NEU IM ENSEMBLE: AMBUR BRAID

© Jennifer Toole

Glücklich, wer die kanadische Sopranistin im Februar 2018 in den konzertanten Aufführungen von Donizettis Roberto Devereux als Elisabetta gesehen und gehört hat. Glücklich unser Opernhaus, das diese Künstlerin ab dieser neuen Spielzeit im Ensemble hat!

Dabei war Elisabeth von England nicht die erste Königin, der Ambur Braid an der Oper Frankfurt ihre Stimme lieh. In Ernst Kreneks Einakter Das geheime Königreich hinterlies sie einen nicht weniger bleibenden Eindruck: Ambur Braid sei, so die FAZ, »eine Klasse für sich, wenn sie die Königin, eine Mischung aus Zerbinetta, Kundry und Lady Macbeth«, singe. Mit dieser Beschreibung wird zugleich ein Phänomen berührt, das die Künstlerin auf ihrem Weg schon lange begleitet: »Meine Stimme verwirrt die Leute seit Jahren«, sagt Ambur Braid. Von Koloraturpartien wie der Königin der Nacht (die sie im Augenblick an der Oper Frankfurt singt), Rollen wie Adele in Die Fledermaus und Amor in Glucks Orfeo ed Euridice reicht ihr Repertoire bis hin zu Puccinis Tosca, die sie kürzlich in Calgary sang. »Ich kann viel mit meiner Stimme machen, aber am liebsten ist es mir, wenn ich sie einfach loslassen und SINGEN kann!«, sagt die Sopranistin. Zugleich sei es wichtig gewesen, ihr Organ und ihre Technik zunächst im leichteren Repertoire, eingeschlossen andere Mozart-Partien wie Vitellia und Konstanze, zu entwickeln. Außerdem gebe es historische Beispiele für eine extreme Bandbreite: »Maria Cebotari hat Tosca und Konstanze gleichzeitig gesungen, und Edda Moser die Königin der Nacht und Salome! Man muss die Rollen finden, die am besten zur Stimme, aber auch zum Temperament passen.«

Womit wir bei einem weiteren Charakteristikum von Ambur Braid wären: der dramatischen Vehemenz ihrer Rollengestaltungen. »Ich liebe es, die Schurkinnen zu spielen die zerrissenen, interessanten Frauenfiguren ziehen mich an: ihre Intelligenz, ihr Charisma, ihr Sex. Wir alle haben diese Seiten in uns. Solche Rollen zu spielen erlaubt mir, das auf fantastische Weise auszuleben! Der Charakter einer Figur ist mir wichtiger als die Vokalakrobatik. Wenn es eine spannende Inszenierung ist, darf die Rolle auch einmal kleiner sein.« Artistische Ausflüge in die stimmliche Stratosphäre und ein interessanter szenischer Kontext verbinden sich auf reizvolle Weise in der Partie der Scintilla in Bruno Madernas Satyricon, die sie am Ende der Spielzeit singen wird: »Ich habe schon immer davon geträumt, ein Fellini-Girl zu sein!«

von Konrad Kuhn

Das vollständige Porträt finden Sie in unserem aktuellen Magazin unter www.oper-frankfurt/Service/Publikationen

24. August 2018

Schreibe einen Kommentar