DAS OPERNSTUDIO STELLT SICH VOR

Sie sind jung, bestens ausgebildet und vielfach ausgezeichnet: die acht Sängerinnen und Sänger des Opernstudios. Aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt kommen sie für ein Stipendium an die Oper Frankfurt. Hier werden sie von nun an auf der Bühne stehen, können künstlerisch wachsen und sich auf das »echte« Sängerleben vorbereiten:

Iain MacNeil / Jaeil Kim / Mikołaj Trąbka / Anatolii Suprun / Thesele Kemane

© Wolfgang Runkel

Alison King / Elizabeth Sutphen / Bianca Andrew

 

Bianca Andrew (Mezzosopranistin):

Wann hast du dich entschieden Opernsängerin zu werden?

Es gab nie den Zeitpunkt, an dem ich mich bewusst dafür entschieden habe, Sängerin zu werden – es passierte einfach aus der Freude am Singen. Ich bin in Neuseeland aufgewachsen und begann mit 16 Jahren Gesangsstunden zu nehmen. Von meinem Taschengeld hatte ich mir eine CD mit klassischer Musik gekauft – das erste Stück war »Vogliatemi bene« aus Madama Butterfly. Obwohl ich die italienischen Worte nicht verstehen konnte, fand ich es so berührend, dass es mich zum Weinen brachte. Seither wünschte ich mir, an so etwas Schönen teilzuhaben, Musik zu machen – oder auch Requisiteurin oder Inspizientin zu werden, solange ich von klassischer Musik und Oper umgeben sein könnte. Nach meinem Studium in Wellington wurde ich dann an der New Zealand Opera engagiert und arbeitete später als freie Sängerin in Neuseeland und Australien. 2014 zog ich nach London, um dort in den letzten drei Jahren an der Guildhall School of Music & Drama im Opernprogramm weiterzustudieren. Jetzt in Frankfurt Mitglied des Opernstudios zu sein, mit so vielen talentierten Kollegen, ist ein Traum, der wahr wird. Ich weiß, dass ich hier sehr viel lernen werde.

 

Iain MacNeil (Bariton):

Wie kamst du in das Opernstudio? Gab es ein Vorsingen?

Ich wollte in Europa leben und arbeiten und begann mich zu informieren. Einige Stipendiaten des Frankfurter Opernstudios sprachen in den höchsten Tönen von ihrer Erfahrung dort: Die Oper Frankfurt hat einen ausgezeichneten Ruf und soll ein toller Ort zum Arbeiten sein. Also habe ich meine Bewerbung inklusive Aufnahmen an das Opernstudio geschickt und mich sehr gefreut, als ich ein paar Wochen später die Einladung zum Vorsingen bekam. Ich flog nach Frankfurt und war etwas nervös, aber die lächelnden Gesichter und die freundliche Begrüßung in den Fluren beruhigten mich. Thomas Stollberger, der Organisator der Opernstudios, zeigte mir, wo ich mich einsingen könnte und stellte mir Naomi Schmidt, meine fantastische Klavierbegleiterin für das Vorsingen, vor. Ich sang zwei Stücke von Strauss und Mozart, und unterhielt mich mit dem Intendanten Bernd Loebe, der sehr ermutigend war. Die Nachricht, dass ich dabei bin, kam ein paar Wochen später. Und so beendete ich meine Saison als freier Sänger in Kanada und zog nach Frankfurt.

 

Mikolaj Trabka (Bariton):

Wie ist die Arbeit im Opernstudio?

Die Atmosphäre ist toll! Überall treffe ich spannende Leute, wir haben den fürsorglichen Intendanten des Hauses, der immer freundlich und offen ist, und unseren Chef Thomas Stollberger, der uns bei Problemen schnell und effizient hilft. Alle unterstützen uns, die MitarbeiterInnen im Haus und die anderen SängerInnen, und schenken uns immer ein Lächeln. Außerdem haben wir ein großartiges Team von Lehrern: Eytan Pessen, Neil Shicoff, Felice Venanzoni, Hedwig Fassbender und meinen lieben Kollegen Michał Goławski, der Korrepetitior des Opernstudios, der täglich mit uns arbeitet. Sie unterrichten uns auf höchstem Niveau, sodass wir unsere Stimmen und Fähigkeiten entwickeln können. Auf der Bühne bekommen wir dann die Möglichkeit mit großartigen KünstlerInnen zu arbeiten und kleinere, manchmal größere Rollen zu singen – bei Premieren, Wiederaufnahmen und Konzerten in oder außerhalb Frankfurts. Die Möglichkeit, gelegentlich Gastierurlaub zu nehmen, gibt uns außerdem die Freiheit, an anderen Opernhäusern zu singen oder an einem Gesangswettbewerb teilzunehmen und sich so als Künstler weiterzuentwickeln.

