JAMIE BARTON

ÜBER IHREN EINSATZ FÜR MEHR DIVERSITÄT IM OPERNBETRIEB

Jamie Barton, eine Mezzosopranistin mit besonderer Strahlkraft, kommt im November für einen Liederabend nach Frankfurt zurück. Die Stimmgewalt der Sängerin fasziniert nicht nur auf den Bühnen der internationalen Opernhäuser. Auch in den sozialen Medien zählt sie zu einer der lautesten Stimmen für LGBTQ+-Rechte, Body Positivity und Feminismus in der Opernbranche. Bevor die Ausnahmekünstlerin, deren gemeinsam mit Jake Heggie enstandenes Album Unexpected Shadows kürzlich für den Grammy nominiert wurde, am 30. November bei ihrem Liederabend auf der großen Bühne der Oper Frankfurt zu erleben sein wird, hat sie ein paar unserer Fragen beantwortet.

©BreeAnne Clowdus

 

Oper ist seit Jahrhunderten ein Ort des Andersseins. Der Regisseur Barrie Kosky sagt, »Gender und Identität liegen tief in der Tradition des Theaters«. Ein Ort, an dem das Spiel mit Identitäten auf der Bühne möglich ist. Wie steht es deiner Meinung nach um Diversität im Opernbetrieb?

Auch wenn die Künste meist ein Zufluchtsort sind, an dem Menschen sie selbst sein können, sollten wir immer noch mehr tun, um Diversität auf und hinter der Bühne zu erkunden und zu fördern. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir eine größere Vielfalt an Perspektiven in allen Bereichen unserer Branche benötigen – unter den darstellenden Künstler*innen, den Kreativen, Regisseur*innen und Verwaltungsangestellten an den Theater- und Opernhäusern. Wir müssen die Türen öffnen und diese Branche zu einem Raum der Inklusion und nicht der Ausgrenzung machen. Ehrlich gesagt, stehen wir kurz davor, eine ganze Generation von potentiellen Zuschauer*innen und Künstler*innen zu verlieren, die einfach das Gefühl haben, dass es da keinen Platz für sie gibt. Die Menschen sind berührt, wenn sie ihre eigene Geschichte auf der Bühne wiederfinden. Das können wir erreichen, indem wir eine Vielzahl von Geschichten aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen, und zwar mit einer größeren Vielfalt von Künstler*innen, die diese Geschichten erzählen.

 

Du hast jüngst in Chicago die Titelpartie in Carmen gesungen. Star-Mezzosopranistin Stephanie Blythe ist neben dir auf der Bühne in ihrem Drag-Alter Ego Blythely Oratonio als Don José zu sehen. Euer Auftritt hat viele positive Reaktionen hervorgerufen. Was war das Besondere an dieser Carmen?

Mein ganzes Gesangsleben lang hatte man mir gesagt, dass ich die Rolle der Carmen nie singen würde, weil ich eine Plus-Size Frau bin, also war dies ein sehr persönlicher Triumph für mich. Ich denke, dass das Publikum, in dem lauter junge, progressive Menschen saßen, diesen Abend als etwas ganz Besonderes empfunden hat, weil es seine eigenen Wahrheiten in den Figuren auf der Bühne wiederfand. Es war nicht die typische patriarchale, weiße, dünne, heteronormative Carmen, die wir alle zu sehen gewohnt sind! Stattdessen konnten Plus-Size Frauen sehen, dass sie sexy sein dürfen, queere Menschen sahen eine Geschichte, die sie auf ganzer Linie einschloss, und genderfluide Stimmenbesetzungen hebeln das Narrativ aus, dass nur bestimmte Stimmtypen bestimmte Partien singen dürfen. Und glaubt mir … Stephanie Blythe ist ein AMAZING Don José!

 

 

Was fasziniert dich an Oper?

Ich habe es immer geliebt, wie lebendig die Geschichten sein können, die wir in der Oper erzählen. Es braucht ein Team, um eine Oper zum Leben zu erwecken – Sänger*innen, Dirigent*innen, Orchester, Tänzer*innen, Schauspieler*innen, Künstler*innen, Komponist*innen, Librettist*innen – und wenn all diese Elemente zusammenkommen, um ein lebendiges, pulsierendes Kunstwerk zu schaffen, gibt es wirklich nichts Vergleichbares auf der Welt.

 

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Wir freuen uns auf den Liederband mit Jamie Barton und Pianist und Komponist Jake Heggie am 30. November im Opernhaus. Alle Informationen und Tickets finden Sie auf unserer Website

Die Fragen stellten Deborah Einspieler und Selina Stefaniak

18. November 2021

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