Author Archives: Susanne Kastka

DIE STIPENDIAT*INNEN DER PAUL-HINDEMITH-ORCHESTERAKADEMIE

Jung, talentiert und Akademist der Paul-Hindemith-Orchesterakademie: Katharina Schmitzer (Violine), Philipp Adamczewski (Oboe) und Andrew Nissen (Posaune) gehören zu den momentan elf Akademisten der Paul-Hindemith-Orchesterakademie – der Talentschmiede des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Der bekannte Namensgeber dieser Akademie war einst (neunzehnjährig) Konzertmeister des Orchesters. Hier berichten die drei Stipendiat*innen von ihrem musikalischen Alltag an der Oper Frankfurt.

Wie seid ihr zur Musik und eurem Instrument gekommen?

ANDREW DAVID NISSEN (POSAUNE)

Andrew David Nissen: Meine Mutter spielte zu ihrer Schulzeit Geige und war fest entschlossen, dass meine Geschwister und ich ein Instrument lernen sollten. Nach Anfängen am Klavier wählte ich mit acht Jahren die Posaune, da sie größer und lauter war als die Trompete meiner Schwester. Nachdem mein Arm mit der Zeit auch die äußeren Positionen an der Posaunenbahn erreichte, wurde sie irgendwann zu »meiner Stimme« und auch mein jüngerer Bruder ist heute professioneller Posaunist in Australien.

Katharina Schmitzer: In meiner Familie war Musik eine Selbstverständlichkeit und es wurde immer viel gesungen, musiziert und in Konzerte gegangen. Die Geige war ein wunderbares Hobby für mich und am meisten Spaß hat es mir gemacht, in verschiedenen Jugendorchestern mitzuspielen. In den Orchestern lernte ich andere musikbegeisterte Jugendliche kennen und kam so auf die Idee, mein Hobby zum Beruf zu machen.

Philipp Adamczewski: Auch ich habe gar nicht bewusst begonnen Musik zu spielen – sie war immer schon präsent, weil überall Spielzeuginstrumente, Trommeln und ein Klavier im Haus waren, auf die ich, schon so lange ich zurückdenken kann, draufgehämmert habe. Die Oboe fand ich auf Konzerten und Kassetten immer am spannendsten und so erhielt ich dann mit zehn Jahren meinen ersten Unterricht.

Welche Vorbilder und Lehrer haben dich geprägt?

PHILIPP ADAMCZEWSKI (OBOE) 

Philipp Adamczewski: Jeder meiner sehr netten und kompetenten Lehrer, die mich längere Zeit unterrichteten und unterstützen, haben mir etwas mitgegeben: Spaß am Instrument und den Wunsch Musik professionell zu machen, das Grundkonzept meiner Spielweise, den selbständigen Umgang mit spieltechnischen und musikalischen Problemen und das eigenständige Arbeiten. Aktuell ist da natürlich die Oboengruppe des Opern- und Museumsorchesters, bei der ich die Grundkenntnisse des professionellen Orchesterspielens erfahren darf. Da es eine sehr kleine Gruppe ist, lerne ich quasi von jedem etwas und werde von allen unterstützt.

 

 

Was muss man als Persönlichkeit lernen, um als Orchestermusiker bestehen zu können?

KATHARINA SCHMITZER (VIOLINE)

Katharina Schmitzer: Ich glaube, neben den spielerischen Stärken ist vor allem die mentale Gesundheit wichtig. Man muss lernen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben und in Vorspiel-Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Deshalb ist es super, dass wir in der Akademie Mentaltraining angeboten bekommen – um zu lernen, mit dem Druck umzugehen, der als Musiker auf einem lastet.

Wie habt ihr von der Paul-Hindemith-Orchesterakademie (PHO) erfahren?

Katharina Schmitzer: Die Musikerwelt ist klein und man kennt sich untereinander. So kam es, dass ich zwei Stipendiaten der PHO kennenlernte, die in höchsten Tönen über die Akademie sprachen. Als ich mich darüber informierte, war ich beeindruckt von dem Angebot, das die Akademisten hier erhalten. Glücklicherweise war gerade eine Stelle für Violine ausgeschrieben und ich durfte vorspielen.

Andrew David Nissen: Ich habe die Probespiel-Ankündigung auf Facebook gesehen. Obwohl ich mit 30 Jahren schon etwas älter bin, schrieb mir die PHO: »Das Alter ist uns egal, gib einfach dein Bestes.« Dafür bin ich unglaublich dankbar – die Chance, mich beweisen zu dürfen und allmählich meinen Platz zu finden.

Was lernt ihr in der PHO?

Philipp Adamczewski: Technisch lerne ich hauptsächlich, die zweite Oboe im Orchester zu sein, denn bisher spielte ich so, dass man mich gut hören kann. Aber etwas zu spielen, das kaum gehört werden soll, sondern hauptsächlich da ist, um einen anderen gut klingen zu lassen, ist eine große Umstellung. Und ich lerne viel mehr als das: Eine der wichtigsten Dinge ist, im Orchesteralltag zu bestehen und konstant eine gute Leistung abzuliefern. An den Kollegen kann ich dabei vergleichen wo ich stehe und was ich noch lernen muss, um erfolgreich im Orchester zu spielen.

Katharina Schmitzer: Die Orchestermitglieder helfen uns, unseren Weg in der Musikerwelt zu finden. Während man in den Jugendorchestern hauptsächlich symphonische Werke spielt, lerne ich hier das Opernrepertoire kennen – ohne aber ins kalte Wasser geworfen zu werden, dank der Vorbereitung meiner Tutoren! Außerdem lernen wir im Probespiel- und Mental-Training, mit einer stressigen Vorspielsituation umzugehen. Die Atmosphäre im Orchester ist dabei sehr produktiv und freundlich, sodass diese Zeit für mich musikalisch und persönlich sehr wertvoll ist.

Andrew David Nissen: Ich lerne jeden Tag hier an der Akademie, aber den wirkungsvollsten Fortschritt könnte man als den »Charakter« der Paraphrasierung bezeichnen. Meine Kollegen hier haben eine so organische, natürliche Art, ihren Teil zum Ganzen beizutragen und die Notizen auf der Seite einfach und effektiv zum Leben zu erwecken. Das inspiriert mich so sehr wie das vielfältige, dynamische und spannende Opernrepertoire hier, in das ich mich Hals über Kopf verliebt habe. Ich liebe die Musik, das Spiel, den Gesang, die Geschichten, das Drama.

Was wünscht ihr euch für eure berufliche Zukunft?

Philipp Adamczewski: Das ist einfach: Lange und glücklich mit tollen Menschen Musik zu machen, die andere hören wollen. Egal wie. Und Spaß haben.

