstarren ließ, taucht wiederum vor ihren Augen auf.

Vorbereitungen zu einem Fest - der Jugendfreund umwirbt sie aufdringlich; sie spielt mit ihm, will sich einlassen, doch plötzlich wird sie starr, lehnt ihn ab. Die Mutter versteht die Tochter nicht; ihr Desinteresse am Männlichen, ihr Festhalten am unberührten Naturzustand der Unschuld.

Der Vater eröffnet rituell das Fest - archaische Kontaktversuche zu höheren Mächten.

Ein verschmutzter Fremder erscheint. Alle voller Argwohn - nur der Vater scheint ihm rätselhaft verbunden. Die Tochter soll ihn neu einkleiden - der Fremde verliebt sich in Daphne, sie sich in ihn. Zunächst fliegen sie in gedanklichen Gemeinsamkeiten - dann aber begehrt er sie körperlich - sie gibt sich hin. Doch sofort danach bereut sie alles - steht unter Schock, flüchtet vor dem Fremden und gerät in das Fest. Das Fest wird zur Fratze, zum Albtraum der körperlichen Bedrängung. Daphne wendet sich von dem Bild ab - sieht sich selbst als Kind. Alles verschwimmt: ein erwachsenes Spiegelbild nimmt plötzlich Kontakt zu ihr auf, tanzt mit ihr - sie küsst sich - leidenschaftlich. Der Fremde erscheint, reißt die Küssenden auseinander - versetzt die Menschen in Furcht. Einen erwählt er sich zum Opfer.

Der Fremde enttarnt das Spiegelbild Daphnes als Nebenbuhler. Daphne fühlt sich doppelt verraten. Der Fremde tötet Leukippos. Daphne trauert um den Toten. Der Fremde erkennt sein Verbrechen. Er tötet sich voller Schuldgefühle.

Daphne flüchtet in eine andere Welt – der Akt der Verwandlung beginnt – der Albtraum des grausamen Geschehens aber umschlingt die junge Frau, verfolgt sie immer weiter und weiter. Ihre Schritte werden gebrechlicher – die Bühne dreht sich – eine alte Frau verlässt das verfallene Haus.

RUND UM IHREN BESUCH

Noch mehr Oper! Bei einigen unserer Produktionen bieten wir zusätzliche oder passende Veranstaltungen an, unter anderem Kinderbetreuung, Kammerkonzerte oder Liederabende.

Bei der Wiederaufnahme von Daphne haben wir folgendes im Programm:

OPERNSPIELPLATZ

für Kinder von 3–9 Jahren

Während die Eltern im Publikum der Opernvorstellung Daphne sitzen, werden die Kinder kostenlos von unseren Musikpädagog*innen mit Bewegung und Spiel an die Musik herangeführt.

ANMELDUNG ERFORDERLICH

gaesteservice@buehnen-frankfurt.de

TERMIN

3. Okt, ab 15.15 Uhr

Bildunterschruft:
Szenenfoto aus »Daphne« © Barbara Aumüller

DIE STUMME DAPHNE

Wie es sich anfühlt, stumm auf der Bühne zu stehen
– mit Corinna Schnabel

Schon bei der Premiere der 2010 mit dem FAUST-Theaterpreis ausgezeichneten Inszenierung wurde diese »Alte Frau« von Corinna Schnabel gespielt. Sie ist – ebenso wie Maria Bengtsson in der Titelpartie – auch bei der dritten Wiederaufnahme dabei und erzählt von der Probenarbeit damals: Am Anfang waren nur zwei Auftritte geplant; während der Proben wurden es dann immer mehr.

Interessant sei die Erfahrung gewesen, dass man, umgeben von Sänger*innen, in einer stummen Rolle ebenfalls zu singen beginne – natürlich stumm; die »Partitur« sei dann aus dem intensiven Zuhören und Zuschauen entstanden. So fügt die hinzuerfundene Figur sich behutsam in die Szenen der Opernhandlung ein, die wir sozusagen durch ihre Augen und mit ihren Ohren erleben.

DAPHNE IST NICHT NUR OPFER

Sie ist durchaus verführbar, lässt sich auf das Werben des Fremden ein«, sagt Corinna Schnabel. Doch sie gerät in den Konkurrenzkampf zweier Männer. Ihre Eltern spielen dabei eine fatale Rolle. So bleibt am Ende nur der Rückzug in die totale Erstarrung. Sie habe sich oft gefragt, wie das Leben der jungen Frau – sozusagen als »Baum« – danach wohl verlaufen sein mag. Wäre sie ihrer Liebe zur Natur nachgegangen? Hätte sie etwas aus ihrer Wandelbarkeit gemacht, etwa als »Verwandlungskünstlerin«? Oder ist sie gar Psychotherapeutin geworden?

EINES IST DER SCHAUSPIELERIN WICHTIG

Wenn die alte Daphne nochmals an den Ort zurückkehrt, wo der große Bruch in ihrem Leben seinen Ursprung hat, dann nicht als verbitterte Person; sie stellt sich damit dem Schmerz – und überwindet ihn am Ende vielleicht. Die mythische Handlung wird so zu einem therapeutischen Vorgang. Mit einem Augenzwinkern resümiert Corinna Schnabel: »Ich hätte gern anstelle von James Canton das Buch Biographie einer Eiche geschrieben; aber es fehlte mir die Zeit dazu ...«

Sie ist durchaus verführbar, lässt sich auf das Werben des Fremden ein.
Corinna Schnabel

SYLVIA PLATH, DER MOND UND DIE EIBE

Die Eibe weist aufwärts. Ihre gotische Gestalt.

An ihr erhebt sich der Blick und findet den Mond.

Der Mond – meine Mutter. Sie ist nicht lieb wie Maria.

Ihren blauen Gewändern entfleuchen kleine Fledermäuse und Eulen.

Wie gerne würde ich an Zärtlichkeit glauben – Das Gesicht des Abbilds, milde im Kerzenlicht, Das ausgerechnet auf mich seinen freundlichen Blick senkt.

So weit bin ich gefallen. Die Wolken blühen Blau und mystisch vor dem Antlitz der Sterne.

Die Heiligen im Innern der Kirche werden frostblau Schweben auf zierlichen Füßen über das kalte Gestühl, Hände und Gesichter starr vor Heiligkeit.

Der Mond sieht davon nichts. Er ist nackt und wild.

Und die Botschaft der Eibe ist Schwärze – Schwärze und Schweigen.

MARIA BENGTSSON IN DER TITELPARTIE

Für die Wiederaufnahme von Daphne kehrt die Originalbesetzung der Titelrolle an die Oper Frankfurt zurück: Maria Bengtsson. Zuletzt war die schwedische Sopranistin in der Spielzeit 2022/23 bei uns als Gräfin in Richard Strauss Capriccio zu erleben – ein gewisser Hang zu Strauss ist bei ihr nicht zu verleugnen.

Erleben Sie Maria Bengtsson an der Seite von Gerard Schneider als Leukippos und Peter Marsh als Apollo:

TERMINE 17., 20., 24., 30. September / 3. Oktober 2023

SZENENFOTOS Barbara Aumüller

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Veröffentlicht am

01.09.2023

Willy-Brandt-Platz

Spielort

Willy-Brandt-Platz

60311 Frankfurt am Main

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