NEU IM ENSEMBLE: FLORINA ILIE

HÖHENFLÜGE – WIE UNSER NEUES ENSEMBLEMITGLIED SÄNGERIN WURDE

Ihr ursprünglicher Traum war: Flugbegleiterin. Doch mit der Aufnahmeprüfung für die Ausbildung auf der einzigen Schule in Rumänien klappte es nicht. Und dann wurde ein anderer Traum wahr: Singen. Zur Musik war Florina Ilie schon früh gekommen, obwohl es im Elternhaus keine ausübenden Musiker*innen gab. Im oberen Stockwerk ihres Kindergartens befand sich eine Musikschule, und die Klavierklänge, die aus den Fenstern drangen, faszinierten sie. Doch wie Klavierspielen lernen – ohne Klavier? Man riet ihr dazu, es mit der Geige zu versuchen, denn dieses Instrument war leichter zu beschaffen. Ihre Leidenschaft dafür hielt sich aber trotz acht Jahren Unterrichts in Grenzen. Es war ihre Geigenlehrerin, die ihr schließlich vorschlug, im Chor zu singen. Da war Florina Ilie in ihrem Element!

 

VON BUKAREST ÜBER WIEN NACH FRANKFURT

Die junge Rumänin studierte Gesang in ihrer Geburtsstadt Bukarest: Hier klappte es mit der Aufnahmeprüfung. Und es kam noch besser: Im Rahmen eines Postgraduierten-Studiums wurde sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien aufgenommen. Florina Ilie:

 

»In Wien tat sich mir eine neue Welt auf. Allein das Publikum auf den Stehplätzen der Staatsoper und in den anderen Musikinstitutionen! Die waren oft sehr kritisch. Ich habe erlebt, wie Sänger*innen ausgebuht wurden, vor denen ich viel zu viel Ehrfurcht gehabt hätte. Zugleich war großer Kunstverstand und echte Begeisterung zu spüren!«

 

Erste Auftrittsmöglichkeiten ergaben sich bei den Opernfestspielen in Klosterneuburg. Dort sang sie Annina (La Traviata) und Antonia (Hoffmanns Erzählungen). Ein Angebot, fest ins Ensemble der Wiener Staatsoper zu gehen, lehnte sie auf Anraten ihrer Lehrer*innen an der Wiener Musikhochschule ab. Denn dort hätte sie nur Auftrittsmöglichkeiten als Cover oder in kleinen Rollen erhalten. Stattdessen nahm sie 2018 begeistert das Angebot von Intendant Bernd Loebe an, ins Opernstudio der Oper Frankfurt zu wechseln.

 

IM OPERNSTUDIO: VON ANFANG AN AUCH HAUPTROLLEN

In den zwei Jahren im Opernstudio hat Florina Ilie bereits eine Vielzahl von Rollen gesungen – darunter auch die ganz großen: Ilia in Mozarts Idomeneo, Gilda in Verdis Rigoletto und Valencienne in Lehárs Die lustige Witwe. Über die zuletzt genannte Rolle sagt die die junge Sopranistin: »Operette, mit Tanz und Dialogen: Das war ein besonderer Spaß!«

 

 

Mozart gehört zu ihrem Kernrepertoire; Pamina, Susanna, Donna Elvira und Despina hat sie in Rumänien schon gesungen, daneben in Frankfurt die Barbarina. Ende der Spielzeit 2019/20 war hier ihre erste Zerlina geplant, fiel jedoch der Pandemie zum Opfer. Bestimmte Rollen von Richard Strauss passen sehr gut zu ihr, obwohl dieser Komponist eigentlich nicht im Zentrum ihres »Stimmfachs« steht; neben der Najade (Ariadne auf Naxos) liebt sie die Partie der Italienischen Sängerin (Capriccio):

 

»Das ist sozusagen die Karikatur einer Belcanto-Primadonna. Belcanto liegt mir sehr; in Bukarest habe ich schon die Adina in L’elisir d’amore gesungen. Besonders hatte ich mich diesen Herbst auf eine weitere Donizetti-Partie gefreut: die Norina in Don Pasquale. Eine Traumrolle!«

 

TRAUMROLLEN WÜNSCHT SIE SICH NUR IM STILLEN

Mit den Traumrollen kann das manchmal so eine Sache sein. Die Premiere der Neuinszenierung Don Pasquale im Bockenheimer Depot war für November 2020 vorgesehen. Doch dann kam der zweite Lockdown. Jetzt wartet Florina Ilie sehnsüchtig darauf, ihre Norina endlich dem Publikum präsentieren zu können. Apropos Traumrolle: »Ich denke meist nur ganz im Stillen daran, welche Partie ich mir wünsche. Bisher sind die Rollen immer zu mir gekommen, oft ganz unerwartet!«

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Mit einem kleinen Gruß aus ihrer Heimat ist Florina trotz der Theaterschließung derzeit zu erleben: Beim digitalen Adventskalender der Oper Frankfurt hat sie gleich das erste Türchen, den 1. Dezember, mitgestaltet. Zusammen mit dem rumänisch-österreichischen Bariton Liviu Holender, dem ebenfalls aus Rumänien stammenden Cellisten Bogdan Kisch aus unserem  Orchester und mit dem Repetitor Felice Venanzoni am Klavier singt sie rumänische Weihnachtslieder.

Hand aufs Herz – so schön das Fliegen auch ist: Wir als Publikum freuen uns über jeden ihrer Höhenflüge auf der Opernbühne.

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Das Gespräch mit Ensemblemitglied Florina Ilie führte Dramaturg Konrad Kuhn für einen Artikel, der im Opernmagazin erschienen ist. Für ihn müssen es nicht immer Höhenflüge sein; er wünscht sich vor allem, dass wir bald wieder Musik machen und für Sie spielen dürfen.

 

10. Dezember 2020

4 Responses

    1. Sehr geehrte Frau Reiter,
      haben Sie herzlichen Dank für das positive Feedback. Das freut uns natürlich sehr.
      Viele Grüße,
      Ihre Oper Frankfurt

  1. Der Adventskalender ist eine großartige Idee und ein ganz großer Trost in diesen schwierigen Zeiten. Besonders gefreut habe ich mich über “Tochter Zion”, wunderbar gestaltet von Katharina Magiera und 3 Musikern unseres wunderbaren Orchesters und über die “Nußknacker-Ouvertüre, gespielt von unseren großartigen Pianisten Takeshi Moriuchi und In Sun Suh. Ganz herzlichen Dank.
    Klaus Grossmann.

    1. Sehr geehrter Herr Grossman,
      haben Sie herzlichen Dank für die vielen lieben Worte. Ihr positives Feedback freut uns außerordentlich. Schön, dass wir Ihnen mit dem Adventskalender eine kleine Freude bereiten können. Kommen Sie gut und gesund durch die Zeit. Ihre Oper Frankfurt

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