Andrew David Nissen: Nachdem ich mich den Großteil meines Erwachsenenlebens auf meine musikalische Ausbildung konzentriert habe, möchte ich fest in einem Orchester spielen – und weniger individuell sondern mehr als kollektiv denken. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und möchte etwas an andere zurückgeben, Schüler unterrichten und für Menschen spielen, die benachteiligt sind und davon profitieren würden. Orchester können und werden die Welt verändern!

 


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PAUL-HINDEMITH-ORCHESTERAKADEMIE / FOTOS: BOGDAN MICHAEL KISCH

ÜBER DIE PAUL-HINDEMITH-ORCHESTERAKADEMIE

Eine Orchesterakademie gehört für ein Spitzenorchester nicht nur sprichwörtlich zum »guten Ton« – sie ist ein wichtiger Baustein zur Erhaltung und Weiterentwicklung eines hohen künstlerischen Niveaus. Die Paul-Hindemith-Orchesterakademie wurde zur Saison 2015/16 auf Initiative der Orchestermitglieder gegründet. Die jungen, gut ausgebildeten Instrumentalist*innen sollen sich optimal auf den Berufsalltag des Orchestermusikers vorbereiten, von gestandenen Orchestermitgliedern lernen, und wenn möglich, auch auf längere Zeit an das Orchester gebunden werden.

Die Mitglieder der Orchesterakademie wirken bei Proben und Aufführungen in der Oper und in Konzerten mit. Konzertprojekte der Akademie stehen ebenso auf dem Programm wie gemeinsame Kammerkonzerte mit Orchestermitgliedern. Die Stipendiat*innen erhalten Einzelunterricht von Orchestermitgliedern, Workshops zur Karriereentwicklung, regelmäßiges Probespiel- und Mentaltraining und bei Bedarf Deutschunterricht. So schließt die Akademie die Lücke zwischen Studium und Orchesterberuf und dient als Sprungbrett in das Festengagement des eigenen Hauses oder in ein anderes renommiertes Orchester. Bereits ein Drittel der Absolventen der noch jungen Akademie konnte sich Positionen in Spitzenorchestern erspielen – was erst jüngst wieder geglückt ist: Stipendiat Philipp Nadler hat das Probespiel für Solo-Fagott gewonnen und wird fest in das Ensemble des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters wechseln!

Die Akademie ist ansässig bei der Frankfurter Museums-Gesellschaft und wird finanziell durch die Oper Frankfurt und den Patronatsverein – Sektion Oper unterstützt. Informationen zu den Stipendiat*innen, Ausschreibungen sowie zu den Aufführungsterminen und Programmen der eigenen Kammermusikprojekte finden Sie unter www.ph-orchesterakademie.de.

30. Januar 2019

HINTER DEN KULISSEN: DIE SOUFFLEURIN

VORSAGEN ALS BERUF

Wenn das Publikum am Abend die Sänger*innen der Oper Frankfurt mit tosendem Applaus feiert, sitzt sie stets abseits »in der Gasse« – und das, obwohl sie seit Jahren einen großen Beitrag zum Erfolg einer Produktion leistet. Barbara Kornek ist Opernsouffleurin und hilft immer dann, wenn der Textfluss in den Proben stockt.

Die Berufsbezeichnung kommt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich »Einpuster«.

In Opern ist das Vorsagen in der Regel nur während der Dialoge möglich. Barbara Kornek kennt ihre »Pappenheimer« und kann wie kaum eine andere im gesprochenen Text Denkpausen von sogenannten »Hängern« unterscheiden. Sie weiß, welche Sänger*innen schneller lernen als andere, wer sich bis zum Ende der Probenphase auf sie verlässt und wer womöglich auch für eine der ersten Vorstellungen um Hilfe bittet.

Aus optischen Gründen gibt es seit den 1990er Jahren keinen Souffleurkasten auf der Bühne der Oper Frankfurt.

Und selbstverständlich beherrschen Sänger*innen ihre Partien, ohne auf die Hilfe professioneller Einflüsterer angewiesen zu sein. Doch manchmal muss für die Abendvorstellung ein Sänger schnell umbesetzt werden, weil der ursprünglich vorgesehene krank ist, und es stellt sich heraus, dass die- oder derjenige zwar alles Musikalische perfekt beherrscht, den Dialog aber in der Version einer anderen Inszenierung einstudiert hat. Und dann kann es sein, dass Barbara Kornek am Abend hochkonzentriert auf einem Stuhl in der ersten Bühnengasse sitzt. Sie ist in Sachen Text sozusagen der sichere Hafen, falls eine Sängerin oder ein Sänger Schiffbruch erleiden sollte – ihre Anwesenheit darf nicht stören, und dennoch steht sie als Rettungsanker zur Verfügung. Zudem souffliert Barbara Kornek gerade in den ersten Proben die Textanfänge der musikalischen Phrasen zeitversetzt – d. h. deutlich vor dem Einsatz der Sängerin bzw. des Sängers. Sie kann es sich nicht leisten, auch nur einen Augenblick unkonzentriert zu sein. Mit einem hohen Maß an Empathie fühlt sie mit den Künstler*innen, verfügt über Menschenkenntnis und viel Geduld. Als ausgebildete Sängerin kann sie nicht nur Noten lesen und hat eine belastbare Stimme, sondern verfügt auch über Fremdsprachenkenntnisse.

Wenn in Opern lange Dialogtexte in deutscher Sprache vorkommen wie in der Zauberflöte oder wenn Operetten wie Die lustige Witwe mitunter mit Sänger*innen besetzt sind, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ist Barbara Kornek nicht nur als Souffleurin, sondern viel mehr noch als Sprachcoach gefragt. Vieles wird von den Sänger*innen mit Sprachaufnahmen notiert und zu Hause einstudiert. Da geht es um die richtige Betonung von Wörtern, über deren Aussprache sich Nichtmuttersprachler manchmal wundern. Für eine Amerikanerin ist es unsagbar schwer, ein Wort wie »pfeilschnell« auszusprechen. Tricksen, Synonyme finden statt zu üben, ist natürlich keine Option, weil genau dieses vermeintlich schwer auszusprechende Adjektiv im Libretto der Zauberflöte ebenso notiert ist wie »Zypressenwäldchen«.

Barbara Korneks Arbeit beginnt meist eine halbe Stunde vor der jeweiligen Probe oder Vorstellung. Die Souffleurin holt sich den Klavierauszug aus ihrem Büro, trinkt noch einen ordentlichen Schluck Wasser, begibt sich auf die Probebühne und nimmt vor einem für sie aufgestellten Notenständer Platz. Hellwach ist sie, folgt der kompletten Probe Takt für Takt, denn stets kann es passieren, dass ein Kollege Hilfe braucht und sie ihm diskret etwas vorsagen muss – so laut, dass sie oder er es versteht, und dennoch so dezent, dass es ein Dritter kaum mitbekommt.

