IM PORTRÄT: BARNABY REA

Nach Janáčeks grausamem Platzkommandanten in Aus einem Totenhaus darf Barnaby Rea sich derzeit in Lehárs Lustiger Witwe der »leichteren Muse« zuwenden. Die Gegensätze könnten nicht größer sein, doch der lässige Brite hat großen Gefallen an den unterschiedlichsten Spielarten des musikalischen Theaters. Künstlerische Vorbehalte gegenüber Genres wie Musical oder Operette kennt er nicht. Erst kürzlich hat er an der Londoner English National Opera, der er vor seinem Frankfurter Engagement als Harewood Artist angehörte, in Gilbert & Sullivans Iolanthe Operettenerfahrung gesammelt: »Diese ›Fairy Operetta‹ ist ein rauschend buntes Kostümfest, pure Satire, und der Regisseur hat es verstanden, gekonnt Seitenhiebe auf die aktuelle politische Lage in Großbritannien zu platzieren. Es ist ein ziemlich moderner Spaß und überhaupt nicht angestaubt.«

Sein komisches Talent und eine enorme Bühnenpräsenz sind auch in den zwei Spielzeiten als Ensemblemitglied der Oper Frankfurt nicht zu übersehen gewesen. Ob als puppenhaft inszenierter Johann in Werther, als steifer Lord Tristan in Flotows Martha oder auch als Falstaffs verlogener Diener Pistola – Barnaby Rea genießt die Überzeichnung. »An diesen kleineren Rollen kann ich viel ausprobieren und lernen. Und wenn das dazu an der Seite von Sängern wie Željko Lučić stattfindet, der einfach eine Wucht an Energie ist und sich seinen Raum zum Improvisieren nimmt, fordert mich das ungemein heraus. Und meistens bieten Nebenrollen auch genug, um sie lebendig werden zu lassen – man muss nur seinen Zugang finden und sich darauf einlassen, mit seiner Energie auch für die Anderen wichtig zu sein.«

Die Möglichkeit in Frankfurt mit Keith Warner zu arbeiten, gehört definitiv zu seinen bisherigen Highlights – auch wenn er betont, dass die ästhetische Bandbreite sowie die unterschiedlichen Regiehandschriften an der Oper Frankfurt ihn als Darsteller extrem bereichern. »Ich mag es, Grenzen zu überschreiten und auf der Bühne etwas herauszufinden, was mir im Leben nie begegnen würde. Es gibt Rollen, in denen man sehr auf den Gesang konzentriert, aber oft in der Lage ist, darstellerisch viel mehr zu geben, viel weiter zu gehen, als man glaubt.« Auf Warner traf er erstmals in einem Workshop des National Opera Studios, gegründet von den sechs größten Opernhäusern Großbritanniens, hier in Frankfurt nun die erste große Produktion. »Die Arbeit an Peter Grimes war eine wirkliche Offenbarung: Keith ist genial in seinen Überlegungen und Ideen und dazu noch ein unglaublich liebenswerter Typ. Die sechs Wochen Probenzeit waren wie eine Bildungsreise.« Die Rolle des Hobson hatte Barnaby Rea zuvor bereits in Bergen und Edinburgh verkörpert – und sie gehört neben den »Komödianten« eher zu den zwielichtigen Figuren, für die die andere Herzensseite des Herrn Rea schlägt. »Im Leben möchte ich nicht der Bösewicht sein, aber ich liebe es, ihn zu spielen.«

 

Barnaby Rea ist ab dem 19. Mai als Mr. Bosun in Brittens Billy Budd zu erleben!

Das komplette Porträt finden Sie in unserem aktuellen Magazin unter www.oper-frankfurt/Service/Publikationen

 

17. Mai 218