NEU IM ENSEMBLE: JULIA DAWSON

Die kanadische Mezzosopranistin Julia Dawson im Porträt bei hr2-kultur:

 

© Hessischer Rundfunk – www.hr.de

Wenn sie nicht die Königin der Nacht sang, wussten ihre Eltern, dass sie krank war, erzählt Julia Dawson lachend. Die Mezzosopranistin ist in einer musikalischen Familie in Ontario, Kanada aufgewachsen. »Als Kind habe ich viele Bach-Kantaten gehört. Was mich aber vor allem beeindruckt hat, war Die Zauberflöte. Ich war ganz verrückt nach den Arien der Königin der Nacht.« In ihrer Kindheit wurde Julia Dawson zuhause unterrichtet. Mit acht Jahren kamen Musiktheorie, Klavier und Gesang hinzu. Auf die Frage, ob sie schon immer Opernsängerin werden wollte, sagt sie: »Ja und nein. Als ich klein war, wollte ich Sängerin, Präsidentin von Kanada, Ökonomin und und und werden.« Eine Aufnahme von Maria Callas half ihr bei der Entscheidung: »Ich dachte: Wow! Das ist es, was ich machen möchte!«

Die Erinnerung an ihren ersten Opernbesuch ist bruchstückhaft: »Ich weiß nicht mehr, welches Stück gespielt wurde, dafür habe ich den Kinderchor genau vor Augen; und die Bühne, die sich wie hier in Frankfurt drehte.« Während ihrer Highschoolzeit sammelte Julia Dawson erste Erfahrungen im Theater und Musiktheater. So sang sie beispielsweise in Rogers’ und Hammersteins Cinderella und in Guys and Dolls. »Ich war das Hot Box Girl, ohne mit elf Jahren wirklich zu wissen, was ein Hot Box Girl ist.« Ihre allererste Partie hingegen bestand eigentlich aus dreien. »Mein Gesangslehrer in der Schule inszenierte eine Kammerversion von Le nozze di Figaro. Dabei verkörperte ich die Gräfin, Cherubino und Susanna. Kostümwechsel fanden auf der Bühne statt, sodass ich von einer Rolle in die nächste schlüpfen konnte.« Julia Dawson studierte schließlich am Oberlin Conservatory, an der Sheperd School of Music in Houston und an der Academy of Vocal Arts in Philadelphia. Während dieser Zeit ging sie nach Italien, um die Sprache zu lernen. Neben Italienisch spricht sie Französisch und lernt seit ihrer Ankunft im Frankfurter Opernstudio vor zwei Jahren fleißig Deutsch.

Als Opernsängerin hat sie ihre Erfüllung gefunden. »Ich denke, es ist eine Art Magie. Es gibt diese Momente auf der Bühne, wenn die Energien der Darsteller und Musiker miteinander verbunden sind und jeder auf den anderen reagiert. Ich bin sicher, das Publikum kann das spüren. Es passiert nicht jeden Tag, aber wir arbeiten für eben diese Momente. Das ist wie eine magische Droge.« Im Verlauf einer Opernproduktion ist sie jedes Mal wieder von der Orchestersitzprobe begeistert. »Es ist das erste Mal, dass alle Sänger mit dem Orchester zusammenkommen, und der Charakter, der in den szenischen Proben entwickelt wurde, auf die Musik trifft.«

Eine Partie, die Julia Dawson besonders am Herzen liegt, ist Sesto in La clemenza di Tito. »Das ist eine sehr heroische Partie mit großer emotionaler Tiefe. Das Accompagnato-Rezitativ am Ende des ersten Aktes ist der Teil, den ich bisher am liebsten gesungen habe.« Oder Emilia in Vivaldis Catone in Utica. »Emilia ist ein sehr finsterer Charakter. Es war das erste Mal in meiner Laufbahn, dass ich in der Lage war, eine Partie mit einem so enormen Stimmumfang zu singen. Ich hoffe, es warten noch mehr Figuren dieses Kalibers auf mich.« Außerdem träumt sie davon, einmal die Titelpartien in Pelleas et Melisande und L’incoronazione di Poppea zu geben. Demnächst steht sie hier als Angelina in La Cenerentola auf der Bühne. Aber wer weiß, vielleicht gehen ihre Träume hier im Ensemble der Oper Frankfurt in Erfüllung.

Ein Text von Jannike Schulte

 

Julia Dawson an der Oper Frankfurt:

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