Text: Deborah Einspieler

Den vollständigen Artikel finden Sie im aktuellen Opernmagazin und auf der Homepage der Oper Frankfurt.

16. November 2018

NEU IM ENSEMBLE: AMBUR BRAID

© JENNIFER TOOLE

Glücklich, wer die kanadische Sopranistin im Februar 2018 in den konzertanten Aufführungen von Donizettis Roberto Devereux als Elisabetta gesehen und gehört hat. Glücklich unser Opernhaus, das diese Künstlerin ab dieser neuen Spielzeit im Ensemble hat!

Dabei war Elisabeth von England nicht die erste Königin, der Ambur Braid an der Oper Frankfurt ihre Stimme lieh. In Ernst Kreneks Einakter Das geheime Königreich hinterlies sie einen nicht weniger bleibenden Eindruck: Ambur Braid sei, so die FAZ, »eine Klasse für sich, wenn sie die Königin, eine Mischung aus Zerbinetta, Kundry und Lady Macbeth«, singe. Mit dieser Beschreibung wird zugleich ein Phänomen berührt, das die Künstlerin auf ihrem Weg schon lange begleitet: »Meine Stimme verwirrt die Leute seit Jahren«, sagt Ambur Braid. Von Koloraturpartien wie der Königin der Nacht (die sie im Augenblick an der Oper Frankfurt singt), Rollen wie Adele in Die Fledermaus und Amor in Glucks Orfeo ed Euridice reicht ihr Repertoire bis hin zu Puccinis Tosca, die sie kürzlich in Calgary sang. »Ich kann viel mit meiner Stimme machen, aber am liebsten ist es mir, wenn ich sie einfach loslassen und SINGEN kann!«, sagt die Sopranistin. Zugleich sei es wichtig gewesen, ihr Organ und ihre Technik zunächst im leichteren Repertoire, eingeschlossen andere Mozart-Partien wie Vitellia und Konstanze, zu entwickeln. Außerdem gebe es historische Beispiele für eine extreme Bandbreite: »Maria Cebotari hat Tosca und Konstanze gleichzeitig gesungen, und Edda Moser die Königin der Nacht und Salome! Man muss die Rollen finden, die am besten zur Stimme, aber auch zum Temperament passen.«

Womit wir bei einem weiteren Charakteristikum von Ambur Braid wären: der dramatischen Vehemenz ihrer Rollengestaltungen. »Ich liebe es, die Schurkinnen zu spielen die zerrissenen, interessanten Frauenfiguren ziehen mich an: ihre Intelligenz, ihr Charisma, ihr Sex. Wir alle haben diese Seiten in uns. Solche Rollen zu spielen erlaubt mir, das auf fantastische Weise auszuleben! Der Charakter einer Figur ist mir wichtiger als die Vokalakrobatik. Wenn es eine spannende Inszenierung ist, darf die Rolle auch einmal kleiner sein.« Artistische Ausflüge in die stimmliche Stratosphäre und ein interessanter szenischer Kontext verbinden sich auf reizvolle Weise in der Partie der Scintilla in Bruno Madernas Satyricon, die sie am Ende der Spielzeit singen wird: »Ich habe schon immer davon geträumt, ein Fellini-Girl zu sein!«

Text: Konrad Kuhn

Den vollständigen Artikel finden Sie im aktuellen Opernmagazin und auf der Homepage der Oper Frankfurt.

24. August 2018

 

IM PORTRÄT: BARNABY REA

Nach Janáčeks grausamem Platzkommandanten in Aus einem Totenhaus darf Barnaby Rea sich derzeit in Lehárs Lustiger Witwe der »leichteren Muse« zuwenden. Die Gegensätze könnten nicht größer sein, doch der lässige Brite hat großen Gefallen an den unterschiedlichsten Spielarten des musikalischen Theaters. Künstlerische Vorbehalte gegenüber Genres wie Musical oder Operette kennt er nicht. Erst kürzlich hat er an der Londoner English National Opera, der er vor seinem Frankfurter Engagement als Harewood Artist angehörte, in Gilbert & Sullivans Iolanthe Operettenerfahrung gesammelt: »Diese ›Fairy Operetta‹ ist ein rauschend buntes Kostümfest, pure Satire, und der Regisseur hat es verstanden, gekonnt Seitenhiebe auf die aktuelle politische Lage in Großbritannien zu platzieren. Es ist ein ziemlich moderner Spaß und überhaupt nicht angestaubt.«

Sein komisches Talent und eine enorme Bühnenpräsenz sind auch in den zwei Spielzeiten als Ensemblemitglied der Oper Frankfurt nicht zu übersehen gewesen. Ob als puppenhaft inszenierter Johann in Werther, als steifer Lord Tristan in Flotows Martha oder auch als Falstaffs verlogener Diener Pistola – Barnaby Rea genießt die Überzeichnung. »An diesen kleineren Rollen kann ich viel ausprobieren und lernen. Und wenn das dazu an der Seite von Sängern wie Željko Lučić stattfindet, der einfach eine Wucht an Energie ist und sich seinen Raum zum Improvisieren nimmt, fordert mich das ungemein heraus. Und meistens bieten Nebenrollen auch genug, um sie lebendig werden zu lassen – man muss nur seinen Zugang finden und sich darauf einlassen, mit seiner Energie auch für die Anderen wichtig zu sein.«

Die Möglichkeit in Frankfurt mit Keith Warner zu arbeiten, gehört definitiv zu seinen bisherigen Highlights – auch wenn er betont, dass die ästhetische Bandbreite sowie die unterschiedlichen Regiehandschriften an der Oper Frankfurt ihn als Darsteller extrem bereichern. »Ich mag es, Grenzen zu überschreiten und auf der Bühne etwas herauszufinden, was mir im Leben nie begegnen würde. Es gibt Rollen, in denen man sehr auf den Gesang konzentriert, aber oft in der Lage ist, darstellerisch viel mehr zu geben, viel weiter zu gehen, als man glaubt.« Auf Warner traf er erstmals in einem Workshop des National Opera Studios, gegründet von den sechs größten Opernhäusern Großbritanniens, hier in Frankfurt nun die erste große Produktion. »Die Arbeit an Peter Grimes war eine wirkliche Offenbarung: Keith ist genial in seinen Überlegungen und Ideen und dazu noch ein unglaublich liebenswerter Typ. Die sechs Wochen Probenzeit waren wie eine Bildungsreise.« Die Rolle des Hobson hatte Barnaby Rea zuvor bereits in Bergen und Edinburgh verkörpert – und sie gehört neben den »Komödianten« eher zu den zwielichtigen Figuren, für die die andere Herzensseite des Herrn Rea schlägt. »Im Leben möchte ich nicht der Bösewicht sein, aber ich liebe es, ihn zu spielen.«

Barnaby Rea ist ab dem 19. Mai als Mr. Bosun in Brittens Billy Budd zu erleben! 