 

Jaeil Kim (Tenor):

In dieser Spielzeit warst du bereits für verschiedene Produktionen auf der Bühne wie fühlt es sich dort für dich an?

Ich bin sehr glücklich darüber. Auch wenn die bisherigen Rollen eher kleiner waren, ist für mich jeder Auftritt wichtig. Durch sie bekomme ich ein Gefühl dafür, wie ich auf der großen Bühne zu singen und zu spielen habe. Alles, was ich hier in Frankfurt gesehen, gemacht habe und machen werde, ist sehr spannend für mich. Gern erinnere ich mich an mein Debüt: Thibault in Verdis Les Vêpres siciliennes. Natürlich war auch Capriccio sehr interessant, zum einen wegen der großartigen Musik von Richard Strauss und zum anderen, weil ich fast die gesamte Zeit auf der Bühne stand. In dieser Oper habe ich auch gelernt, wie ich spiele und was ich mache, wenn ich nicht singe. Dabei bin ich außerdem sehr froh, mit so tollen Kollegen zusammen arbeiten zu können und dankbar über diese Erfahrungen. Ich freue mich auf all das, was ich noch machen darf!

 

Alison King (Sopranistin):

Wie erlebst du die Proben? Hast du Lampenfieber bei der Premiere?

Einer der besten Aspekte in meinem Beruf als Opernsängerin ist der Prozess der Proben. Zusammen mit dem Regisseur und dem Dirigenten zu arbeiten, um die Geschichte und die Musik des Stücks zum Leben zu erwecken, ist bereichernd und sehr beglückend für mich. Wenn eine Oper innerhalb der Probenphase gründlich erarbeitet wurde, ist das Lampenfieber meistens gering. Glücklicherweise habe ich jedenfalls nie viel Lampenfieber. Für mich gibt es eine aufgeregte Energie bevor die Oper beginnt, aber sobald ich auf der Bühne stehe, fällt alles von mir ab und ich fühle mich vollkommen locker – das ist mein glücklichster Moment.

 

Anatolii Suprun (Bass):

Wie ergeht es dir in deiner neue Heimat Frankfurt und an der Oper?

Vor Kurzem bin ich von Kiew nach Frankfurt gezogen. All die Künstler und Künstlerinnen an der Oper Frankfurt zu beobachten und kennenzulernen, mit ihren vielen unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Biografien, ist ungemein spannend für mich. Mir scheint, dass in der Zusammenarbeit von so viel Diversität die Kraft der Kunst liegt. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, eine europäische Oper kennenzulernen, in der die Künstler von ihrer Kunst leben können. Zwar ist es im Augenblick sprachlich nicht leicht für mich, da ich gerade erst begonnen habe, Deutsch zu lernen, aber Frankfurt ist jetzt mein neues Zuhause und ich bin glücklich, dass ich hier sein kann, auch wenn mir die Oper Frankfurt sicher viele Prüfungen auferlegen wird. »Leben bedeutet Wirken«, sagte Stanislawski – das treibt mich an!

 

———————–

 

Das Opernstudio

der Oper Frankfurt hat sich zu einer der renommiertesten Talentschmieden an deutschsprachigen Opernhäusern entwickelt. Hier wird jungen Sängerinnen und Sängern nach dem Studium der Einstieg in ihre weitere Gesangskarriere erleichtert. Ihre künstlerischen und praktischen Kompetenzen werden durch professionelle Unterstützung ausgebaut. So wird das Programm des Opernstudios neben einem intensiven Unterrichtsangebot vor allem durch Partien auf der großen Bühne und Auftritte in den weiteren Veranstaltungen der Oper Frankfurt abgerundet. Im besten Falle kann der Sänger-Nachwuchs anschließend an das Haus gebunden werden – so wie unter anderem bei Julia Dawson, Maria Pantiukhova, Michael Porter, Thomas Faulkner, Kateryna Kasper, Kihwan Sim, Elizabeth Reiter, Paula Murrihy und Iurii Samoilov, die in das feste Ensemble der Oper Frankfurt wechselten und inzwischen international erfolgreich sind.

 

28. März 2018

 

Schreibe einen Kommentar