Das komplette Porträt finden Sie in unserem aktuellen Magazin unter www.oper-frankfurt/Service/Publikationen

17. Mai 2018

»WELCHE ZUKUNFT FÜR DIE STÄDTISCHEN BÜHNEN?«

Sanierung oder Neubau? Frankfurt steht derzeit vor der schwierigen Frage, ob die Doppelanlage, bestehend aus Oper und Schauspiel Frankfurt, saniert oder neu gebaut werden soll. In gemeinsamen Gesprächen näherte man sich nun dem komplexen Thema an.

»Welche Zukunft für die Städtischen Bühnen?« lautet die Diskussionsreihe, die vom Kulturdezernat der Stadt Frankfurt gemeinsam mit dem Deutschen Architekturmuseum veranstaltet wurde. Die Auftaktveranstaltung fand am 20. März im Chagallsaal statt. Unter dem Titel  »Opern- und Theaterbauten – Erfahrungen aus anderen Städten« gaben Jette Hopp (Snøhetta, Neubau der Oper Oslo), Christoph Ingenhoven (ingenhoven architects, Sanierung Düsseldorfer Schauspielhaus) und Detlef Junkers (PFP PLANUNGS GmbH, Neubau des Kraftwerk Mitte Dresden) Einblicke in ihre städtebaulichen Projekte und stellten Handlungsoptionen vor. 

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Am 24. April fand die zweite Veranstaltung im Chagallsaal statt. Unter dem Titel »Der Ort des Theaters – heute und morgen« diskutierten diesmal Hans-Jürgen Drescher (Präsident der Theaterakademie August Everding), Jessica Glause (Regisseurin), Marion Tiedtke (Chefdramaturgin und Stellvertretende Intendantin am Schauspiel Frankfurt) und Christoph Scheffer als Moderator des Abends (hr-info).

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Die letzte Gesprächsrunde fand am 17. Mai im Chagallsaal statt. Unter dem Titel »Der Ort der Oper – heute und morgen« diskutierten Brigitte Fassbaender (Intendantin und Regisseurin), Christian Schmidt (Bühnenbildner) und Keith Warner (Regisseur). Susanne Pütz (hr2-kultur) moderierte den Abend.

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»Grosse Oper – viel Theater?« – so lautete außerdem der Titel der Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum, bei der Bühnenbauten in einen europäischen Vergleich gestellt wurden. Die Kuratoren der Ausstellung – Andrea Jürges und Yorck Förster – haben darin die baulichen Möglichkeiten und Anforderungen vorgestellt, die kulturelle und städtebauliche Bedeutung der Bühnen als öffentliche Begegnungsorte dargelegt und die aktuelle Diskussion über die Doppelanlage Schauspiel und Oper abgebildet.

Auszüge aus dieser Ausstellung werden nun vom 25. Mai bis Oktober 2018 im Holzfoyer der Oper Frankfurt zu sehen sein – darunter die Baugeschichte der Doppelanlage, die Machbarkeitsstudie und als Referenzbeispiele die Hamburger Elbphilharmonie, die sanierten Bühnen Köln sowie die Neubauten der Oper in Oslo und das Schauspielhaus in Kopenhagen.

Die Ausstellung im Holzfoyer ist für die Besucher der Vorstellungen und Veranstaltungen der Oper Frankfurt zugänglich.

 

10. April 2018

 

DAS OPERNSTUDIO STELLT SICH VOR

Sie sind jung, bestens ausgebildet und vielfach ausgezeichnet: die acht Sängerinnen und Sänger des Opernstudios. Aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt kommen sie für ein Stipendium an die Oper Frankfurt. Hier werden sie von nun an auf der Bühne stehen, können künstlerisch wachsen und sich auf das »echte« Sängerleben vorbereiten: Iain MacNeil, Jaeil Kim, Mikołaj Trąbka, Anatolii Suprun, Thesele Kemane, Alison King, Elizabeth Sutphen und Bianca Andrew.

© WOLFGANG RUNKEL

BIANCA ANDREW (MEZZOSOPRANISTIN)

Wann hast du dich entschieden Opernsängerin zu werden?
Es gab nie den Zeitpunkt, an dem ich mich bewusst dafür entschieden habe, Sängerin zu werden – es passierte einfach aus der Freude am Singen. Ich bin in Neuseeland aufgewachsen und begann mit 16 Jahren Gesangsstunden zu nehmen. Von meinem Taschengeld hatte ich mir eine CD mit klassischer Musik gekauft – das erste Stück war »Vogliatemi bene« aus Madama Butterfly. Obwohl ich die italienischen Worte nicht verstehen konnte, fand ich es so berührend, dass es mich zum Weinen brachte. Seither wünschte ich mir, an so etwas Schönen teilzuhaben, Musik zu machen – oder auch Requisiteurin oder Inspizientin zu werden, solange ich von klassischer Musik und Oper umgeben sein könnte. Nach meinem Studium in Wellington wurde ich dann an der New Zealand Opera engagiert und arbeitete später als freie Sängerin in Neuseeland und Australien. 2014 zog ich nach London, um dort in den letzten drei Jahren an der Guildhall School of Music & Drama im Opernprogramm weiterzustudieren. Jetzt in Frankfurt Mitglied des Opernstudios zu sein, mit so vielen talentierten Kollegen, ist ein Traum, der wahr wird. Ich weiß, dass ich hier sehr viel lernen werde.

 

IAIN MACNEIL (BARITON)

Wie kamst du in das Opernstudio? Gab es ein Vorsingen?
Ich wollte in Europa leben und arbeiten und begann mich zu informieren. Einige Stipendiaten des Frankfurter Opernstudios sprachen in den höchsten Tönen von ihrer Erfahrung dort: Die Oper Frankfurt hat einen ausgezeichneten Ruf und soll ein toller Ort zum Arbeiten sein. Also habe ich meine Bewerbung inklusive Aufnahmen an das Opernstudio geschickt und mich sehr gefreut, als ich ein paar Wochen später die Einladung zum Vorsingen bekam. Ich flog nach Frankfurt und war etwas nervös, aber die lächelnden Gesichter und die freundliche Begrüßung in den Fluren beruhigten mich. Thomas Stollberger, der Organisator des Opernstudios, zeigte mir, wo ich mich einsingen könnte und stellte mir Naomi Schmidt, meine fantastische Klavierbegleiterin für das Vorsingen, vor. Ich sang zwei Stücke von Strauss und Mozart, und unterhielt mich mit dem Intendanten Bernd Loebe, der sehr ermutigend war. Die Nachricht, dass ich dabei bin, kam ein paar Wochen später. Und so beendete ich meine Saison als freier Sänger in Kanada und zog nach Frankfurt.

 

MIKOŁAJ TRĄBKA (BARITON)

Wie ist die Arbeit im Opernstudio?
Die Atmosphäre ist toll! Überall treffe ich spannende Leute, wir haben den fürsorglichen Intendanten des Hauses, der immer freundlich und offen ist, und unseren Chef Thomas Stollberger, der uns bei Problemen schnell und effizient hilft. Alle unterstützen uns, die Mitarbeiter*innen im Haus und die anderen Sänger*innen, und schenken uns immer ein Lächeln. Außerdem haben wir ein großartiges Team von Lehrern: Eytan Pessen, Neil Shicoff, Felice Venanzoni, Hedwig Fassbender und meinen lieben Kollegen Michał Goławski, der Korrepetitior des Opernstudios, der täglich mit uns arbeitet. Sie unterrichten uns auf höchstem Niveau, sodass wir unsere Stimmen und Fähigkeiten entwickeln können. Auf der Bühne bekommen wir dann die Möglichkeit mit großartigen Künstler*innen zu arbeiten und kleinere, manchmal größere Rollen zu singen – bei Premieren, Wiederaufnahmen und Konzerten in oder außerhalb Frankfurts. Die Möglichkeit, gelegentlich Gastierurlaub zu nehmen, gibt uns außerdem die Freiheit, an anderen Opernhäusern zu singen oder an einem Gesangswettbewerb teilzunehmen und sich so als Künstler weiterzuentwickeln. 

 

JAEIL KIM (TENOR)

In dieser Spielzeit warst du bereits für verschiedene Produktionen auf der Bühne – wie fühlt es sich dort für dich an?
Ich bin sehr glücklich darüber. Auch wenn die bisherigen Rollen eher kleiner waren, ist für mich jeder Auftritt wichtig. Durch sie bekomme ich ein Gefühl dafür, wie ich auf der großen Bühne zu singen und zu spielen habe. Alles, was ich hier in Frankfurt gesehen, gemacht habe und machen werde, ist sehr spannend für mich. Gern erinnere ich mich an mein Debüt: Thibault in Verdis Les Vêpres siciliennes. Natürlich war auch Capriccio sehr interessant, zum einen wegen der großartigen Musik von Richard Strauss und zum anderen, weil ich fast die gesamte Zeit auf der Bühne stand. In dieser Oper habe ich auch gelernt, wie ich spiele und was ich mache, wenn ich nicht singe. Dabei bin ich außerdem sehr froh, mit so tollen Kollegen zusammen arbeiten zu können und dankbar über diese Erfahrungen. Ich freue mich auf all das, was ich noch machen darf!

 

ALISON KING (SOPRANISTIN)

Wie erlebst du die Proben? Hast du Lampenfieber bei der Premiere?
Einer der besten Aspekte in meinem Beruf als Opernsängerin ist der Prozess der Proben. Zusammen mit dem Regisseur und dem Dirigenten zu arbeiten, um die Geschichte und die Musik des Stücks zum Leben zu erwecken, ist bereichernd und sehr beglückend für mich. Wenn eine Oper innerhalb der Probenphase gründlich erarbeitet wurde, ist das Lampenfieber meistens gering. Glücklicherweise habe ich jedenfalls nie viel Lampenfieber. Für mich gibt es eine aufgeregte Energie bevor die Oper beginnt, aber sobald ich auf der Bühne stehe, fällt alles von mir ab und ich fühle mich vollkommen locker – das ist mein glücklichster Moment.

 

 

ANATOLII SUPRUN (BASS)

Wie ergeht es dir in deiner neue Heimat Frankfurt und an der Oper?
Vor Kurzem bin ich von Kiew nach Frankfurt gezogen. All die Künstler und Künstlerinnen an der Oper Frankfurt zu beobachten und kennenzulernen, mit ihren vielen unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Biografien, ist ungemein spannend für mich. Mir scheint, dass in der Zusammenarbeit von so viel Diversität die Kraft der Kunst liegt. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, eine europäische Oper kennenzulernen, in der die Künstler von ihrer Kunst leben können. Zwar ist es im Augenblick sprachlich nicht leicht für mich, da ich gerade erst begonnen habe, Deutsch zu lernen, aber Frankfurt ist jetzt mein neues Zuhause und ich bin glücklich, dass ich hier sein kann, auch wenn mir die Oper Frankfurt sicher viele Prüfungen auferlegen wird. »Leben bedeutet Wirken«, sagte Stanislawski – das treibt mich an!

 

DAS OPERNSTUDIO

Das Opernstudio der Oper Frankfurt hat sich zu einer der renommiertesten Talentschmieden an deutschsprachigen Opernhäusern entwickelt. Hier wird jungen Sängerinnen und Sängern nach dem Studium der Einstieg in ihre weitere Gesangskarriere erleichtert. Ihre künstlerischen und praktischen Kompetenzen werden durch professionelle Unterstützung ausgebaut. So wird das Programm des Opernstudios neben einem intensiven Unterrichtsangebot vor allem durch Partien auf der großen Bühne und Auftritte in den weiteren Veranstaltungen der Oper Frankfurt abgerundet. Im besten Falle kann der Sänger-Nachwuchs anschließend an das Haus gebunden werden – so wie unter anderem bei Julia Dawson, Maria Pantiukhova, Michael Porter, Thomas Faulkner, Kateryna Kasper, Kihwan Sim, Elizabeth Reiter, Paula Murrihy und Iurii Samoilov, die in das feste Ensemble der Oper Frankfurt wechselten und inzwischen international erfolgreich sind.

28. März 2018

HINTER DER BÜHNE: DIE ANKLEIDERIN

HAUPTSACHE KULTUR © HESSISCHER RUNDFUNK – www.hr.de

Wenn auf der Großen Bühne der Vorhang hochgeht, ist Renate Müller im Garderobengang der Solisten jeden Abend ganz vorne mit dabei. Sie sorgt dafür, dass die Herren-Soli nicht nur ein Kostüm anhaben, sondern dass dieses auch ordentlich aussieht und alles stimmt. Also führt Renate Müller penibel Buch und notiert sich alle Kleinigkeiten zum Kostüm. Und der »gute Geist des Herrensolo« kennt seine Sänger, die Renate liebevoll »meine besonderen Pflänzchen« nennt. Sie weiß nicht nur, dass der Bass Andreas Bauer ein Linkshänder ist, sondern wirkt zuweilen auch pädagogisch ein und schimpft: »So geht das nicht, das zweite Spind räumst du bitte!« »Und wohin soll ich dann mit meiner Angel?«, ist die empörte Antwort des Sängers.

Renate muss lachen: Nach fast 20 Jahren Berufserfahrung, bleibt die Frau, die ursprünglich Kostümbild studieren wollte, stets gut gelaunt und gelassen. Das, was wir hier abends leisten, kannst du so gar nicht lernen!« Klassischerweise haben die Damen und Herren der Garderoben-Abteilung eine Schneiderlehre absolviert und sind vor allem durch »learning by doing« zu Meistern ihres Fachs arriviert.

Wie alle anderen der insgesamt 13 Ankleider*innen tut sie alles dafür, dass sich die Sänger*innen während ihrer Proben und Vorstellungen in der Oper wohl fühlen. Manch einer kann nur singen, wenn sein Hund in der Garderobe auf ihn wartet… Währenddessen sorgt das aufmerksame Team der in den Garderoben Beschäftigten dafür, dass zum Beispiel Nähte, die sich auf der Bühne öffnen, in der Pause wieder geschlossen werden. Manchmal wird rasch von Hand vernäht, manchmal kommt die gute Sicherheitsnadel zum Einsatz.

Oft können sich die Darsteller*innen wegen der aufwändigen Kostüme zudem nicht selbst an- und ausziehen, weshalb allein für die 40 Damen im Damenchor am Abend drei bis vier Ankleider*innen parat stehen, die ihren Sänger*innen mit viel Respekt und Liebe begegnen, ihnen mit Taschentüchern oder Wasserflaschen auf der Seitenbühne auflauern, Bademäntel reichen oder nackten Füßen Badeschlappen bereit stellen. Besonders starke Nerven bewahren die Damen und Herren immer dann, wenn es um sehr schnelle Umzüge geht.

Der Dienst der Garderobieren beginnt an Vorstellungstagen um 14 Uhr, zunächst muss die Wäsche aus der Wäscherei geholt und sortiert werden. Dabei sind Etiketten, die sich in den Kostümen befinden, besonders wichtig, um die Teile den einzelnen Produktionen und den einzelnen der manchmal fast 100 Darsteller*innen zuordnen zu können. Am Nachmittag werden die Kostüme gebügelt und auf intakte Verschlüsse kontrolliert. Wenn alles durchgesehen ist, werden die Garderobenständer aus dem 5. Stock des Hauses in die einzelnen Garderoben gefahren.

Wenn sie an einem Abend zusätzliche Statisten, den Extrachor und Kinder erwarten, bleiben auch Jan Happel und Maxi Friedl cool. Was ihnen am meisten Spaß macht? Die Antwort lautet durch alle Garderoben in den verschiedenen Stockwerken gleich: »schnelle Umzüge!« Beispielsweise Alcina in Orlando furioso in 20 Sekunden aus einem glitzernden Goldkleid holen und ihr in ein türkisfarbenes Kleid helfen, das Ganze während eine Maskenbildnerin der Sängerin die Perücke vom Kopf nimmt und ihr rasch auch noch eine neue Frisur zaubert? Kein Problem! Die beteiligten Damen lachen und erzählen, dass sie es zum Schluss sogar in 16 Sekunden geschafft haben! Zimperlich darf da keine der Beteiligten sein: Zunächst wird der Sängerin das Kostüm vom Leib gerissen, eine Ankleiderin zieht von unten die Strümpfe hoch und hilft der Sängerin in die Schuhe, während das neue Kleid hochgezogen, von hinten der Reißverschluss geschlossen und von vorne das Halstuch zugebunden, und Ohrclips angesteckt sowie die Handschuhe bereitgehalten werden. Dank der guten Geister im Hintergrund sieht Alcina aus wie neu!

Text: Deborah Einspieler

9. März 2018

PLAKATKUNST ZUR »SIZILIANISCHEN VESPER«

PLAKATE DER OPER FRANKFURT VON GUNTER RAMBOW

Plakate halten an oder auf, sie laden ein oder aus, sie wecken die Neugier oder schreien nach Aufmerksamkeit. Einige sind Kunst, andere wollen es sein und wieder andere begnügen sich mit dem Dasein als Informationsträger im Großformat, aber: Sie alle »schmücken« die Stadt.

Zum wiederholten Male haben die Oper Frankfurt und die Hochschule Mainz / Fachbereich Gestaltung zusammengearbeitet. Den Studentinnen und Studenten des ersten Semesters bietet Prof. Charlotte Schröner die Möglichkeit, im Seminar »Gestalterische Grundlagen« nicht nur Plakate zu analysieren, sondern sich selbstverständlich auch als Plakatkünstler auszuprobieren. Unter anderem galt es, Plakate für die Produktion von Giuseppe Verdis Les Vêpres siciliennes an der Oper Frankfurt zu entwerfen, die im November wieder im Spielplan war. Dass sich Charlotte Schröner für ihre Veranstaltung gerade das Thema Oper ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr, gestalten sie und ihr Team der Werbeagentur Opak doch seit Jahren die Publikationen unseres Hauses.

Für die meisten der Studierenden war Oper pures Neuland. Bevor sie sich eine Vorstellung ansehen konnten, wurde ihnen in einer Sitzung der Kosmos »Oper« sowie Verdis Werk näher gebracht. Dabei erhielten sie auch erste Einblicke in die Inszenierung von Jens-Daniel Herzog. Eine komfortable Situation, die für einen Gestalter von Theaterplakaten vor einer Premiere so natürlich nicht gegeben ist. Er entwirft seine Plakate lange vor Beginn der Proben zu einer Neuinszenierung und kann sich mit den Informationen der Dramaturg*innen ausmalen, was letztendlich auf der Bühne zu sehen sein wird. Für die Studierenden eröffnete dies jedoch mehrere Wege, sich dem Thema zu nähern. Die Vorgaben hielten sich in Grenzen: auf festgelegtem Format sollten Komponistenname, Titel und das Logo der Oper Frankfurt integriert sein – weiter war der Kreativität keine Grenze gesetzt.

Zum Ende des Wintersemesters wurden nun die Ergebnisse präsentiert. Sie können sich sehen lassen!

Text: Stephanie Schulze

31. Januar 2018

REGISSEURIN BRIGITTE FASSBAENDER ÜBER »CAPRICCIO«

Brigitte Fassbaender ist nach Ariadne auf Naxos und Paul Bunyan zum dritten Mal als Regisseurin an der Oper Frankfurt zu Gast. Nach jüngeren Inszenierungen wie Peter Grimes am Staatstheater Saarbrücken, Salome am Theater Regensburg und Hänsel und Gretel am Staatstheater Braunschweig wird sie künftig u.a. Il barbiere di Siviglia in Bregenz und Henzes Der junge Lord am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz in Szene setzen. Zahlreiche Regie-Arbeiten (u.a. Carmen, Les Troyens, Die verkaufte Braut, Die Frau ohne Schatten, Elektra und einen Britten-Zyklus) realisierte Brigitte Fassbaender am Tiroler Landestheater Innsbruck, das sie von 1999 bis 2012 als Intendantin leitete. Von 2004 bis 2012 war sie Künstlerische Leiterin des Richard-Strauss-Festivals Garmisch-Partenkirchen. Bis 1995 verfolgte Brigitte Fassbaender eine Karriere als Mezzosopranistin und sang an allen international führenden Opernhäusern und Festivals. Das sängerische Schaffen der mehrfach ausgezeichneten Künstlerin und gefragten Gesangspädagogin ist auf etwa 300 Aufnahmen dokumentiert. 2017 wurde ihr der ECHO Klassik für ihr Lebenswerk verliehen.

Interview mit Brigitte Fassbaender bei hr2  (veröffentlicht am 09.01.2018 / Quelle: © hr2)

 

IMPRESSIONEN VON DER PREMIERE VON RICHARD STRAUSS’ CAPRICCIO

 

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16. Januar 2018

DIE 19. OPERNGALA DER OPER FRANKFURT

19. OPERNGALA © BARBARA AUMÜLLER

Zum 19. Mal schritten mehr als 950 festlich gekleidete Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur über den roten Teppich der Oper Frankfurt, um einen der gesellschaftlichen Höhepunkte der Stadt zu erleben. Ministerpräsident Volker Bouffier betonte in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit des staatlichen Engagements für die Kultur und lobte die Oper Frankfurt als eins der weltweit führenden Häuser. Er hob die elementare Verpflichtung hervor, Platz und Raum zu schaffen, um Kultur als ein Spiegelbild der Gesellschaft zu ermöglichen. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann bekannte sich zur Oper Frankfurt und verteidigte weiterhin den Standort von Oper und Schauspiel am Willy-Brandt-Platz. Jürgen Fitschen vom Patronatsverein hob die rege Anteilnahme des Frankfurter Bürgertums an seinem Opernhaus hervor – durch dieses Engagement konnten an diesem Abend 900 000 Euro Spendengelder eingenommen werden. Ein besonderes Lob sprach er den Damen des Gala-Komitees aus, die auch in diesem Jahr dieses Ereignis organisiert haben: Katherine Fürstenberg-Raettig, Sylvia von Metzler, Magda Boulos-Enste, Martina Heß-Hübner und Gabriela Brackmann Reiff.

Die Oper bedankte sich mit einem bunten musikalischen Programm, das Intendant Bernd Loebe moderierte. Den Auftakt machte der junge Dirigent Lorenzo Viotti, der das vielfach ausgezeichnete Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit der Ouvertüre der Fledermaus von Johann Straus zu größter Dynamik führte. Der brillante Opernchor und der Kinderchor der Oper Frankfurt erfreuten das Publikum mit einer Szene aus Bizets Carmen. Solist*innen aus dem Ensemble und Barbara Haveman als Gast begeisterten mit Höhepunkten aus dem Opernrepertoire und boten zum beschwingten Finale Musical-Klänge aus West Side Story, South Pacific und The Wizard of Oz.

Ein besonderer Augenblick bot sich wieder mit der Öffnung der großen Drehbühne mit 85 festlich geschmückten Tischen in einem glanzvollen Ambiente aus Opernkulissen, auf der die Gäste zum Dinner Platz nahmen. Bevor sie zum Ausklang in die Foyers strömten, intonierten die Gäste unter Anleitung von Lorenzo Viotti und mit professioneller Unterstützung der Solist*innen im grün-silbernen Glitzerregen das Trinklied aus Giuseppe Verdis La traviata. Kulinarisch, gesellschaftlich und musikalisch war dieser Gala-Abend ein rauschendes Fest, welches noch weit in die Nacht hinein gefeiert wurde.

IMPRESSIONEN

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1. Dezember 2017

 

INTERVIEW MIT LORENZO VIOTTI ÜBER »WERTHER« UND SEINE ZEIT IN FRANKFURT

LORENZO VIOTTI © BARBARA AUMÜLLER

 

EIN NETZ VON »WAHLVERWANDTSCHAFTEN«

Vor wenigen Tagen hast du bei der Operngala dein Debüt an der Oper Frankfurt gegeben und ein vielschichtiges musikalisches Programm mit großem Erfolg dirigiert. Was sind deine ersten Eindrücke von der Stadt und von den Frankfurtern?

Ich empfinde in dieser Stadt eine lockere Atmosphäre, habe bereits viele sehr nette Menschen getroffen. Anders als in Berlin oder in Hamburg wirkt die Stadt auf mich ausgesprochen entspannt – trotz Frankfurts Ruf als hektische Finanzmetropole.

Du dirigierst Massenets Werther in dieser Spielzeit in drei verschiedenen Produktionen (in Klagenfurt, Frankfurt und Zürich). Ist sie deine Lieblingsoper?

Für mich war sehr wichtig, dieses Werk zunächst in einem kleineren Haus zu dirigieren und erst nach der ersten Begegnung mit Massenets Partitur die Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt zu leiten. Ich bin von seiner Musik fasziniert, kann aber nicht behaupten, dass es mein absolutes Lieblingsstück wäre. Mein Lieblingsstück ist immer dasjenige, mit dem ich mich gerade intensiv beschäftige. Das heißt, meine musikalischen Vorlieben wechseln.

Worin liegt für dich die Faszination dieses »Drame lyrique«?

Das Wichtigste ist vielleicht, dass hier jedes Wort mit jeder Note verbunden ist. Das gilt auch für das Verhältnis zwischen dem Orchesterklang und den Gesangspartien: Diese Musik vermittelt in all ihren Facetten das Gefühl einer organischen Einheit.

Wie an anderen Repertoirestücken haften auch an Massenets Oper bestimmte Klischees. Nicht selten fallen im Zusammenhang mit ihr Begriffe wie Sentimentalität, Larmoyanz, Rührseligkeit? Welche Vorstellung hast du von diesem intimen, aufwühlenden Musikdrama und seiner Interpretation?

Die Klischeevorstellungen lassen mich unberührt. Ich sehe in Massensets Werk ein spannendes Drama, durch das wir in die Tiefe der menschlichen Seele blicken können. Die Fragen, die dieses Werk anspricht, sind von großer Aktualität. Wie gehen wir mit dem Thema Freitod um? Oder wie können wir denjenigen helfen, die gefährdet sind? Nicht weniger aktuell und facettenreich sind die zwischenmenschlichen Beziehungen: Wie liebt eine junge Frau (Charlotte), die für ihre Familie die Rolle der verstorbenen Mutter und damit auch deren gesellschaftliche Verpflichtungen übernehmen muss? Es gibt in diesem Stück viele Fragen, die sich nicht nur in Zusammenhang von Charlotte und Werther sondern auch rund um die Beziehungen zwischen Sophie und Albert oder Werther und Sophie stellen. Ein sehr komplexes, spannendes Netz von verschiedenen »Wahlverwandtschaften« und Möglichkeiten. Es geht um großes menschliches Drama. Für die Sängerinnen und Sänger bedeutet es eine besondere Herausforderung, weil es hier um eine großartige Form von musikalischen Konversationen, im Grunde genommen um ein Schauspiel mit Musik geht. Und der Titelheld? Eine schöne Traurigkeit umwebt ihn: Er kann seine Ruhe, sein Glück nur im Tod finden.

Zwischen den Proben bleibt dir nicht viel Freizeit übrig. Und dennoch: Wie verbringst du deine freien Stunden in Frankfurt?

Neben Sport und Kochen, meine Lieblingsbeschäftigungen, habe ich vor wenigen Tagen meinen ersten Portugiesisch-Unterricht gehabt.

Warum ausgerechnet Portugiesisch?

Ab der Spielzeit 2018/19 werde ich Chefdirigent des Gulbenkian-Orchesters in Lissabon. Ich würde gerne meine Musiker auch sprachlich richtig verstehen und später vielleicht die Proben in ihrer Muttersprache leiten können.

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Lorenzo Viotti leitet ab dem 8. Dezember die Wiederaufnahme von Jules Massenets Werther * und wird zudem bei den Einführungen im Holzfoyer – jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn – anwesend sein!

* Mit Ausnahme der Vorstellung am 30. Dezember, die von Hartmut Keil dirigiert wird.

Das Gespräch führte Dramaturg Zsolt Horpácsy

5. Dezember 2017

 

FASSADENKUNST: GROSSPROJEKTION AUF OPER UND SCHAUSPIEL

Die Multimedia-Installation The Great Farce von Federico Solmi im Rahmen der B3-Biennale des bewegten Bildes breitet sich derzeit über die Fassade von Oper und Schauspiel Frankfurt aus! Zu sehen ist in Dauerschleife ein achtminütiger, handgezeichneter Film, der Staatsführer unserer Zeitgeschichte sowie historische Ereignisse aufgreift, karikiert und in groteske Kontexte setzt. Verzerrte Musik aus den Lautsprechern der Oper Frankfurt verstärken die Absurdität dieser »Politik-Show«. Immer neue Einzelheiten, Allegorien, Komparsen, Requisiten lassen sich mit jedem Durchlauf erkennen.

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Ein eindrucksvoller Kommentar zur Vergangenheit, Gegenwart und Dominanz der westlichen Gesellschaft – Federico Solmi versteht seine Kunst als Protest und persönliche Stellungnahme gegenüber Politik und Gesellschaft. Der in den USA gefeierte Künstler möchte inspirieren und zum Engagement animieren.

Machen Sie sich selbst und in Echtzeit ein Bild: Bis Sonntag (3.12.) allabendlich auf dem Willy-Brandt-Platz.

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28. November 2017

WIEDER IM SPIELPLAN: »DIE SIZILIANISCHE VESPER« VON GIUSEPPE VERDI

Eine Grand opéra über die Macht der Ohnmacht: Gibt es einen Moment, an dem die aus bitterster Not und Unterdrückung hervorgegangene Revolte umschlägt in menschenverachtenden Terror? Eine jäh eintretende Zäsur, worin das Banner der Freiheit zu deren blutdurchtränkten Grabtuch mutiert?

Hören Sie hier die Audio-Einführung von Chefdramaturg Dr. Norbert Abels:

Norbert Abels studierte Literatur- und Musikwissenschaft, Philosophie und Judaistik und ist Autor zahlreicher kulturkritischer Studien und Bücher. Seit 1980 ist Norbert Abels Literaturdozent am Media-Campus Frankfurt. Seit 1985 ist er an der Oper Frankfurt tätig, seit 1997 als Chefdramaturg. Er ist seit 2005 Professor für Theaterdramaturgie an der Folkwang-Universität der Künste sowie seit 2006 Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. Zahlreiche Gastdramaturgien führten ihn u.a. von 2003 bis 2010 zu den Bayreuther Festspielen sowie auf internationale Bühnen.

 

Les vêpres siciliennes / Die sizilianische Vesper

Oper in fünf Akten von Giuseppe Verdi (1813-1901)
Text von Eugène Scribe und Charles Duveyrier nach dem Libretto Le Duc d‘Albe (1839)
Uraufführung am 13. Juni 1855, Opéra, Salle de la rue Le Peletier, Paris
Premiere in der Oper Frankfurt am 16. Juni 2013

Regie Jens-Daniel Herzog
Musikalische Leitung Stefan Soltesz

Vorstellungen am 26./30. Nov. & 03./09./16. Dez. 2017

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20. November 2017

DER NEUE BLOG DER OPER FRANKFURT

Ein Blog wie die Oper selbst – zum Hören, Sehen und Erleben! Mit unserem neuen Blog sind Sie noch näher dran an der Oper Frankfurt: Einführungen zu unseren Produktionen sowie Interviews mit Künstler*innen zum Lesen und Hören für unterwegs, Videos, die verborgene Einblicke geben in das Geschehen hinter der Bühne, in die verschiedenen Abteilungen, die Garderoben und auf die Schreibtische der Mitarbeiter*innen.

Vielfältige Formate und Themen bieten Ihnen – nach Aktualität geordnet – einen intuitiven Zugang. Die einzelnen Beiträge können Sie zudem abonnieren und kommentieren und so in einen direkten Austausch mit uns treten.

Künstler*innen, Mitarbeiter*innen und Partner*innen der Oper Frankfurt stehen hinter diesem Blog und steuern Interviews, Themen und private Einblicke bei, um Ihnen die Oper Frankfurt näher zu bringen – und Sie uns. Wir freuen uns über Ihren persönlichen Besuch in unserem Haus, um die Oper mit allen Sinnen zu erleben.

Viel Vergnügen beim Stöbern und Entdecken!
Ihre Oper Frankfurt

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9. November 2017